Neues Segment für amerikanische Aktien
Keine schneller Glanz von US-Stars

Die Deutsche Börse will das Geschäft mit amerikanischen Aktien ankurbeln. Ab Montag können knapp 200 Titel auf Xetra kontinuierlich gehandelt werden. Größter Vorteil für die Anleger: Fünf Marktmacher müssen verbindliche Kurse stellen. An den Handelskosten wird sich für Private dagegen nicht viel ändern.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Börse AG verspricht Gutes: "Amerikanische Aktien können auf Xetra ebenso schnell, einfach und günstig gehandelt werden wie deutsche Standardwerte" - so wird das Handelssegment Xetra US Stars angepriesen, dass am Montag mit knapp 200 Titeln anläuft.

Die Parole klingt gut, bringt aber Kleinanlegern fürs Erste nicht unbedingt konkrete Vorteile. Ausgeweitet wird der Kurszettel jedenfalls nicht. Schon jetzt werden mehrere Tausend US-Werte an deutschen Börsen gehandelt. Auch das scheinbar generöse Versprechen von der Börse und elf Partnerbanken, den Handel zu Inlandspreisen abzuwickeln, relativiert sich schnell. Bei vielen Kreditinstituten ist dies längst üblich, wenn Auslandsaktien in Deutschland und nicht am Heimatmarkt gekauft werden. Die DAB Bank beispielsweise berechnet bei einem Auftrag an einer deutschen Börse über 2 500 Euro exakt 10,23 Euro - egal, ob Microsoft oder Siemens ins Portfolio wandern. Anders sieht es aus, wenn Anleger Microsoft-Papiere in den USA ordern. Dann sind 68,75 US-Dollar fällig - daran wird sich freilich wegen Xetra US Stars nichts ändern.

Dennoch sehen Finanzexperten durchaus Vorteile für Kleinanleger. "Die Preise sind auf Xetra viel transparenter als im Parketthandel", meint Andras Karolyi, Leiter der Skontroführung beim Wertpapierhaus Finacor Rabe. Finacor ist einer von fünf Marktmachern des Segments, die verpflichtet sind, verbindliche Kurse für mindestens 50 000 Euro zu stellen. Damit wird garantiert, dass die Titel jederzeit handelbar sind - diese Liquiditätsgarantie ist nach Ansicht von Finanzprofis das größte Plus des neuen Modells. Die Preisspanne darf je nach Wert maximal 3 bis 4 % betragen. Im Parketthandel ist das Kaufen und Verkaufen von US-Titeln nicht immer so einfach. Zwar können Anleger ausgewählte US-Blue-Chips wie Microsoft oder IBM schon heute schnell und zu guten Kursen handeln. Aber schon innerhalb des Dow-Jones-Index gibt es wenig liquide Werte wie Caterpillar oder Alcoa. "Gerade in den weniger liquiden Titeln wird US Stars klare Vorteile bringen", meint daher Karolyi.

Auslandsaktien wegen der Börsenflaute weniger gefragt

Einig sind sich Finanzmarktprofis indes darin, dass der Startzeitpunkt ungünstig ist. Der Handel mit Auslandsaktien ist parallel zum Kursverfall an den Börsen gesunken. Die Terroranschläge in den USA, die den Start des Segments um einige Tage verzögerten, könnten das Interesse an US-Werten zumindest vorübergehend weiter schmälern.

Ein weiterer Eckpfeiler des Modells ist die Einführung von Aktienoptionen an der Terminbörse Eurex. Zunächst werden Optionen auf zehn US-Blue-Chips angeboten. Dies soll vor allem professionelle Anleger auf Xetra locken. Sollten Banken und Fonds in großem Stil aktiv werden, würde auch der Kleinanleger profitieren, weil dann die Liquidität insgesamt steigt, was normalerweise zu günstigeren Preisen führt. Inwieweit die Profis allerdings Gefallen an Xetra finden werden, ist offen. Vielfach ist zu hören, dass zumindest großvolumige Orders weiter in die USA gehen werden. "Die meisten Institutionellen kaufen nur an der Heimatbörse - daran wird auch US Stars nichts ändern", meint Detlev Claas, Leiter des deutschen Wertpapierhandels von der Fondsgesellschaft Invesco. Grund: Nur an den Heimatbörsen sind die Aktien in ausreichender Stückzahl zu erhalten.

Dagegen geht Nico Baader von der Baader Wertpapierhandelsbank AG davon aus, dass auch institutionelle Investoren verstärkt auf Xetra handeln werden. Insbesondere könnte Frankfurt London Konkurrenz machen. Bisher ist die britische Hauptstadt der größte Umschlagplatz für amerikanische Aktien in Europa. Doch liefen dort viele Geschäfte außerbörslich, betont Baader. Die Deutsche Börse könne aber künftig mit dem Gütesiegel werben, dass der Dow-Jones-Index bis zur Eröffnung der Wall Street auf Basis der Xetra-Kurse berechnet wird - wenn auch nur auf provisorischer Basis. Auch gegenüber der Wall Street selbst habe Frankfurt einen Vorteil: Weil die Börsen hier zu Lande früher eröffneten als New York, könnten Investoren schon vor den Amerikanern auf Nachrichten reagieren, die nach Schluss der Wall Street veröffentlicht werden - etwa eine überraschende Gewinnwarnung.

Die deutsche Konkurrenz der Frankfurter gibt sich derweil gelassen. Die Stuttgarter Börse, an der rund 1 200 amerikanische Aktien gehandelt werden, verspricht sich von US Stars eine Belebung des Geschäfts mit US-Titeln insgesamt. "Das kommt auch Stuttgart zu Gute", heißt es. Vorsorglich weisen die Schwaben darauf hin, dass ihr Referenzpreismodell auch für die US Stars gilt. Konkret heißt dies: Anleger erhalten mindestens den Xetra-Preis.

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