Neun US-Bundesstaaten und die EU-Kommission sitzen Microsoft weiter im Nacken – zu Recht
Analyse: Gates hat mehr verdient als einen Klaps

Eines hatten sich die US-Wettbewerbshüter im Kartellverfahren gegen Microsoft immer wieder geschworen: Diesmal müsse auf jeden Fall mehr herauskommen als ein "slap on the wrist", ein Klaps auf das Handgelenk von Bill Gates. Dem wettbewerbswidrigen Verhalten des weltgrößten Software-Konzerns müsse ein für alle Mal ein Riegel vorgeschoben werden.

Doch noch vor wenigen Tagen sah es so aus, als ob Bill Gates glimpflich davonkommen würde. Mit wachsweichen Auflagen, die jede Menge Schlupflöcher enthielten, wollte die US-Regierung den ungeliebten Antitrust-Fall still und leise beerdigen. Die US-Wettbewerbshüter, als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet?

Nicht ganz. Immerhin neun der 18 Bundesstaaten, die neben dem Justizministerium hinter dem Kartellverfahren stehen, lassen nicht locker. Das Verfahren geht damit in die nächste Runde. Und das ist gut so. Denn trotz aller Fehler, die Richter Thomas Penfield Jackson in der ersten Instanz unterlaufen sind - eines ist klipp und klar deutlich geworden: Microsoft besitzt ein Monopol auf dem Markt für PC-Betriebssysteme. Und der Konzern ist bereit, es mit allen Mitteln der Kunst zu verteidigen.

Jackson sammelte überzeugende Belege dafür, dass Microsoft im Krieg um Internet-Navigationssoftware (Browser) versuchte, den Konkurrenten Netscape auf wettbewerbswidrige Weise zu verdrängen. Millionen Dollar steckte der Gates-Konzern in die Entwicklung seines Internet-Explorers, den er dann quasi zwangsweise an seine Kunden verschenkte - indem er das Programm fest in Windows einbaute. Das Monopol beim Betriebssystem war der Hebel, mit dem Microsoft den Browser- Pionier Netscape fast vollständig aus dem Markt wuchtete.

Und genau aus diesem Grund wäre der Kompromissvorschlag, den Microsoft und das US-Justizministerium präsentiert haben, eine Niederlage für die Verbraucher: Es fehlt ein ausdrückliches Verbot des "Bündelns" von Windows mit anderen Anwendungsprogrammen.

Zudem zeigt die Vergangenheit, wie kreativ Microsoft mit außergerichtlichen Einigungen umgeht: 1995 sicherte der Konzern dem US-Justizministerium zu, die Erteilung einer Windows-Lizenz nicht vom Kauf anderer Microsoft-Programme abhängig zu machen. Als Compaq ein Jahr später den Internet-Explorer nicht zusammen mit Windows auf neuen PC installieren wollte, drohte der Softwarekonzern damit, dem Computerhersteller die Windows-Lizenz zu kündigen.

Fraglich allerdings ist, ob die neun US-Bundesstaaten alleine das Blatt noch wenden können. Denn es waren in allererster Linie das US-Justizministerium und das US-Kartellamt Federal Trade Commission, die in der ersten Instanz den Ton angaben. Die Vertreter der Bundesstaaten spielten im Gerichtssaal nur eine Statistenrolle. In Zeiten knapper werdender Haushalte dürfte es für die Bundesstaaten zudem schwer werden, die horrenden Honorare der Anwälte und Ökonomen zu bezahlen. Hinzu kommt, dass der Internet-Software-Krieg lange vergessen ist. Viele US-Bürger halten nichts von der Idee, mitten in der Rezession einer der Lokomotiven der US-Wirtschaft das Leben schwer zu machen.

Doch zu sicher sollte Microsoft seiner Sache nicht sein: Selbst wenn es dem Konzern tatsächlich gelingen sollte, sich aus dem US-Verfahren herauszulavieren, sitzt ihm immer noch die Europäische Kommission im Nacken. Und über Wettbewerbskommissar Mario Monti sollte sich Gates vielleicht mal mit Jack Welch von General Electric unterhalten. Denn es war Monti, der die geplante Fusion von General Electric und Honeywell verhinderte.

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