Neues Tarifsystem ab Dezember
Bahn will Billigfliegern entgegentreten

Im Preiskampf der Billigflieger wird auch die Deutsche Bahn mitmischen. Wenn die neue Konkurrenz sie bedrängt, will sie in ihrem künftigen Tarifsystem an der Preisschraube drehen. Das sagte Hans-G. Koch, Marketing-Vorstand der DB Reise & Touristik AG, dem Handelsblatt.

DÜSSELDORF. Das neue Preissystem für den Personenfernverkehr biete die Chance zu einem "flexiblen Pricing", um auf Herausforderungen des Wettbewerbs zu reagieren. Die Bahn habe "die Möglichkeit, mit den Bedingungen zu spielen und absolut keine Angst davor, bei den Preisen etwas zu ändern." Derzeit sieht Koch jedoch trotz des Aufmarsches der "No-Frills"-Carrier keine Notwendigkeit, an der kommenden Tarifstruktur etwas zu ändern. Das neue "Preis- und Erlössystem Personenverkehr", kurz PEP, soll nach über einjähriger Vorbereitung am 9. Oktober vorgestellt und zum Fahrplanwechsel am 15. Dezember eingeführt werden.

Erste wesentliche Veränderung gegenüber dem heutigen Tarif ist die Abschaffung eines festen Kilometerpreises für jeden gefahrenen Schienenkilometer. Statt dessen werden "Relationspreise" von Ort zu Ort eingeführt. So ergeben sich zwischen den etwa 6000 Bahnhöfen rund 22 Millionen unterschiedliche Preise. Diese Preise sind "degressiv": Je weiter der Kunde fährt, desto billiger wird die Gesamtstrecke. Bei 600 gefahrenen Kilometern wären das etwa 25 % gegenüber dem heutigen Preis, heißt es aus Bahnkreisen.

Die zweite Veränderung ist die Beseitigung des Tarifdschungels der Sonderangebote. Wer billiger fahren will, muss im Voraus buchen und sich - wie beim Fliegen - auf bestimmte Zugverbindungen festlegen. Teilweise gibt es Benutzungsbeschränkungen (z.B. Rückreise nicht vor Sonntag) und begrenzte Sitzplatzkontingente. Bei sieben Tagen Vorausbuchung gibt es 40 %, bei drei Tagen 25 % und bei einem Tag vor Reiseantritt noch 10 % Rabatt. Von den bisherigen Sonderangeboten bleibt lediglich der "Mitfahrerpreis": Bei vier gemeinsam reisenden Personen zahlen die zweite bis vierte die Hälfte des jeweiligen Preises. Kinder bis 14 in Begleitung wenigstens eines Elternteils fahren umsonst.

"Sobald zwei gemeinsam reisen, sind wir besser als jedes Flugangebot", ist Marketingchef Koch überzeugt. Dies hätten Vergleichsrechnungen auf innerdeutschen Mittelstrecken gegenüber dem günstigsten Lufthansa-Tarif - 98 Euro inklusive Steuern und Gebühren - ergeben. Wer noch günstigere Tickettarife anderer Anbieter vergleiche, dürfe nicht vergessen, dass es sich dabei um "Eckpreise" handele. Für diese Preise gebe es in aller Regel nur wenige Sitzplätze in den Maschinen, die Mehrzahl sei eben teurer. "Mit dem neuen Preissystem werden auch wir Eckpreise kommunizieren", kündigte Koch weiter an. Hauptwettbewerber bleibe aber nach wie vor das Auto.

Ein Ärgernis aus Bahn-Sicht ist die steuerliche Ungleichbehandlung der Verkehrsträger. Anders als die Fluggesellschaften muss der Schienenverkehr Mineralöl- und Öko-Steuer zahlen. Ein "zunehmend unfairer Wettbewerb", hatte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn bereits im Frühsommer kritisiert. Die EU müsse handeln. Rückendeckung bekam Mehdorn jetzt von seinem Aufsichtsratschef Michael Frenzel. Die Bahn müsse die gleiche Entlastung bekommen wie der Flugverkehr, sagte Frenzel. Als Chef des Touristikriesen Tui AG gehört er jetzt selbst zu den Wettbewerbern der Bahn - mit der noch in diesem Jahr startenden Billig-Airline Hapag-Lloyd-Express.

Die will im ersten Jahr 1,3 Millionen Passagiere für sich gewinnen. Innerdeutsch fliegt sie der Bahn davon, zumindest bei den "Eckpreisen": Da sollen die Sitze schon für zehn Euro verscherbelt werden.

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