Neues Sanierungskonzept angekündigt
Allianz-Gewinn bricht weg

Der Versicherungskonzern Allianz schockte die Märkte gestern Abend mit einer Gewinnwarnung. Im zweiten Quartal hat er einen Verlust von 350 Mill. Euro verbucht. Die Gewinnprognose für das Gesamtjahr von 3 Mrd. Euro "lässt sich nicht halten", teilte der größte Versicherer Europas gestern kurz vor Börsenschluss mit. Die Allianz-Aktie stürzte daraufhin um über elf Prozent ab. Gleichzeitig kündigte der Konzern ein umfassendes Sanierungskonzept für die Dresdner Bank an, die offensichtlich für den Großteil des Quartalsverlusts verantwortlich ist.

ali/cbu/pot DÜSSELDORF/ FRANKFURT. Als Grund nannte die Allianz die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten. Sie habe vor allem das Bank-Geschäft getroffen. Dort konnten die Verluste nicht durch die bereits getroffenen Sparmaßnahmen kompensiert werden. Ferner hätten Insolvenzfälle und die Krise in Lateinamerika das Kreditportfolio belastet. Angesichts der schwierigen Lage an den Märkten wollte Controlling-Vorstand Helmut Perlet laut Allianz-Homepage keine neue Gewinnprognose abgeben.

Bei der vor einem Jahr übernommenen Dresdner Bank gelten das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking als Sorgenkinder. Hier wurden bereits seit Ende 2001 1 700 Mitarbeiter entlassen. Es werden jetzt wohl noch mehr werden.

Denn der Münchener Konzern greift nun bei seiner Frankfurter Tochter hart durch: 2 Mrd. Euro sollen jetzt über Sach- und Personalkosten eingespart werden. Bisher wurden hier 1,3 Mrd. Euro anvisiert. Ob und inwieweit der Personalabbau verschärft wird, ließ das Unternehmen offen.

Darüber hinaus soll das verbliebene Kreditportfolio von Kunden außerhalb Europas in ein eigenständiges Profitcenter überführt und abgewickelt werden. Bereits seit dem Jahr 2000 zieht sich die Dresdner aus dem Kreditgeschäft außerhalb Europas zurück. Durch diese Maßnahme sollen knapp 3 Mrd. Euro Risikokapital freigesetzt werden.

Frankfurter Bankzentrale wird entmachtet

Die Allianz entmachtet ferner die Frankfurter Bankzentrale: Einige zentrale Steuerungsaufgaben sollen von Frankfurt nach München verlegt werden. Darüber hinaus sollen wichtige Dienstleistungsfunktionen von der Bankzentrale in die beiden Geschäftseinheiten Privat- und Geschäftskunden sowie Firmen & Märkte der Dresdner Bank überführt werden. Davon verspricht sich die Allianz eine "massive Verschlankung" der Bankzentrale.

Bislang hatten Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle und sein Stellvertreter Bernd Fahrholz angesichts der massiven Probleme im Bankgeschäft immer Gelassenheit demonstriert. Es wurden vage weitere Kostensenkungen im Bankbereich angekündigt. Aber schon im ersten Quartal hatte die Dresdner Bank das Ergebnis der Allianz mit 110 Mill. Euro belastet.

Das reine Versicherungsgeschäft läuft dagegen gut. Laut Perlet wurden hier die ursprünglichen Erwartungen der Allianz sogar übertroffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%