Neugeschäft wird eingestellt
Kundenverträge der Mannheimer gesichert

Die Lebensversicherungssparte der Mannheimer Holding wird der erste Fall für die Branchen-Auffanggesellschaft Protektor. "Die Übertragung der Versicherungsbestandes auf Protektor wird unverzüglich vorbereitet", teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Donnerstag im Anschluss an ein Treffen mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mit.

rtr/dpa FRANKFURT. Es sei eine Sache von Wochen oder Monaten, bis die Bestände der Mannheimer Leben auf Protektor übergehen, erläuterte eine BaFin Sprecherin. BaFin und GDV betonten, die Verträge der Lebensversicherungsnehmer seien nicht gefährdet. Das Neugeschäft der angeschlagenen Mannheimer Lebensversicherung wird jedoch eingestellt.

Am Mittwoch waren die Verhandlungen der Branche über eine freiwillige Rettungsaktion für die Mannheimer Lebensversicherungssparte gescheitert. Vor allem große ausländische Versicherer wollten kein frisches Kapital für die Mannheimer aufbringen. Analysten äußerten sich wenig überrascht über die fehlende Solidarität der Lebensversicherer und erwarten jetzt eine beschleunigte Konsolidierung der Branche.

Kunden der Mannheimer Leben haben keine Nachteile zu befürchten. "Protektor ist ein von der BaFin zugelassenes, von der gesamten Branche getragenes Lebensversicherungsunternehmen, das über Finanzmittel von über fünf Mrd. ? verfügen kann", hießt es in der BaFin Erklärung. Damit sei Protektor in der Lage, die Verträge der Versicherer fortzuführen. Aus Sicht des GDV ist für die Mannheimer Leben nur ein Bruchteil der fünf Mrd. nötig. Wenn Protektor einen Versicherer auffängt, müssen die Unternehmen der Branche je nach Marktanteil - aber mit einer Obergrenze von zehn Prozent - frisches Kapital bereitstellen. Im Gegenzug übernehmen sie die laufenden Bestände der Mannheimer Leben, die dann vom Markt verschwindet.

In den Sparten Krankenversicherung und Sachversicherung der Mannheimer sieht die BaFin keinen Anlass für aufsichtsrechtliche Schritte. Die Mannheimer Holding beschäftigte zum Ende des ersten Quartals 1190 Mitarbeiter, 289 davon waren in der Leben-Sparte angestellt. Die Mannheimer Leben wird ab sofort keine neuen Verträge mehr abschließen und hatte Ende 2002 einen Bestand von insgesamt 344 500 Policen.

Die Mannheimer Leben hatte sich mit Aktiengeschäften verspekuliert und benötigt rund 370 Mill. ? frisches Eigenkapital. Der Mannheimer-Konzern hatte 2002 einen Verlust von 50 Mill. ? verbucht. In den ersten drei Monaten dieses Jahres betrug das Minus knapp 64 Mill. ?, wovon 57 Mill. auf die Lebensversicherung entfielen.

Der GDV und die BaFin wollten den Imageschaden für das Produkt Lebensversicherung begrenzen und hatten bis zuletzt auf eine freiwillige Branchenlösung außerhalb von Protektor gerungen. Doch am Mittwoch waren die Verhandlungen der Branche über eine freiwillige Rettungsaktion für die Mannheimer Lebensversicherungssparte gescheitert. Vor allem große ausländische Versicherer wie Axa, Swiss Life/Rentenanstalt und Zurich Financial seien nicht bereit gewesen, die Lösung mitzutragen, und auch einige kleinere Versicherer seien abgesprungen, hieß es aus Teilnehmerkreisen des Treffens.

"Es wäre besser gewesen für den Ruf der deutschen Lebensversicherer, wenn Protektor nicht gekommen wäre. Jetzt geht es darum klar zu machen, dass die Mannheimer Leben nicht repräsentativ für die Branche ist", sagte Frank Stoffel von WestLB Panmure.

Versicherungsanalyst Michael Haid von Sal. Oppenheim sagte: "Es war zu erwarten, dass die Lebensversicherer nicht alle an einem Strang für eine gemeinsame Lösung gezogen haben." Damit habe das Produkt Lebensversicherung einen Imageschaden erlitten. "Für die großen Anbieter muss dies aber kein Nachteil sein, denn es wird eine Art "Flucht in Qualität' geben." Die Konsolidierung der Lebensversicherer-Branche werde sich beschleunigen.

Am frühen Abend lag die Mannheimer-Aktie mit rund 39 % im Minus bei 4,40 ?.

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