Neues Streikkonzept der IG Metall
Streik in der Metall- und Elektroindustrie

Der letzte Streik in der Metall- und Elektroindustrie mit ihren 3,6 Millionen Beschäftigten in Deutschland fand 1995 in Bayern statt. Damals traten 22 000 Metaller für knapp zwei Wochen in den Ausstand. Die dadurch erzwungene Einigung werten die Gewerkschafter noch heute als Erfolg.

WiWo/ap FRANKFURT/MAIN. Mit zwei kurz aufeinander folgenden Lohnerhöhungen von 3,4 und 3,6 % innerhalb von 24 Monaten plus einer Zusatzpauschale von 120 DM und Lohnausgleich bei der Arbeitszeitverkürzung auf 35 Stunden errechneten damals die Arbeitgeber eine Gesamtkostenbelastung von zehn Prozent.

Am Donnerstag will die IG Metall Urabstimmungen über längerfristige Streiks in den Tarifgebieten Bezirken Baden-Württemberg sowie Berlin-Brandenburg einleiten, um ihre Forderung nach einem Gesamtvolumen von 6,5 % mehr Lohn und Gehalt durchzusetzen. Zur Abstimmung aufgerufen sind die Gewerkschaftsmitglieder in den tarifgebundenen Betrieben. Nötig ist eine Zustimmung von 75 %. Der derzeitigen Planung zufolge wird die Abstimmung bis kommenden Dienstag dauern. Am 2. Mai entscheidet der Vorstand über das genaue Streikkonzept. In zwei Wochen, am 6. Mai, können die Streiks dann beginnen.

Die IG Metall hat nach den Worten ihres Zweiten Vorsitzenden Jürgen Peters ein neues Streikkonzept entwickelt. Anders als früher sollen dabei nicht mehr einzelne Firmen auf Dauer bestreikt werden, vielmehr wolle man flexibel zwischen Ausstand und Arbeit wechseln. So könnten etwa Automobilhersteller wie Daimler-Chrysler oder Porsche mit Hilfe von einigen Tagen Streik für längere Zeit lahm gelegt werden. Mit dem flexiblen Arbeitskampf will die IG Metall auch verhindern, dass es zu einer "kalten Aussperrung" in mittelbar betroffenen Betrieben kommt und deren Arbeitnehmer ohne Lohn nach Hause geschickt werden, weil es für sie keine Arbeit gibt.

Ein Arbeitskampf ist auch für die Gewerkschaft eine teure Angelegenheit, denn während des Ausstandes hat der Streikende keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung. Die Gewerkschaft zahlt an organisierte Beschäftigte Streikunterstützung, die sich aus dem Mitgliedsbeitrag und damit dem Bruttoeinkommen errechnet. Ein Gewerkschaftsmitglied mit 2 000 ? Bruttogehalt würde monatlich rund 1 000 ? erhalten.

Wenn sich die Tarifparteien nach einem Streik einigen, werden die Gewerkschaftsmitglieder in einer zweiten Urabstimmung noch einmal befragt. Das Verhandlungsergebnis ist angenommen, wenn 25 % mit Ja stimmen.

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