Neugewichtung würde massive Kapitalumschichtungen auslösen
Reformdruck auf führenden Indexanbieter MSCI wächst

HB FRANKFURT/M. Analysten und Konkurrenten sind sich sicher: Auch der international führende Indexanbieter Morgan Stanley Capital International (MSCI) wird um eine Reform seiner Aktienbarometer nicht herumkommen. Sollte MSCI wie die Wettbewerber Stoxx und FTSE die Bedeutung des Streubesitzes (Free Float) in seinen Indizes stärken, gerieten an den Kapitalmärkten Milliardensummen in Bewegung.

Stoxx und FTSE haben sich bereits, wenn auch mit unterschiedlichen Systemen, für eine Index-Gewichtung auf Basis der frei handelbaren Aktien entschieden. Bislang floss die gesamte Marktkapitalisierung eines Unternehmens in die Berechnung ein. Also auch Anteile, die in festen Händen liegen und für den Börsenhandel nicht zur Verfügung stehen. MSCI hat ebenfalls bereits einen ersten Schritt in Richtung Streubesitz getan. Seit Ende Juli wird die Gesamtkapitalisierung neuer Indexmitglieder nur dann voll angerechnet, wenn die Werte einen Free Float von mindestens 40 % vorweisen können. Bis Jahresende will MSCI entscheiden, ob die neuen Regeln auch auf die bereits in den Indizes vertreten Werte gelten sollen.

Eine Reform würde massive Kapital-Umschichtungen auslösen, da zahlreiche Fondsmanager ihre Investitionen an den MSCI-Barometern ausrichten. An die Indizes sind Anleger-Gelder von rund 2 Bill. Euro gekoppelt. FTSE folgt auf dem 2. Platz mit etwa 1 Bill. Euro. Stoxx kommt auf etwa 425 Mrd. Euro. Carl Beckley von FTSE geht davon aus, dass allein die Umstellung der Börsenbarometer seines Arbeitgebers Umschichtungen im "hohen zweistelligen Milliarden-Bereich" auslösen werden. Entsprechend größer wäre der Effekt einer Neuregelung bei MSCI. "In der Reformfrage hat Morgan Stanley Capital keine Wahl", meint Beckley. Bei einer Kunden-Umfrage von FTSE hätten sich 90 % der Fondsmanager für eine stärkere Berücksichtigung des Free Floats ausgesprochen. Doch selbst wenn sich MSCI noch in diesem Jahr für eine Reform entscheidet, könnte die Umsetzung noch einige Monate länger auf sich warten lassen. Dafür sprechen die Erfahrungen von FTSE. Hier hatten 80 % der befragten Fondsmanager für eine lange Übergangszeit plädiert. Bei MSCI selbst heißt es, eine Neuregelung solle so sorgfältig wie möglich vorbereitet werden.

Auch die Analysten der Bank Julius Bär und von Schroder Salomon Smith Barney rechnen mittelfristig fest mit einer Umstrukturierung der MSCI-Indizes. Von der Umstellung würden Branchen mit traditionell hohem Free Float wie Pharma, Energie und Technologie profitieren, schreiben die Julius-Bär-Analysten. Dagegen drohe Telekommunikations- und Softwareanbietern sowie den Versorgern ein Gewichtsverlust. Betrachtet man die einzelnen Regionen, würde der Euroraum wohl zu den Hauptleidtragenden zählen. Bei der Neugewichtung der FTSE-Indizes wird Japan mit einem Rückgang der Kapitalisierung von 6 % der größte Verlierer sein, danach käme Deutschland mit einem Minus von knapp 4 %, gefolgt von Frankreich und Italien. Dadurch ausgelöste Umschichtungen hätten auch Auswirkungen auf den Devisenmarkt. Bereits bei der regulären Neuzusammenstellung seiner Indizes nach den alten Regeln hat MSCI in der vergangenen Woche das Gewicht von Japan und Europa zu lasten der USA und den Emerging Markets gesenkt.

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