Neues Werk in China nur für den Export gedacht – Steigerung der Fertigungszahlen
Honda verlagert Produktion ins Ausland

Der japanische Automobilkonzern Honda tritt die Flucht nach vorn an. Weil die Preise im Autogeschäft massiv sinken werden, verlagert das Unternehmen einen Teil seiner Produktion in Billiglohnländer im asiatischen Raum. Von einem neuen Werk in China aus soll auch der europäische Markt bedient werden.

bas TOKIO. Japans Ertragsperle unter den Automobilherstellern, die Honda Motor Corp., will ihren Absatz in den kommenden drei Jahren kräftig ausbauen. Dabei setzt Firmenchef Hiroyuki Yoshino vor allem auf eine steigende Produktion in anderen asiatischen Ländern. Der weltweite Absatz soll bis zum Geschäftsjahr 2005/06 (31. März) um ein Viertel auf 3,4 Millionen Autos steigen, sagte der Firmenchef gestern in Tokio. Den Motorradabsatz will der Weltmarktführer für Zweiräder auf 11 Millionen verdoppeln.

"In den kommenden drei Jahren wird sich der Wettbewerb auf dem weltweiten Automobilmarkt zu einem noch nicht dagewesenen Maß steigern", sagte Yoshino. Honda, wegen seines Beharrens auf Unabhängigkeit gern als das japanische Pendant zu BMW bezeichnet, rechnet deshalb mit einem deutlichen Preisverfall im Autogeschäft. Der Konzern will mit der Verlagerung seiner Produktion in andere asiatische Länder reagieren und so die Fertigungskosten senken.

Als erster Autohersteller der Welt will Honda in China ein neues Werk errichten, dessen Fahrzeuge ausschließlich für den Export bestimmt sind. Gemeinsam mit den beiden chinesischen Zulieferern Guanghzhou Auto Group und Dongfeng Motor sollen von Ende 2004 an 50 000 Kleinwagen auf der Basis des Honda Fit produziert und nach Asien und Europa geliefert werden. Mit dem lokal produzierten Accord ist Honda in China bereits erfolgreich und macht Marktführer VW Konkurrenz.

Branchenexperten loben die Strategie des Exportwerks in China. "Ich denke, das ist eine gute Idee. Andere Hersteller werden folgen", sagte Analyst Noriyuki Matsushima von der Investmentbank Nikko Salomon Smith Barney. Peking drängt ausländische Autohersteller - auch VW - zur Aufnahme von Exporten. Allerdings liegen die Kosten lokaler Zulieferer in der Volksrepublik 30 % über dem Weltmarktniveau.

Honda-Chef Yoshino machte klar, dass sein Unternehmen nicht nur lokale, sondern auch importierte Teile verwenden werde. Noch sind Chinas Importzölle auf Autozubehör hoch, weil die Regierung die heimische Zulieferindustrie schützt. Im Zuge des WTO-Beitritts werden die Zölle jedoch bis 2006 auf 25 % fallen. Schon 2004 sollen Hondas Produktionskosten in China um 20 % unter denen in Japan liegen, glaubt Yoshino. "Die Qualität wird die gleiche sein", betonte er.

Die Produktion auf dem Heimatmarkt soll mit rund 1,3 Millionen Autos im Jahr konstant gehalten werden. Durch den sinkenden Anteil an der Gesamtproduktion soll die Abhängigkeit vom Yen und dessen Wechselkurses nachlassen.

Nicht nur in der Volksrepublik China will Honda seine Fertigung ausbauen. In Taiwan startet Ende dieses Jahres die Produktion. Auf den Philippinen und in Indonesien soll die Produktion von Zubehör ausgebaut werden. Rund ein Drittel der Teile ist für den Export nach Europa bestimmt - dem einzigen Markt, auf dem Honda mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpft. Im nächsten Geschäftsjahr soll jedoch die Gewinnschwelle erreicht werden. "Die Produktion in Asien ist ein signifikanter Beitrag zu unseren Aktivitäten in Europa", sagte Yoshino. Die Produktionskapazität in den beiden britischen Honda-Werken soll um 40 % steigen. Ein großer Teil davon geht in die USA, wo Honda mit der Lieferung nicht mehr nachkommt. Im wichtigen US-Markt, auf dem Honda derzeit 80 % seiner Gewinne macht, wollen die Japaner ihre Produktion in den nächsten drei Jahren um 15 % auf 1,4 Millionen Fahrzeuge steigern.

Experten schätzen die langfristigen Aussichten des Konzerns, der seinen Absatz auf dem Heimatmarkt als einziger der großen japanischen Hersteller steigern konnte, gut ein. "Honda ist flexibel genug. Da würden Kapitalverflechtungen mit anderen Firmen nur das Tempo drücken", sagte Matsushima.

Quelle: Handelsblatt

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