Neun-Monats-Bericht
Die Deutsche Telekom kann Kasse machen

Sonderverkäufe verhelfen der Deutschen Telekom zu glänzenden Neun-Monats-Zahlen. Der Blick auf das Kerngeschäft ist dagegen ernüchternd: Dort hat sich der Gewinn halbiert.

gil/hz DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Deutsche Telekom AG hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres den Umsatz steigern können, aber deutliche Einbußen im operativen Geschäft erlitten. Obwohl der Neun-Monats-Bericht damit im Rahmen der Analysten-Erwartungen lag, notierte die T-Aktie gestern zunächst deutlich schwächer, erholte sich aber im Tagesverlauf. Langfristig sehen Analysten Kurspotenzial für die Telekom.

Bei der Einrechnung außerordentlicher Erträge ergibt sich ein sonnigeres Bild für Konzernlenker Ron Sommer. Unerwartet hoch fiel nämlich der Konzernüberschuss einschließlich Sondereffekte mit einem Plus von über 500% auf 8,4 Mrd. Euro aus. Die Erträge stammten vor allem aus Beteiligungsverkäufen. So wurden die italienische Telekomgesellschaft Wind und die Mehrheitsanteile an Kabelgesellschaften veräußert. Auch der Börsengang der Internettochter T-Online spülte Geld in die Kassen. Analysten hatten mit einem unbereinigten Überschuss von 7,53 Mrd. Euro gerechnet. Ohne außerordentliche und Konsolidierungseffekte halbierte sich das Nettoergebnis gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum jedoch fast auf rund 700 Mill. Euro.

Auch der Umsatzanstieg um 14,5 % auf 29,3 Mrd. Euro ging im Wesentlichen auf die Neuerwerbungen One-2-One, Club Internet und Siris zurück, die erstmals voll in das Zahlenwerk der Telekom einflossen. Bereinigt lagen die Erlöse nur 5,5 % über der Vorjahresperiode. Im Vorjahr hatte es keine maßgeblichen Sondererträge aus Beteiligungsverkäufen gegeben. Endgültige und detaillierte Zahlen zum Geschäftsverlauf 2000 will das Unternehmen am 30. November bekannt geben.

Durch die Expansion im Ausland und die Bezahlung der UMTS-Lizenzen stieg auch die Verschuldung der Telekom stark an. Die Finanzverbindlichkeiten werden jetzt mit 62,1 Mrd. Euro ausgewiesen. Vor einem Jahr lagen sie noch bei 38,5 Mrd. Euro. Nach Konzernangaben sind für den Anstieg vor allem die Kosten für die UMTS-Lizenzen sowie die Beteiligungen im Ausland verantwortlich.

Analysten machten für die Kursverluste der T-Aktie gestern Gewinnmitnahmen verantwortlich, nachdem die Branche in den vergangenen Tagen ein deutliches Kursplus verbucht hatte. Allein in der vergangenen Woche hatte die Aktie der Telekom um fast 20 % zugelegt.

Die Hypo-Vereinsbank-Analystin Petra Heist hält das Potenzial der Aktie nach oben für größer als das nach unten. Das bayerische Bankhaus hält die T-Aktie nach wie vor für einen "Outperformer". Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin stufte die Aktie sogar von "akkumulieren" auf "kaufen" hoch. Optimistisch ist auch die WestLB Panmure. Ihr Telekom-Analyst Frank Wellendorf hält die Aktie für einen Kauf. "Die Telekom geht dieses Jahr an der Börse durch ein Tal der Tränen, aber ein Ende dieser Wegstrecke ist Ende nächsten Jahres in Sicht." Markus Glockenmeier von der Bank Delbrück & Co. stufte die Aktie weiter auf "Übergewichten" ein.



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