Neugewichtung der MSCI-Indizes nach Streubesitz trifft den Fernen Osten am härtesten
Index-Umstellung kostet Asien Milliarden

Den Börsen Asiens droht Ungemach: Morgan Stanley Capital International (MSCI) will seine Börsenbarometer auf Streubesitz-Gewichtung umstellen. Wegen der geringen Free-Float-Quote in der Region wird das Gewicht Asiens in den MSCI-Indizes sinken. Doch die Börsen ließ das am Montag kalt.

olm HONGKONG. Ab dem kommenden Jahr wird Streubesitz bei der Zusammensetzung der wichtigsten Börsenindizes eine prominente Rolle spielen. Asien wird dadurch weltweit an Gewicht verlieren. Denn der Anteil von Aktien, die frei handelbar sind, ist dort notorisch niedrig. Der Index-Anbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) kündigte am Wochenende an, Unternehmen nicht länger rein nach Marktkapitalisierung zu gewichten, sondern die Anteil, die im Streubesitz sind, mit in Betracht zu ziehen.

Die größten Auswirkungen wird die Neuordnung auf Asien haben. In den weltweiten Börsenbarometern werden die Länder in Fernost eine geringere Rolle spielen. In Japan zum Beispiel befinden sich nur 65 % der Aktien in Streubesitz.

Im regionalen Vergleich steht das Land damit noch gut da: In Hongkong sind es nur 46 %, in Malaysia sogar nur 30 %. In den USA dagegen sind dagegen 94 % der Aktien frei handelbar, in Großbritannien sind es 92 %.

Hongkong ist der Verlierer

"In Asien ist Hongkong der große Verlierer, Taiwan der große Gewinner", sagt Paul Chanin von Salomon Smith Barney in Hongkong. Er rechnet mit einem Netto-Abfluss von 2 Mrd. $ aus Hongkong als Folge der Entscheidung. Singapur werde voraussichtlich rund 1 Mrd. $ an Portfolio-Geldern verlieren. Taiwan hat dagegen gut lachen. Derzeit macht das Land nur 17 % des MSCI All Country Asia ex-Japan Index aus. Salomon Smith Barney erwartet, es werde auf 26 % zulegen.

Unter dem Strich gerät Asien der Bank zufolge durch die MSCI-Entscheidung außerdem in eine höhere Marktrisiko-Klasse. Der Grund: Taiwan wird ein höheres Gewicht in den Indizes bekommen, ebenso wie die Technologie-Werte dank ihrer relativ hohen Streubesitz-Anteile. Im Gegenzug verlieren die Versorger-Werte an Gewicht, da an ihnen die Regierungen traditionell große Anteile halten.

Am Montag ließen die drohenden Mittelumschichtungen allerdings die Börsen in Fernost noch kalt: Der Hongkonger Hang Seng Index legte um 1,44 % zu, auch in Malaysia und Taiwan schlossen die Börsen fester.

Die Reformpläne sind nicht neu

MSCI steht seit längerem unter Druck, den Streubesitz in seinen Indizes zu berücksichtigen, wie es die konkurrierenden FTSE-Kursbarometer tun. Vor allem institutionelle Anleger bemängeln Kursverzerrungen als Folge der bisherigen Praxis. Bei Unternehmen mit großer Marktkapitalisierung aber geringem Streubesitz jagen Fondsmanager, die die Indizes abbilden wollen, nämlich nach den vergleichsweise raren frei handelbaren Papieren, was die Kurse treibt. Nach der neuen Methode wird ein Index-Wert mit der Marktkapitalisierung gewichtet, die seinem Streubesitz entspricht, aufgerundet auf die nächsten 5 %. Beispiel: ein Unternehmen mit 23,5 % Streubesitz geht mit 25 % seiner Marktkapitalisierung in die Index-Berechnung ein. Aktien mit weniger als 15 % Streubesitz werden nicht berücksichtigt.

Die verschiedenen MSCI-Indizes dienen als Richtschnur für etwa 3 Billionen $ in der Verwaltung von institutionellen Anlegern. Als Folge der Änderungen erwarten Analysten die Umschichtung von Milliardenbeträgen in Aktien, die in den MSCI-Indizes künftig eine prominentere Rolle spielen werden. Um Markt-Turbulenzen zu vermeiden, werden die Änderungen in zwei Schritten eingeführt: Eine erste Phase beginnt Ende November 2001; ab dem 31. Mai 2002 wird der Streubesitz dann voll eingerechnet.

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