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Neues schweres Grubenunglück in China

Am Tag der Gasexplosion mit vermutlich 148 Toten in einem Bergwerk in China gab es zwei weitere Grubenunglücke, mit denen die Zahl der getöteten Bergleute sogar auf insgesamt 190 steigen könnte.

dpa PEKING. Am Tag der Gasexplosion mit vermutlich 148 Toten in einem Bergwerk in China gab es zwei weitere Grubenunglücke, mit denen die Zahl der getöteten Bergleute sogar auf insgesamt 190 steigen könnte. Die Behörden berichteten am Freitag von einem weiteren Unglück in der Provinz Hebei, wo ebenfalls am Mittwoch bei einem Wassereinbruch 29 Kumpel verschüttet worden sind.

Ferner wurden nach einem Gasausbruch am selben Tag in einem Bergwerk in Chongqing zwölf Bergarbeiter tot geborgen. Einer blieb verschüttet. Zwei Tage nach der schlimmen Explosion in der Daping-Grube nahe Zhengzhou in der Provinz Henan, in der vermutlich 148 Kumpel ums Leben gekommen sind, gestaltete sich die Bergung der Opfer weiter schwierig. Bis Freitag wurden erst 66 Leichen geborgen. Bergungstrupps suchten weiter nach den restlichen 82 verschütteten Opfern. Es gab kaum Hoffnung, dass jemand den massiven Gasausbruch und die Explosion überlebt haben könnte.

Verängstigte Familienmitglieder der Vermissten standen mit Tränen in den Augen am Eingang des Bergwerks, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao sowie Regierungschef Wen Jiabao forderten die Behörden auf, keine Mühen zu scheuen, um die Opfer zu finden, die Ursache des Unglücks zu ermitteln und die Familien zu entschädigen. Unterdessen hat Bundespräsident Horst Köhler ein Beileidstelegramm an Hu Jintao geschickt.

Während das Land über die Toten trauerte, wurde das neue Unglück in der privat betriebenen Desheng-Grube in Wuan (Hebei) bekannt. Der Besitzer hatte erst nur sechs vermisste Bergleute gemeldet, um das Ausmaß zu vertuschen, berichtete die Arbeitsschutzverwaltung. Neun Verantwortliche wurden daraufhin festgenommen. Das Schicksal der 29 vermissten Bergleute war völlig unklar, wie ein Mitarbeiter der Grube telefonisch der dpa berichtete.

Die Arbeitsschutzverwaltung in Peking berichtete von 3 457 getöteten Bergleuten in den ersten acht Monaten des Jahres. Doch war unklar, ob dabei nur staatliche Gruben erfasst worden sind. Auch dürfte es eine hohe Dunkelziffer geben. Die Behörde beklagte, dass das Bewusstsein für die Sicherheit unter Tage und für den Wert des Lebens eines Bergarbeiters nur gering entwickelt sei.

"Um Gewinne zu maximieren und Kosten gering zu halten, investierten Gruben nur zögerlich in Maßnahmen zum Schutz am Arbeitsplatz", sagte auch der bekannte Soziologe Li Dun von der Qinghua-Universität nach Angaben von Xinhua. Nach amtlichen Schätzungen arbeiten allein ein Drittel der staatlichen Bergwerke wegen der Energieengpässe und der starken Nachfrage nach Kohle über ihre Verhältnisse, was den Produktionsdruck erhöht und sie besonders anfällig für Unfälle macht.

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