Neues Ringen um Vermarktung des Autorennsports beginnt
Machtkampf um die Formel 1

Die Einigung zwischen dem Kirch-Konzern und der Filmrechtefirma EM.TV verhilft der EM.TV-Aktie zu neuem Schwung. Zugleich löst der Deal einen Streit um die Macht in der Formel 1 aus.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das monatelange Tauziehen um die schwer angeschlagene Filmrechtefirma EM.TV & Merchandising AG ist beendet. Die mächtige Kirch-Gruppe steigt bei dem einstigen Schwergewicht des Neuen Marktes ein. Die Einigung bescherte EM.TV bei starkem Handel einen Kursaufschlag von rund 15 %. Das Papier pendelte sich am Nachmittag bei 8 Euro ein, nachdem es zuvor zwischenzeitlich 9,8 Euro erreicht hatte. Vor rund einem Jahr hatte die EM.TV-Aktie allerdings noch bei 120 Euro notiert. Die Finanzmärkte werteten den Einstieg Kirchs als positives Signal. Kirch wird zugetraut, dem einstigen Börsenstar beim Abbau der Bankschulden von 2,2 Mrd. DM zu helfen.

Gemäß der geschlossenen Vereinbarung erhält Kirch 16,74 % der Aktien und zudem eine Sperrminorität von 25,1 % der Stimmrechte an EM.TV. Hinzu kommen 49 % an der Speed Ltd., Jersey, die wiederum die Hälfte an der Formel-1-Holding SLEC hält. Kirch will EM.TV dafür 550 Mill. $ zahlen und außerdem die Filmrechte des Gemeinschaftsunternehmens Junior TV komplett abgeben. Vorstand und Aufsichtsrat haben dem Vorschlag zugestimmt und damit einen seit Anfang Dezember dauernden Streit beendet. Vor allem EM.TV-Aufsichtsratschef Nickolaus Becker galt als Gegner einer Einigung mit Kirch. Gestern kursierten dann auch Spekulationen um einen baldigen Rücktritt Beckers.

Kernstück der Vereinbarung zwischen Kirch-Vize Dieter Hahn und EM.TV-Großaktionär und-Vorstandschef Thomas Haffa ist die Formel 1. Die Partner wollen über Speed Ltd. eine Option zum Kauf weiterer 25 % an SLEC Holding Ltd. für 987 Mill. $ bis Ende Februar ausüben. Damit hätten EM.TV und die Kirch Holding GmbH & Co., Ismaning, gemeinsam 75 % an der Formel-1-Dachgesellschaft. Bisher hat dort Formel-1-Organisator Bernie Ecclestone das Sagen.

Haffa galt bisher als ein Partner, der das operative Geschäft wenig beeinflussen konnte. Das wird sich künftig jedoch ändern. Wenn die Kirch-Gruppe indirekt drei Viertel der Formel-1-Holding kontrolliert, kann nichts mehr gegen sie unternommen werden.

Unterdessen wurde aus SLEC-Kreisen bekannt, dass Ecclestone ein Veto gegen einen neuen Teilhaber einlegen will. Von der Kirch-Gruppe wird diese Möglichkeit bestritten. Der Medienkonzern erklärte, dass es weder ein Vetorecht gegen eine Beteiligung an der Speed Ltd. noch gegen die Ausübung der Option auf weitere SLEC- Anteile gebe.

Die Kirch-Gruppe unterstrich am Donnerstag ihr Interesse an einer dauerhaften Lösung für den Rennsport. Einem Einstieg der Autokonzerne wie Daimler-Chrysler, BMW, Fiat oder Ford will sich Kirch nicht verschließen. Insbesondere Daimler-Chrysler hatte in der Vergangenheit Interesse an einer Formel-1-Beteiligung betont.

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