Neues Medikament verspricht Linderung für Multiple-Sklerose-Patienten: Wyeth drängt in die MS-Therapie

Neues Medikament verspricht Linderung für Multiple-Sklerose-Patienten
Wyeth drängt in die MS-Therapie

Der US-Pharmakonzern Wyeth bietet in Deutschland ein neues Mittel gegen Multiple Sklerose an. Mediziner machen vor allem Schwerkranken Hoffnung auf Besserung, bei denen gängige Mittel nicht mehr greifen.

DÜSSELDORF. Mit einem neuartigen Medikament drängt der Pharmakonzern Wyeth in Deutschland auf den Markt für die Behandlung der Multiplen Sklerose (MS). Das Mittel mit dem Namen Ralenova kann nach Einschätzung von Medizinern vor allem Kranken im weit fortgeschrittenen Stadium helfen. Sie leiden an zumeist schnell wiederkehrenden, schweren Krankheitsschüben, die zunächst zu Sehstörungen und Krämpfen und schließlich zu Lähmungen führen können.

Multiple Sklerose ist eine Entzündung des Nervensystems. An ihr sind nach Schätzung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Deutschland 130 000 Menschen erkrankt, vor allem 20- bis 40-Jährige. Mediziner vermuten als Ursache eine Fehlprogrammierung des Immunsystems : Es produziert bei MS-Kranken Antikörper, die die Schutzhülle der Nervenbahnen angreifen und meist vernarbtes Gewebe hinterlassen. Folge: Die Nervenimpulse werden nicht richtig übertragen - der Erkrankte hat Probleme beim Gehen, Essen oder Sprechen.

Die Krankheit ist weder ansteckend noch tödlich und muss nicht zwangsläufig zu einem Leben im Rollstuhl führen. Doch die Therapie chronisch Kranker wird mit fortschreitender Behinderung immer schwieriger. Ausgewiesene MS-Experten wie der Düsseldorfer Universitätsprofessor Hans-Peter Hartung feiern das neue Mittel daher als "Durchbruch".

Das verwundert nicht, schließlich hat Hartung die Forschungsstudie zur Wirkung des Medikaments mit dem Wirkstoff Mitoxantron geleitet. Doch der Erfolg ist dokumentiert: Bei der Mehrzahl der mit Mitoxantron behandelten schwerkranken MS-Patienten habe sich die Zahl der Schübe verringert und die Intensität der Schübe abgeschwächt. "Wir konnten das Fortschreiten der Krankheit verringern und bei manchen Patienten sogar stoppen", erläutert Hartung.

Vorteil des Wirkstoffs: seine Nebenwirkungen sind schon lange bekannt. Er wird bereits seit 1987 bei Krebserkrankungen eingesetzt. Erst vor wenigen Jahren entdeckten Mediziner seine Wirkung bei Multipler Sklerose. Die US-Gesundheitsbehörde FDA sah die Wirkung des Mittels nach ersten Studien als erwiesen an und erteilte bereits im Oktober 2000 die Zulassung in den USA. Dort verkauft der Biotechkonzern Serono das Mittel unter dem Namen Novantrone, nachdem er sich die Lizenz vom Konkurrenten Amgen gesichert hat. Außerhalb der USA vermarktet Wyeth das Mittel.

Ralenova unterdrückt und regelt die Tätigkeit des Immunsystems bei MS- Kranken. Es greift die fehlgesteuerten Antikörper auch direkt an und kann so die Entzündungen am Nervensystem eindämmen. Nach Auskunft Hartungs hat sich das Mittel vor allem in der Langzeittherapie bewährt - dann, wenn gängige Präparate nicht mehr greifen. Doch ist Ralenova nicht für jeden MS-Patienten geeignet: die Nebenwirkungen können bei herzkranken Patienten beträchtlich sein.

Ralenova/Novantrone ist das vierte Medikament auf dem Markt für MS-Behandlung, den Analysten von UBS Warburg auf ein Volumen von weltweit mehr als 2 Mrd. $ schätzen. Zu den gängigen Präparaten gehören Cortison und die Arzneien Avonex, Betaferon, Rebif und Copaxone. Betaferon ist das umsatzstärkste Produkt der Berliner Schering AG: es regelt und dämpft wie seine Konkurrenzmittel ebenfalls die Tätigkeit des Immunsystems bei MS-Kranken.

Für diese gängigen MS-Medikamente ist Ralenova/Novantrone jedoch kein Konkurrenzprodukt. Bei der Behandlung von Entzündungs-Schüben im frühen und mittleren Stadium der Erkrankung werden sie "Mittel der Wahl" bleiben, glaubt Hartung. Das sehen auch die Hersteller so, die Ralenova/Novantrone nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung einstufen: Serono etwa wird durch den Lizenzerwerb in den USA Novantrone gemeinsam mit seinem Umsatzbringer Rebif bei den Ärzten anbieten. In weiteren Studien wird in den USA bereits die kombinierte Wirkung von Interferon-Mitteln wie Rebif sowie Novantrone getestet.

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