Neues Marktmodell für unabhängiges Research
Berufsverband will Analysten-TÜV

Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) will einen Internet-Marktplatz für bankenunabhängige Finanzanalyse einrichten.

van FRANKFURT/M. Mit dieser neuen Plattform beabsichtige die DVFA, die enge Verflechtung von Research und Investment-Banking aufzubrechen, sagte Fritz Rau, Vorstandsvorsitzender der DVFA, auf der Jahrespressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt. Der bestehende Interessenkonflikt der Finanzanalyse werde somit aufgelöst. Außerdem will die Berufsvereinigung der inzwischen stark geschrumpften Analystenzunft neue Geschäftsfelder eröffnen.

Die DVFA entwickelt die Internet-Plattform gemeinsam mit dem Europäischen Dachverband der Analystenvereinigungen (EFFAS). Künftig sollen bankenunabhängige Analysten hier ihre Studien an Geschäftsbanken, institutionelle Investoren und Emittenten verkaufen. Die neue Plattform werde im Mai 2003 fertig sein und später europaweit ausgebaut, sagte Rau. Bis zum Jahresende will der DVFA-Vorstandschef 100 bis 120 Anbieter für den Marktplatz gewinnen.

DVFA und EFFAS reagieren mit dem Modell auf die erheblichen Einsparungen in den Researchabteilungen der Banken. Der Kostendruck habe dazu geführt, dass Analyseabteilungen verkleinert oder geschlossen wurden, sagte Rau. Verzichten können die Banken auf die vom Research erstellten Studien aber nicht. "Das eröffnet bankenunabhängigem Research die Chance, sich im europäischen Markt zu etablieren", gibt sich Rau daher optimistisch.

Der DVFA-Vorstandssprecher rechnet damit, dass auch nicht regelmäßig beobachtete Unternehmen ihre Studien im EFFAS-Marktplatz gegen Gebühr in Auftrag geben werden. Insbesondere Nebenwerte seien von dem derzeitigen Researchnotstand betroffen und würden immer weniger von den Bankanalysten beobachtet, sagte DVFA-Marketingleiter Ralf Frank. Über bankenunabhängige Studien könnten diese Unternehmen ihre Präsenz am Kapitalmarkt sicherstellen. Die Kosten der Studie müssen die Unternehmen allerdings selber tragen. Der Preis für eine Basisstudie und drei Aktualisierungen werde "im mittleren fünfstelligen Bereich" liegen, sagte Rau. Durch feste Gebühren für Studien will die DVFA verhindern, dass sich Unternehmen über höhere Zahlungen positive Beurteilungen erkaufen. Die Emittenten müssten sich auch daran gewöhnen, im Zweifelsfall für eine Verkaufsempfehlung gezahlt zu haben, betonte Rau.

Um die Qualität der Finanzanalysen sicher zu stellen, will der Dachverband EFFAS einen "TÜV für Finanzanalyse" entwickeln. Für das TÜV-Siegel müssten alle Research-Anbieter ein Zertifizierungsverfahren durchlaufen, erklärte Frank. In einem Aufnahmeverfahren würden Experten der EFFAS und Vertreter der Emittenten professionelle Eignung, Qualifikation, Profil und Arbeitsproben der Analysten prüfen. Im Rahmen eines Research-Ratings würden die Arbeitsergebnisse der Anbieter kontinuierlich überprüft, so Frank. Damit will die DVFA so genannte "Gefälligkeitsgutachten" unterbinden.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verfolgt die Einführung des Marktplatzes mit großem Interesse, sagte eine Sprecherin. Das von Interessenkonflikten ausgehende Risiko sei jedoch vorhanden. Sollte die Analystenvereinigung das angestrebte Niveau der Studien erreichen können, sei das Modell aber sehr interessant.

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