Neues Management für Privatkundengeschäft: Vorstände verärgert über neue Struktur der Deutschen Bank

Neues Management für Privatkundengeschäft
Vorstände verärgert über neue Struktur der Deutschen Bank

Die Pläne des designierten Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, stoßen bei anderen Vorstandsmitgliedern auf Widerstand. Hermann-Josef Lamberti und Thomas Fischer verlieren an Macht.

FRANKFURT/M. Die geplante neue Führungsstruktur der Deutschen Bank stößt im Vorstand nicht nur auf Gegenliebe. In Bankkreisen heißt es, dass sowohl Thomas Fischer als auch Hermann-Josef Lamberti mit der Entwicklung unzufrieden seien. Fischer werde nach den gegenwärtigen Plänen die Funktionen des Chief Operating Officers verlieren und nur noch das Amt des Risikomanagers bekleiden. Lamberti muss nach Informationen des Handelsblatts die Verantwortung für das Privatkundengeschäft abgeben. Es wird bereits spekuliert, dass die beiden die Konsequenzen aus der veränderten Situation ziehen und den Konzern verlassen könnten.

Auch im Privatkundengeschäft und der Vermögensverwaltung (PCAM) drohen offenbar einschneidende Veränderungen. Ackermann werde verschiedene Führungspersonen austauschen, berichten Banker. Dies ist auf die Unzufriedenheit der Bank mit der Geschäftsentwicklung von PCAM zurückzuführen. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres hat dieser Bereich nur knapp 11 % zum Gesamtergebnis vor Steuern beigetragen. Bereits im September 2001 zog der für das Privatkundengeschäft in den USA zuständige Mayo Shattuck die Konsequenzen aus der schlechten Entwicklung und verließ die Deutsche Bank.

Nach den neuen Plänen soll der achtköpfige Vorstand des größten deutschen Kreditinstituts verkleinert werden. Außerdem ist es vorgesehen, ein neues Exekutivkomitee unterhalb des Führungsgremiums zu installieren, das die Entscheidungen im Tagesgeschäft fällt. Dadurch nähert sich die Deutsche Bank angelsächsischen Führungsmodellen an und stärkt die Position des designierten Vorstandschef Josef Ackermann. Er folgt Rolf-E. Breuer im Mai an die Spitze. Unterstützt wird Ackermann bei seinen Plänen sowohl vom Aufsichtsratschef Hilmar Kopper als auch vom einflussreichen Aufsichtsratsmitglied Ulrich Cartellieri.

Der künftige Vorstand wird voraussichtlich nur noch aus fünf Mitgliedern bestehen. Neben den mit der neuen Situation unzufriedenen Fischer und Lamberti sind dies Ackermann als Vorstandssprecher sowie Clemens Börsig als Finanzvorstand und Tessen von Heydebreck, der für Compliance, Recht, Revision und Personal zuständig ist. Die beiden bisherigen Vorstände Jürgen Fitschen und Michael Philipp müssen offenbar in das Exekutivkomitee wechseln. Für Fitschen, der bislang zusammen mit Ackermann für das Firmenkundengeschäft sowie alleine für das Transactionbanking zuständig ist, bedeutet das einen Zuwachs an Einfluss. Bei Philipp, der die Vermögensverwaltung leitet, wird spekuliert, dass er aus familiären Gründen nicht auf Dauer bei der Deutschen bleibe.

Externe Beobachter beurteilen das angelsächsisch geprägte Führungsmodell dagegen überwiegend positiv: Mit diesem Schritt seien grenzüberschreitende Fusionen und Kooperationen deutlich leichter geworden, sagen Banker. Das neue System werde im Ausland verstanden. Eine Verschmelzung mit anderen Investmentbanken wie Merrill Lynch, die häufig als möglicher Partner genannt wird, stehe aber nicht bevor. Vielmehr werden Kooperationen und Teilfusionen in den Bereichen Vermögensverwaltung und im Privatkundengeschäft erwartet.

Allerdings birgt die künftige Machtfülle für Ackermann auch Risiken: Er könne sich künftig bei Fehlentscheidungen nicht mehr hinter dem Vorstandsgremium verstecken, sagte ein Banker. Entscheidend für den Erfolg der neuen Führungsstruktur ist zudem die Zusammenarbeit mit Breuer als künftigem Chef des Aufsichtsrates.

Auch andere deutsche Banken haben ihre Führungsstrukturen in jüngster Zeit verändert: Die Hypo-Vereinsbank trennte durch eine Holding-Lösung strategische Verantwortung vom operativen Geschäft. Dresdner-Bank - Chef Bernd Fahrholz wurde zum Vorstandsvorsitzenden befördert.

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