Neues Kredithilfe-Abkommen bis Mitte Juli möglich
Argentinien und der IWF kommen sich näher

IWF-Direktor Horst Köhler eröffnete Argentinien erstmals eindeutige Hoffnung auf neue Kredithilfe vom Fonds. Eine Übereinkunft mit dem IWF bis zum 14. Juli sei möglich, wenn die Administration von Präsident Eduardo Duhalde "zeigt, dass sie ihrer Verantwortung gewachsen ist", so Köhler. Die argentinische Wirtschaftsführung hatte dieses Datum gesetzt, da dann bedeutende Rückzahlungen an die multilateralen Kreditinstitutionen fällig werden.

BUENOS AIRES. Die Verhandlungen, die IWF-Funktionär John Thornton seit Ende letzter Woche in Buenos Aires führte, liefen "verhältnismäßig gut", erklärte IWF-Sprecher Tom Dawson. Thornton reist heute nach Washington zurück. Dienstag fährt Wirtschaftsminister Roberto Lavagna zu Gesprächen in die US-Hauptstadt. Weitgehend einig sind sich IWF und die argentinische Wirtschaftspolitik über Obergrenzen für die Emission von Pesos bis Ende des Jahres und über das Ziel eines Haushaltsüberschusses von 1,1 % (Haushalt ohne Berücksichtigung der Schuldenbedienung). Der IWF wies darauf hin, dass von den verbleibenden Devisenreserven in Höhe von knapp 10 Mrd. $ fast die Hälfte aus dem letzten IWF-Kredit vom letzten Jahr stammt. Ein weiteres Schrumpfen der Zentralbankreserven müsse unter allen Umständen vermieden werden. Ausschlaggebend dafür ist eine notdürftige Sanierung der Geschäftsbanken.

Das Angebot der Regierung an die Sparer, ihre eingefrorenen Gelder auf den Konten gegen Staatsanleihen aus den Bank-Portfolios einzutauschen, scheitert bisher an Ungenauigkeiten. Solange Unternehmen und private Einleger nicht wissen, ob sie mit den Bonds Steuern zahlen oder bestimmte Kapitalgüter erwerben können, besteht kaum Nachfrage nach den Anleihen. Die Verzögerung dürfte auch auf Differenzen mit dem IWF zurückzuführen sein, denn je mehr die Nutzung der Bonds erlaubt wird, desto größer ist die inflationäre Wirkung.

Wie sehr die offizielle Zahlungsunfähigkeit und die Abwertung des Peso im Januar die argentinische Wirtschaft mitgenommen haben, zeigen die neuen Quartalszahlen für das BSP-Wachstum. Die argentinische Wirtschaft schrumpfte in den ersten drei Monaten des Jahres um 16,3 %, stärker als die vom Markt erwarteten 13 %. Vor allem der Konsum ging stark zurück. Der private Konsum fiel um 20 %, die realen Investitionen sackten um fast die Hälfte ab. Dabei sind die Vergleichszahlen bereits niedrig. Das Jahr 2001 war das dritte Rezessionsjahr in Argentinien. "Die Indikatoren für das laufende zweite Quartal zeigen, dass bisher keine Trendwende stattgefunden hat", analysiert die Dresdner Bank, die für das Gesamtjahr 2002 einen BSP-Rückgang von 13 % vorhersagt. Die Zeit drängt, nicht nur wegen Argentiniens eigener sich schnell verschärfender ökonomischen Misere, sondern auch wegen der starken Nervosität der Märkte der ganzen Region. Zwar sind sich Analysten einig, dass die hohen Zinsaufschläge für Brasilien, die gestern wieder deutlich stiegen, hauptsächlich auf Brasiliens eigene politische Situation zurückzuführen ist. Doch ein Vergleich zwischen Argentinien und Brasilien drängt sich auf und schürt die Ängste der Investoren.

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