Neues Office-Paket - Analysten räumen dem Herausforderer gute Chancen ein
Sun will Microsoft jagen

Im Kampf um den Markt für Bürosoftware gibt sich Sun Microsystems noch nicht geschlagen.

sgr/siri DÜSSELDORF. Microsofts Produktsammlung mit den gängigsten Büroanwendungen ist allerdings auf 65 % aller Personalcomputer weltweit installiert, das Paket Office XP hat Microsoft ein Jahr nach Markteinführung 60 Millionen Mal verkauft. Trotzdem hat Sun seine Bürosoftware Star Office in der Version 6.0 Anfang der Woche auf den Markt gebracht. Das zuvor kostenlos abgegebene Produkt kostet in den USA 76 $, in Deutschland wird es für 89,95 Euro verkauft.

Wenn für einige wenige Anwender bislang der Preisvorteil von Star Office - Microsofts Angebot kostet immerhin 479 $ - nicht ausreichte, um nennenswert Marktanteile zu erzielen, weil Umstellungsarbeiten und aufwendige Schulungen vorzunehmen waren, so könnte Microsoft mit seiner veränderten Lizenzpolitik die Käufer doch geradewegs in die Arme von Sun treiben. Die Marktforscher von Gartner erkennen nämlich eine zunehmende Unzufriedenheit vieler Kunden mit Microsofts neuem Lizenzmodell "License 6.0". Die Gartner-Experten rechnen damit, dass die bessere Funktionalität und der Preisvorteil des Sun-Angebots einerseits sowie Microsofts Politik andererseits dazu führen werden, dass Star Office bis zum Jahr 2004 auf einen Anteil von 10 % kommen könnte. Das ist im Vergleich zum Anteil des Marktführers zwar immer noch bescheiden, aber bei einem jährlichen Absatz von rund 60 Millionen Paketen sind sechs Millionen verkaufte Programme für Sun Microsystems schon eine auskömmliche Größe.

Zu Suns Erfolg wird auch die gegenüber der kostenlosen Vorversion deutlich verbesserte Kompatibilität zu den Dateiformaten von Microsoft und anderen beitragen. Dateien aus Microsoft Office-Anwendungen können in Star Office geöffnet, bearbeitet und in den jeweiligen Formaten weitergegeben werden. Gartner-Analyst Michael Silver: "Immer mehr Unternehmen wägen die höheren Kosten für Office-XP-Lizenzen gegen die vermeintlichen Nachteile des Sun-Produkts ab." Und David Smith, ebenfalls Gartner, meint: "Bis jetzt ist noch nicht viel von Star Office verteilt, doch das Interesse an dem Produkt ist ungeheuer hoch."

Das Programm Star Office wurde ursprünglich von dem Deutschen Marco Börries als billige Alternative zu Microsoft entwickelt und später von Sun übernommen. Inzwischen hat sich Suns Position auch durch die Verbreitung des Internets verbessert. Gartner geht nämlich davon aus, dass Microsoft sein Monopol bei Betriebssystemen nicht auf das Internet ausweiten kann. Und mit zunehmender Popularität des ebenfalls nahezu kostenlosen Linux-Betriebssystems vergrößert sich der Preisvorteil für Star Office, weil es auch eine Version gibt, die auf Linux aufbaut.

In den USA arbeiten bislang etwa 39 000 Anwender mit der Sun-Software, 15 000 davon sitzen allein im US-Verteidigungsministerium. Dabei hat nicht zuletzt das Thema Sicherheit eine Rolle gespielt. Das Microsoft-Produkt muss dabei nicht einmal per se unsicherer sein, vielmehr gibt es deutlich mehr Hacker, die sich in den Programmen von Microsoft - weil eben mehr verbreitet - besser auskennen.

Microsoft will nun in künftigen Versionen des Office-Pakets Anwendungen integrieren, die ursprünglich für die inzwischen offiziell aufgegebenen Dotnet-Services entwickelt wurden. So könnten beispielsweise künftig Online-Kalender oder E-Mail-Funktionen als Web-Services - natürlich gegen entsprechende Bezahlung - zur Verfügung stehen.

Quelle: Handelsblatt

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