Neun-Milliarden-Abschreibung auf E-Plus, KPN Belgien und UMTS-Lizenzen
Niederländische Telekom KPN mit Rekordverlust

Völlig überraschend hat der niederländische Telekomkonzern KPN neun Milliarden Euro bei seinen Mobilfunk-Töchtern abgeschrieben. Die Erwartungen an Betriebsergebnis, Cash-Flow und Schuldensanierung schraubte der Vorstand aber nach oben. Die Börse reagierte mit einem Kursaufschlag.

dri/sbe BERLIN/BRÜSSEL. Die niederländische Telekom KPN N.V. hat im 2. Quartal ihre Mobilfunkbeteiligungen auf den Prüfstand gestellt. Fazit: Vor allem die deutsche Tochter E-Plus ist heute deutlich weniger wert, als das KPN-Management bisher angenommen hat. Von insgesamt 9 Mrd. Euro Sonderabschreibungen entfallen allein 6,6 Mrd. Euro auf E-Plus. Von diesem Betrag entfallen wiederum 3,9 Mrd. Euro auf die UMTS-Lizenz, die das Unternehmen vor zwei Jahren für 8,4 Mrd. Euro ersteigert hatte. Die radikale Sonderabschreibung, die den Quartalsverlust auf 9,3 Mrd. Euro drückte (Vorjahr: 499 Mill. Euro Verlust), hat die Finanzmärkte positiv überrascht. Die Amsterdamer Börse reagierte prompt mit einem Kursaufschlag.

KPN-Vorstandschef Aad Scheepbouwer bezeichnete die Radikalkur für die Bilanz als "das einzig vernünftige Vorgehen". Analysten begrüßten den Schritt. "KPN schafft endlich Klarheit und misst E-Plus den richtigen Wert bei", lobte Frank Claassen, Analyst bei Rabo Securities. Dem Konzern sei allerdings nach dem Rückzug der spanischen Telefónica aus dem deutschen UMTS-Markt keine andere Wahl als die Abschreibung geblieben. Nach Aussage von KPN-Finanzchef Maarten Henderson steht die deutsche Mobilfunktochter jetzt noch mit gut 10 Mrd. Euro in den Büchern; die UMTS-Lizenz hat noch einen Wert von 4,5 Mrd. Euro.

"Es bleibt aber die Frage, ob dies eine Vorbereitung für einen Ausstieg aus E-Plus bedeutet", merkte ING-Analyst Mike Jeremy an. Die Resultate von E-Plus, die im Quartal 559 Mill. Euro umsetzte und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 168 Mill. Euro erwirtschaftete, seien schlechter als erwartet. Scheepbouwer dementierte jedoch erneut jegliche Ausstiegspläne.

Die Neubewertung von E-Plus ermittelte KPN gemeinsam mit Standard & Poor?s in einem so genannten Impairmenttest, in dem der zu erwartende Cash-Flow berechnet wird. Angesichts der deutlichen Verschlechterung der Geschäftsaussichten für Mobilfunknetzbetreiber habe KPN den Businessplan für E-Plus korrigieren müssen, sagte Finanzchef

Offensichtlich rechnet man bei KPN nach dem Ausfall der Telefónica-Tochter Quam auch nicht mehr damit, dass der zweite Kunde, Mobilcom, noch wie vereinbart das E-Plus-Netz nutzen wird. Mobilcom hat bisher den Vertrag mit E-Plus überhaupt nicht genutzt. Es gebe derzeit auch keine Gespräche darüber, so Henderson. Mit Quam und Telefónica wiederum verhandele E-Plus über die zu zahlenden Vertragsstrafen. Das UMTS-Netz, das E-Plus ursprünglich mit diesen Partnern aufbauen wollte, werde nun allein von E-Plus gebaut. Wie es im Unternehmen heißt, hilft dabei der drastische Preisverfall für Netztechnik. Ernüchterung herrscht auch beim ersten deutschen mobilen Datendienst i-mode: Erst 100 000 Kunden nutzen ihn in Deutschland (77 000 Kunden) und den Niederlanden.

In Belgien plant KPN hingegen den Rückzug aus seiner Festnetz-Tochter KPN Belgium und führt bereits Gespräche mit potenziellen Partnern. Der zweitgrößte Festnetzbetreiber Belgiens sei selbstständig nicht rentabel zu betreiben, begründete Scheepbouwer diesen Schritt. Die belgische Mobilfunktochter Base sei davon nicht betroffen, allerdings schreibe man hier 600 Mill. Euro auf die UMTS-Lizenz ab. Den Anteil von 15 % an der britischen Hutchison 3G betrachtet KPN nicht mehr als strategische Beteiligung, den Wert korrigierte sie um 1,2 Mrd. Euro nach unten.

Im operativen Geschäft wartet der Konzern mit positiven Meldungen auf. Der Nettoverlust vor Sonderposten verringerte sich stark auf 79 (Vj. 354) Mill. Euro. Analysten hatten jedoch mit einer schwarzen Null gerechnet. Das Ebitda allerdings wuchs um 18 % auf 1,1 Mrd. Euro "Das ist mehr, als wir dachten", sagte Scheepbouwer. Jetzt zahle sich die Streichung und Auslagerung von 7 250 der 31 000 Arbeitsplätze im 1. Halbjahr aus. Für das Gesamtjahr erwartet Scheepbouwer einen Ebitda-Anstieg von 14 % statt 12 %.

Überdies will KPN einen betrieblichen Cash-Flow von 1,4 Mrd. Euro erzielen, das Doppelte dessen, was der Konzern bisher prognostizierte. Im zweiten Quartal erwirtschaftete KPN 412 Mill. Euro freie Mittel nach einem Minusresultat von 166 Mill. Euro im Vorjahr. "Das ist eine starke Leistung", meinte Analyst Claassen.

KPN will in diesem Jahr auch beim Schuldenabbau mehr erreichen als im Mai angekündigt. Der Schuldenberg von 15 Mrd. Euro soll durch Buchgewinne aus Veräußerungen auf 13,9 (statt 14,5) Mrd. Euro gedrückt werden. Sollten zusätzliche Verkäufe gelingen, könne er noch weiter schrumpfen, hieß es. Scheepbouwer erwartet allerdings sinkende Umsätze. Im 2. Quartal setzte KPN mit 3,082 Mrd. Euro 3 % weniger um als im Vorjahr. Der Trend werde sich im 2. Halbjahr fortsetzen.

Quelle: Handelsblatt

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