Neues Konzept stößt auf Widerstand
Lufthansa spart Stewardessen ein

Die Deutsche Lufthansa will das Kabinenpersonal reduzieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die Fluggesellschaft will auf Langstreckenflügen künftig mit einem Flugbegleiter weniger auskommen. Das neue Servicekonzept soll bereits ab März getestet werden. Betroffen sind 600 Arbeitsplätze.

lip HB HAMBURG. Die Deutsche Lufthansa AG reagiert auf die weltweite Luftfahrtkrise mit einem ausgedünnten Service. Die Kranich-Linie will ab dem 1. Juli auf jedem Langstreckenflug einen Flugbegleiter streichen sowie auf Kontinentalflügen einen "Springer" abziehen. Davon betroffen wären rund 500 bis 600 Stellen. Die Fluggesellschaft will die Kosten so um rund 30 bis 40 Mill. Euro senken. Das geht aus einem Schreiben der Lufthansa-Personalvertretung hervor, das dem Handelsblatt vorliegt.

Bei den Personalvertretern stößt das Einsparprogramm auf harten Widerstand: "Die Kabine ist kein unendlich zu reduzierender Kostenfaktor", heißt es in einem Rundschreiben der Kabinenvertretungen. 310 Gäste in einer Boeing 747 mit nur sechs Flugbegleitern zu betreuen, bedeute weltweit den geringsten Crew-Einsatz pro Passagier.

Die Einsparungen sind Teil des konzerneigenen Programms "D-Check", mit dem sich die Lufthansa fit und schlank für die Zukunft machen will. Der Konzern spricht offiziell von einem "veränderten Service-Konzept in der Economy-Class". Demnach sollen Flugbegleiter in den Lufthansa-Maschinen künftig einen "Kombi-Trolley" einsetzen, von dem aus Essen und Getränke gleichzeitig an die Fluggäste ausgegeben werden können. Bislang wurden die Gäste von getrennten Wagen aus versorgt. Erstmals soll der neue Service im März getestet werden.

Lufthansa betont, das neue Konzept gefährde beim Kabinenpersonal keine bestehenden Arbeitsplätze gefährdet. Der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist von den Plänen bisher nichts bekannt. Sie könne deshalb nicht abschätzen, ob es möglicherweise doch noch zu Stellenstreichungen komme, sagte eine Sprecherin.

Die neuen Pläne des Lufthansa-Vorstands bergen allerdings erhebliche Brisanz. Erst im November vergangenen Jahres hatte sich die Gewerkschaft mit der Fluggesellschaft darauf geeinigt, dass es bei den insgesamt 12 000 Mitarbeitern in den Lufthansa-Kabinen zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen werde. Bis zum 30. April 2002 hat sie mit den Arbeitgebern ein Schutzabkommen vereinbart, dass über die bisher vereinbarte Kurzarbeit hinaus keine Stellenstreichungen zulässt.

Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals in Deutschland stemmt sich vehement gegen die Lufthansa-Pläne. Sie will noch in dieser Woche mit den Bereichsvorständen der Fluggesellschaft sprechen, um die geplanten Einsparungen abzuwenden. "Für die Flugbegleiter bedeutet das eine erhebliche Mehrbelastung", sagte Uwe Hien, geschäftsführender Vorstand der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (Ufo), dem Handelsblatt. Die Ufo wird, anders als etwa die Pilotenvereinigung Cockpit, von der Lufthansa nicht als Tarifpartner anerkannt.

Hien befürchtet, dass das neue Konzept auch erhebliche negative Auswirkungen auf die Lufthansa-Kunden haben werde. Offen sei derzeit auch, welche Folgen es für die Arbeitssicherheit haben werde.

Die Lufthansa rechtfertigt den veränderten Service damit, dass das neue Konzept die Arbeitsabläufe in den Kabine stark vereinfache. Das bedeute, dass sich die Belastung des einzelnen Flugbegleiters nicht erhöhen werde. "Mit der gleichen Zielrichtung untersuchen wir im Kontinentalbereich Veränderungen des Produkts und der Service-Abläufe auf einigen Strecken", heißt es in einem internen Papier der Lufthansa, das dem Handelsblatt vorliegt.

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