Neun WM-Titel für Johnson
Die Helden der Leichtathletik

Michael Johnson (USA), Sergej Bubka (Ukraine), Carl Lewis (USA), Merlene Ottey (Jamaika) sowie Lars Riedel (Chemnitz), Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) und Heike Drechsler (Karlsruhe) sind die Helden der bisherigen acht Leichtathletik-WMs seit 1983 in Helsinki.

HB/dpa BERLIN. Besonders spektakulär waren die Auftritte von Michael Johnson, der alle neun WM-Starts vergolden konnte, damit zum erfolgreichsten Titelsammler wurde und außerdem fünf Mal Olympia-Gold gewann. Auch Stabartist Bubka hat mit 35 Weltrekorden und sechs WM-Siegen hintereinander innerhalb von 14 Jahren etwas Einmaliges geschafft.

Auch "King Carl" Lewis war mit seiner Sammlung von neun Olympiasiegen und acht WM-Titeln ein ganz Großer. Sogar 14 WM- Medaillen besitzt Merlene Ottey. Diskus-Riese Lars Riedel hat den sechsten Titel seit 1991 vor Augen: Nach vier Titeln in Serie und Platz drei in Sevilla fand der Chemnitzer in Edmonton in die Goldspur zurück. Die Olympiasiegerinnen Astrid Kumbernuss mit drei WM-Erfolgen im Kugelstoßen hintereinander sowie Weitspringerin Heike Drechsler mit sechs Medaillen (2/2/2) waren außerdem die deutschen Abräumer.

Weltmeister aus 71 Nationen

Die im Vergleich zu Olympischen Spielen noch junge WM-Geschichte im 210 Mitgliedsländer zählenden Internationalen Leichtathletik- Verband (IAAF) ist reich an Entwicklungen, spannenden Duellen, Helden und auch Verlierern. Die Preisgeldentwicklung mit einem Mercedes für die Weltmeister von 1993 und 1995, die dann folgende Ausschüttung von 5,22 Millionen Dollar für die Medaillengewinner von 1997 und 1999 sowie 7,04 Millionen Dollar bis Platz acht seit Edmonton gehört dazu.

Die Internationalität der olympischen Kernsportart lässt sich daran ablesen, dass die Weltmeister bisher aus 47 Ländern und die Medaillengewinner aus 71 Nationen kamen. Die USA (80/41/48) rangieren in der Medaillenwertung an erster Stelle vor Deutschland (44/42/42), das seit 1991 in Tokio als ein Team antritt.

Als erfolgreichster Gold-Schürfer erwies sich seit 1991 Michael Johnson: Er gewann 1995 in Göteborg drei Titel und schaffte ein Jahr später in Atlanta das Olympia-Doppel über 200 und 400 m. Ein Paukenschlag war sein Abschied von der WM-Bühne vor vier Jahren in Sevilla mit dem noch gültigen Weltrekord von 43,18 Sekunden und Staffel-Gold, was insgesamt 180 000 Dollar wert war. Auch über 200 m ist er mit phänomenalen 19,32 Sekunden Weltrekordler.

Ben Johnsons Doping-Affären

Der Stern von Carl Lewis ging genau wie der von Bubka beim WM- Debüt 1983 mit drei Siegen über 100 m, im Weitsprung und in der Staffel auf. Mit neun Olympiasiegen (dazu einmal Silber) und acht WM- Titeln (dazu je einmal Silber und Bronze) hat der erfolgreichste Star in der Geschichte der Leichtathletik seinen legendären Landsmann Jesse Owens in den Schatten gestellt, der 1936 in Berlin vierfacher Olympiasieger wurde. Lewis wiederholte dieses Kunststück 1984.

Zwei Mal war der Megastar Betroffener und Nutznießer in den Doping-Affären des Kanadiers Ben Johnson. Als dieser in Seoul für den größten Doping-Skandal der Olympia-Geschichte sorgte, rückte Lewis als Olympiasieger und auch Weltmeister von 1987 nach. In Tokio stürmte der Amerikaner dann in 9,86 Sekunden zum Weltrekord. Dafür endete seine einmalige Weitsprungserie: Nach 65 Siegen innerhalb von zehneinhalb Jahren unterlag er seinem Landsmann Mike Powell, der mit sensationellen 8,95 m den Uralt-Weltrekord von Bob Beamon aus dem Jahr 1968 in Mexiko-Stadt auslöschte. Lewis übertraf diese Weite in einem denkwürdigen Wettbewerb mit windbegünstigten 8,91 m ebenfalls.

Die inzwischen 44-jährige Merlene Ottey aus Jamaika, nun für Slowenien unterwegs, rannte bis zu ihrem 200-m-Sieg in Stuttgart, den sie zwei Jahre später in Göteborg wiederholte, lange einem Einzelerfolg hinterher. Bei sechs Olympia-Teilnahmen seit 1980 gewann sie zudem acht Medaillen, ein Sieg blieb ihr jedoch versagt. Fünf WM- Titel holten Gail Devers über 100 m, 100 m Hürden und mit der Staffel sowie Maurice Greene (beide USA), der in Sevilla mit drei Siegen der erfolgreichste Teilnehmer war. Er peilt in Paris über 100 m seinen vierten Sieg seit 1997 an, was im Kurzsprint einmalig wäre.

Laufroboter aus China

Auf vier WM-Siege brachten es die noch aktiven Haile Gebrselassie (Äthiopien/10 000 m) und Ivan Pedroso (Kuba/Weitsprung) sowie Sprinter Calvin Smith und die vielseitige Mehrkämpferin Jackie Joyner-Kersee (beide USA), die mit Weitsprung-Erfolgen 1987 und 1991 und bei Olympia 1988 eine große Rivalin von Heike Drechsler war. Die geborene Thüringerin hatte sich 1983 unter ihrem Mädchennamen Daute mit 18 Jahren und 241 Tagen als damals jüngste Einzelweltmeisterin in die Chronik eingetragen, wiederholte diesen Triumph 1993 in Stuttgart und fehlt in Paris zum ersten Mal. In Sevilla konnte sie aber verletzungsbedingt (Muskelfaserriss) nicht antreten, in Edmonton schied sie beim Einspringen zur Qualifikation verletzt aus.

Fünf Siege in Tokio, jeweils zwei in Stuttgart und Göteborg sowie noch einmal fünf in Athen, vier in Sevilla und erneut zwei in Edmonton erkämpften die vereinten Deutschen bisher. Auch wenn die Sprint-Doppelweltmeisterin von 1991 in Tokio, Katrin Krabbe- Zimmermann, im Prozess gegen die IAAF nach fast zehnjähriger Dauer erfolgreich war und 1,5 Millionen Mark Entschädigung zugesprochen bekam, zählte sie durch ihre Doping-Verstrickungen zur großen Verliererin wie Ben Johnson.

1993 in Stuttgart wurden vor allem die Auftritte der "Laufroboter" aus China skeptisch zur Kenntnis genommen. Die Frauen aus dem Reich der Mitte, bis dahin kaum in Erscheinung getreten, räumten über 1500, 3000 und 10 000 m ab und verschwanden nach sagenhaften Weltrekorden anschließend in Peking wieder in der Versenkung.

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