Neues Preissystem eventuell vor dem Aus
Bahn will bis 2006 an die Börse

Die Bahn will trotz der Probleme im Fernverkehr nach Angaben aus Unternehmenskreisen bis 2006 unter Führung von Hartmut Mehdorn an die Börse. Während sein Vertrag am Dienstag demonstrativ verlängert wurde, müssen zwei für das neue Preissystem verantwortliche Manager gehen.

Reuters BERLIN. Das System solle massiv geändert oder gar abgeschafft werden, hieß es. Mehdorn werde an einem zügigen Börsengang weiter festhalten, erfuhr Reuters aus Unternehmenskreisen. Ziel sei es zudem, das Projekt aus dem Bundestagwahlkampf 2006 herauszuhalten. Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hatte zuvor angedeutet, dass die ursprünglich für Anfang 2005 geplante Teilprivatisierung verschoben werde. "Das ist für uns kein Dogma", hatte Stolpe zu dem Termin gesagt. Die Bahn teilte mit, dass der Aufsichtsrat Mehdorns Vertrag um fünf Jahre bis 2008 verlängerte. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn war auch persönlich für die massiven Probleme mit dem neuen Preissystem verantwortlich gemacht worden. Stattdessen werden aber die für den Personverkehr und dessen Marketing verantwortlichen Vorstände abgelöst werden, die früher bei der Lufthansa beschäftigt waren.

Projekt Börsengang eng mit Mehdorn verknüpft

Der Börsengang sei eng mit der Person Mehdorns verbunden, hieß es in den Kreisen weiter. Es sei unwahrscheinlich, dass er das Projekt auf unbestimmte Zeit verschiebe. Intern habe die Bahn allerdings ohnehin mittlerweile eher Ende 2005 als Anfang 2005 ins Auge gefasst. Aus dem Aufsichtsrat war zu hören, dass der Börsengang während der Sitzung kein Thema war. "Dazu sind die Zahlen zu schlecht." Allerdings wolle die Bahn ihre Verluste in diesem Jahr weiterhin auf 200 Mill. ? begrenzen, indem besonders bei Investitionen in das Schienennetz gespart werde.

Nach Informationen aus dem Unternehmen hat die Bahn ihren Betriebsverlust vor allem wegen der Probleme im Fernverkehr im ersten Quartal auf 185 Mill. ? ausgeweitet. Allerdings könne die Bahn vor allem wegen relativ guter Zahlen im Nahverkehr und auch im Güterverkehr an ihrer Mittelfristplanung weitgehend festhalten. Am Dienstagnachmittag bestätigte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ihr Langfristrating für die Bahn mit "AA" und das Kurzfristrating mit "A-1+" mit stabilem Ausblick.

Wohl massive Änderungen am Preissystem

Das Preissystem soll auf Grund einer unternehmensinternen Analyse zumindest an einigen Punkten gravierend geändert werden. Die Bahn bestätigte, dass die Stornogebühren bei früh gebuchten Reisen ab Mittwoch auf 15 ? von bisher bis zu 45 ? reduziert werden. Außerdem soll den Kreisen zufolge der Zwang zu einer Reise über das Wochenende entfallen, um einen den höchsten Rabatt von 40 % zu erhalten. In den Kreisen hieß es aber weiter, dass im Aufsichtsrat auch die völlige Abschaffung des Systems diskutiert worden sei. Änderungen solle es spätestens im September, wenn möglich aber schon zu Beginn der Sommerferien geben. Die Bahn erklärte, weitere Änderungen würden geprüft. Aus dem Aufsichtsrat hieß es, mit Verbesserungen des Systems würde eine Unternehmensberatung beauftragt. Die Eisenbahnergewerkschaft Transnet verlangte weit gehende Reformen des Systems: "Wir erwarten vom Vorstand der Deutschen Bahn AG jetzt eine Kurskorrektur."

Mehdorn, der sich seit Wochen kaum mehr in der Öffentlichkeit geäußert hatte, sei bei der Sitzung sehr gelöst aufgetreten. "Der war kampfeslustig und hat Witze gemacht, wie in seinen besten Zeiten", sagte ein Aufsichtsrat.

Preissystemverantwortliche werden abgelöst

Als Hauptverantwortliche für das System werden Personenverkehrsvorstand Christoph Franz und sein Marketing-Vorstand Hans-Gustav Koch abgelöst. Gleiches gelte für die Leiterin des Preismanagements, Anna Brunotte, hieß es in den Kreisen. Sie hatte das System entwickelt. Nachfolger von Franz wird der bisherige Technikvorstand Karl-Friedrich Rausch, teilte die Bahn mit. An dessen Position rückt Einkaufschef Stefan Garber. Mehdorn begründete die Ablösungen der Manager mit unterschiedlichen Auffassungen über Korrekturen am Preissystem. Union und FDP sprachen von Bauernopfern, um Mehdorn als Hauptverantwortlichen des Preissystems zu retten.

Einbruch im Fernverkehr

Von Januar bis März hat die Bahn nach Informationen aus den Kreisen ein Minus von 185 Mill. ? eingefahren, davon entfallen 133 Mill. ? auf den Fernverkehr. Die Bahn hatte dies vor allem auf die schwache Konjunktur, technische Probleme mit Zügen sowie das Wetter zurückgeführt. Allerdings gab es den Kreisen zufolge auch im April und damit trotz des Osterverkehrs keine Besserung. Der Umsatz habe in den ersten vier Monaten 5,1 Mrd. ? betragen. Damit lag er zwar um zwei Prozent über Vorjahresniveau, aber rund 200 Mill. ? unter der Planung.

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