Neuformierte Gesellschaft meldet Rekordzahlen
Airbus fliegt Boeing bei Großflugzeugen davon

Nur wenige Wochen vor seiner Umwandlung in ein vollwertiges Unternehmen hat das Airbus-Konsortium Rekordzahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr vorgelegt. Mit zumindest einer Pro-Forma-Bilanz wollte Airbus zur Enttäuschung vieler Analysten dagegen noch nicht aufwarten.

abo/kol/HB PARIS. Der Flugzeughersteller Airbus Industrie geht mit voller Kraft in seine Umgestaltung zum rechtlich selbstständigen Unternehmen. Das in Toulouse ansässige Konsortium lieferte im vergangenen Jahr mit 311 Maschinen einige mehr aus als geplant und setzte 17,2 Mrd. Dollar um. Es holte 520 neue Festbestellungen herein, deren Auftragswert sich auf 41,3 Mrd. Dollar beläuft. Das ist ein Plus von 9 % bei der Stückzahl und von 35 % beim Auftragswert.

Quer durch alle Größenklassen hat Airbus in den mehr als 20 Jahren ihres Bestehens insgesamt 2499 Flugzeuge ausgeliefert wie Vorstandschef Noël Forgeard bei der Jahrespressekonferenz erläuterte: "Schade, dass wir die 2 500 Maschinen um ein Exemplar verpasst haben." In den Auftragsbüchern stehen nun 1 626 Bestellungen, genug für vier Jahre Vollauslastung.

Allerdings enttäuschte Forgeard zahlreiche Analysten, die sich von der selbstbewusst auftretenden Tochtergesellschaft des Aeronautikkonzerns EADS N.V. zum formellen Unternehmensstart zumindest eine Pro-Forma-Bilanz samt Gewinn- und Verlustrechnung erhofft hatten und auch nach der Schuldenlage fragten. "Ich kann keine Ergebniszahlen bekannt geben", sagte Forgeard knapp, "denn sie wären für unsere Anteilseigner kursrelevante Informationen."

Näher ein ging der Airbus-Chef auf die Verhandlungen mit der italienischen Finmeccanica S.p.A. Der Airbus-Anteilseigner EADS hat den Italienern den Einstieg mit bis zu 5 % der Aktien der künftigen Airbus Integrated Co. SAS angeboten. Die Integration der Italiener würde den Anteil der EADS, derzeit 80 %, schmälern, sagte Forgeard. Er verneinte Gerüchte, wonach Miteigner BAE Systems dabei seine Ausstiegsoption bei Airbus ausüben wolle. "Finmeccanicas Einstieg ist nie als ein Ersatz für BAE Systems gedacht gewesen. BAE hat 20 % der Aktien und zwei Mitglieder im Vorstand", stellte Forgeard klar. Auch ein Börsengang von Airbus stehe nicht an.

Ebenfalls noch nicht vertraglich geregelt ist der Einstieg der Italiener als Partner in der Entwicklung des Großraumflugzeugs A 380. Verhandelt werde darüber, so Forgeard, dass Finmeccanica einen Arbeitsanteil von 6 bis 8 % bekomme, für den das Unternehmen dann auch das unternehmerische Risiko übernehme. Bisher war von einem Anteil von 10 % die Rede.

Die neue Gesellschaft wird versuchen, bis 2004 rund 350 Mill. Euro Synergien zu realisieren. "Wir müssen restrukturieren, weil wir Wettbewerbselemente in unserem System haben", sagte Forgeard. "Auch möchten wir unser Gewicht beim Einkauf geltend machen."

Dies dürfte helfen, die nach Brancheninformationen immer noch hinter Konkurrent Boeing Co., Seattle, liegende Rentabilität aufzubessern. Erreicht hat Airbus dagegen schon die Parität mit den Amerikanern. Bei den "wide bodies", Maschinen mit weiter Kabine und zwei Gängen zwischen den Sitzreihen, errechnet Airbus gar eine Führung vor Boeing: Seit 1998 habe man den Wettbewerber überrundet. Ende 2000 entfielen auf die A 330/340-Modellfamilie 56 % der Festbestellungen in dieser Flugzeugklasse - vor Boeings B 777. Und auch beim 550-Sitzer A 380 hat Airbus mit 60 Bestellungen die Nase vorn: Das Konkurrenzmodell Boeing 747 X Stretch hat noch keinen einzigen Käufer gefunden.

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