Neugeschäft bleibt aus: Dienstleister rutschen tiefer in die Rezession

Neugeschäft bleibt aus
Dienstleister rutschen tiefer in die Rezession

Die deutschen Dienstleister sind im März noch tiefer in die Rezession gerutscht. Der am Donnerstag veröffentlichte Reuters-Service-Index erreichte den tiefsten Stand in der fast sechsjährigen Umfragegeschichte.

Reuters BERLIN. Der Index fiel auf 43,3 nach 43,6 Punkten im Februar und damit zum achten Mal in Folge, erklärte die Forschungsgruppe NTC, die monatlich 500 Führungskräfte privater Dienstleister für Reuters befragt. Als Ursache nannten die Firmen fehlende Neuaufträge, wofür sie den Irak-Krieg und die schlechte deutsche und globale Konjunktur verantwortlich machten. Dem steigenden Kostendruck begegneten die Dienstleister mit Entlassungen. Auch in der Euro-Zone nahm die Geschäftstätigkeit in der Branche ab.

Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang des Service-Index auf 43,4 Punkte gerechnet. Werte über 50 signalisieren eine Ausweitung der Geschäfte, Werte darunter einen Rückgang. Als Signal für eine Rezession gilt ein Indexwert unter 50 Punkten in sechs aufeinander folgenden Monaten. Die privaten und die öffentlichen Dienstleister erwirtschaften etwa 70 Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Dienstleister klagen über ausbleibendes Neugeschäft

NTC erklärte, die Geschäftsabnahme in der Branche hänge vielfach mit Bemühungen um einen Abbau der hohen Überkapazitäten zusammen. "Da viele Firmen Probleme hatten, auslaufende Aufträge durch Neuaufträge zu ersetzen, gingen im März sowohl der Auftragseingang als auch der Auftragsbestand wieder zurück." Der Teilindex Neuaufträge lag zum achten Mal in Folge unter 50 Punkten, der Teilindex Auftragsbestand zum dreißigsten Mal. Die Firmen gaben an, ihre Kunden ließen wegen der wirtschaftlichen und geopolitischen Instabilität weiter Vorsicht walten. Die Probleme würden zudem durch die aktuelle Wirtschaftspolitik verschärft. Außerdem fehlten öffentliche Aufträge. NTC-Volkswirt Luke Thompson sagte, die April-Umfrage könnte noch schlechter ausfallen. Viele Antworten im März seien in den Tagen nach Kriegsbeginn eingegangen und noch von der Hoffnung auf ein schnelles Kriegsende geprägt gewesen.

Überkapazitäten verhindern Preiserhöhungen

Wegen der hohen Überkapazitäten fehle es den deutschen Dienstleistern an Möglichkeiten zu Preiserhöhungen, erklärte NTC. Die Verkaufspreise wurden zum elften Mal in Folge und um den höchsten Wert seit drei Monaten reduziert. Der Kampf um Neuaufträge habe zu mehr Rabattaktionen geführt. Gleichzeitig verbuchten die Firmen, mit Ausnahme der Finanzdienstleister, jedoch einen starken Kostenanstieg. Der entsprechende Teilindex kletterte mit 54,7 nach 54,4 Punkten im Vormonat auf den höchsten Stand seit Sommer vergangenen Jahres. "Vor allem die hohen Ölpreise wirkten sich auf die Kostenlage im gesamten Dienstleistungssektor aus", hieß es in der Umfrage.

Die schlechte Auftragslage und der hohe Kostendruck veranlassten die befragten Unternehmen den zwölften Monat in Folge zu Entlassungen. Mit 40,5 Punkten lag der Teilindex nur minimal über dem Sechs-Jahres-Tief vom Januar mit 40,3 Punkten. Die Geschäftsaussichten der Branche blieben den sechsten Monat in Folge getrübt. Fast 30 Prozent der Firmen gaben an, sie erwarteten in den nächsten zwölf Monaten eine Abnahme ihres Geschäftsvolumens. Als Hauptursachen nannten sie den Irak-Krieg, den Ölpreis, das fehlende Wirtschaftswachstum und die Regierungspolitik.

Deutschland zieht Service-Index für Euro-Zone herunter

Gedrückt von der schlechten Entwicklung der Branche in Deutschland, sank auch der Reuters-Service-Index für die Euro-Zone auf 47,7 nach 48,9 Punkten. Dabei berichteten auch die Dienstleister in Spanien von einem Rückgang ihrer Geschäfte. In Frankreich und Italien weitete sich die Geschäftstätigkeit dagegen aus. Der Reuters-Composite-Index, der die Entwicklung im Dienstleistungssektor und in der Industrie zusammen fasst, fiel auf 48,8 nach 50,0 Punkten im Februar. Der bereits am Dienstag veröffentlichte Reuters-Einkaufsmanagerindex für die Industrie war im März für Deutschland auf 47,8 Punkte und für die Euro-Zone auf 48,4 Zähler zurückgegangen.

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