Neun Palästinenser von israelischen Soldaten verletzt
Israelischer Minister fordert Abschaffung von Autonomiebehörde

Der israelische Infrastrukturminister Avigdor Lieberman hat die Abschaffung der palästinensischen Autonomiebehörde gefordert. Die Palästinensergebiete sollten stattdessen in vier verschiedene Verwaltungsgebiete unter indirekter israelischer Kontrolle aufgeteilt werden, sagte der rechtsgerichtete Minister der Partei Israel Beitenu am Freitag in einem Zeitungsinterview.

afp JERUSALEM. In Tel Aviv und Ramallah nahmen Vertreter von Israeli und Palästinensern den Abschlussbericht der so genannten Mitchell-Kommission entgegen. Sie soll die Ursachen der seit Ende September anhaltenden El-Aksa-Intifada mit bislang mehr als 500 Toten beleuchten. Bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten wurden im Westjordanland derweil nach palästinensischen Angaben neun Palästinenser durch Schüsse verletzt.

Minister Lieberman forderte in der Zeitung "Maariv" weiter, die militärischen Einrichtungen der Palästinenser müssten vollkommen zerstört werden. Wenn er darüber zu entscheiden hätte, würde er die Armee in die Autonomiegebiete schicken und die Einrichtungen der Palästinenser zerstören lassen. Lieberman zeigte sich enttäuscht von der Politik von Regierungschef Ariel Scharon, da er die Forderung der rechten Wählerschaft nicht berücksichtige. Laut einer am Freitag von der Zeitung "Jediot Aharonot" veröffentlichten Umfrage halten 70 Prozent der Israeli Scharon weiterhin für vertrauenswürdig.

Übergabe des Mitchell-Abschlussberichts

Bei der Übergabe des Abschlussberichts der Mitchell-Kommission sagte der israelische Minister ohne Geschäftsbereich, Danny Naveh, er wolle sich erst nach einer gründlichen Studie des Berichts zu den Inhalten äußern. Der palästinensische Informationsminister Jassir Abed Rabbo kündigte bei der Entgegennahme des Berichtes in Ramallah an, die Autonomiebehörde wolle in den kommenden 48 Stunden eine Stellungnahme vorbereiten, die in spätestens zehn Tagen an die Kommission übermittelt werde. Die fünfköpfige Kommission steht unter Leitung des ehemaligen US-Senators und Friedensvermittlers in Nordirland, George Mitchell. Sie war nach dem Nahost-Gipfel in Scharm el Scheich Mitte Oktober gebildet worden.

Bei einer Demonstration von etwa 2 000 Palästinensern in Ramallah antworteten israelische Soldaten auf Steinwürfe mit Schüssen aus Schützenpanzern. Bei einem anschließenden Feuergefecht erlitten nach Krankenhausangaben drei Menschen Verletzungen durch scharfe Geschosse, fünf weitere durch Gummiprojektile. Bei El-Chader wurde ein weiterer Palästinenser durch gummiummantelte Anti-Aufruhr-Munition verletzt. Die israelische Armee beschoss nach einem palästinensischen Granatangriff auf einen Kibbuz nahe des Gazastreifens eine palästinensische Polizeistation. Verletzt wurde nach Polizeiangaben niemand.

Nach ägyptischen Diplomatenangaben sollte Palästinenserpräsident Arafat am Abend zu einem Arbeitsbesuch in Kairo eintreffen. Für Samstag war demnach ein Gespräch mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak geplant. Der jordanische König Abdullah II. wird den Angaben zufolge am Sonntag zu Beratungen mit Mubarak erwartet.

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