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Neunmonatszahlen schicken Commerzbank-Aktie auf Talfahrt

Eindeutig haben die Anleger am Freitag auf die Neunmonatszahlen der Commerzbank reagiert. Obwohl der dramatische Gewinneinbruch von Analysten auch in seiner Höhe erwartet worden war, schickten die Investoren die Commerzbank-Aktie deutlich ins Minus.

vwd FRANKFURT. Wie erwartet, hatte die Commerzbank zuvor für das dritte Quartal tiefrote Zahlen ausgewiesen: So sank das Vorsteuerergebnis auf minus 269 Mill. Euro (Vorjahr: plus 518) Mill. Euro. Die Commerzbank begründete die Rückgänge mit der Konjunktur- und Börsenflaute. Dennoch wurde für das Gesamtjahr in der AG ein Ergebnis in Aussicht gestellt, das die Zahlung einer Dividende ermöglichen soll.

Analysten waren hier jedoch anderer Ansicht und stellten kar, dass die Commerzbank im gesamten Geschäftsjahr keinen operativen Konzerngewinn erzielen können wird. Wie Guido Hoymann (Bankhaus Metzler) erläuterte, ist die Ankündigung eines Gewinns in der AG nur vor dem Hintergrund der beabsichtigten Dividendenzahlung zu sehen. Der Gewinn werde aber voraussichtlich nur durch Beteiligungsverkäufe oder bilanztechnische Maßnahmen erreicht werden können, unterstrich er. Für das vierte Quartal sei auf Gruppenebene zudem "höchstens eine schwarze Null" möglich. Auch Volker von Krüchten (BHF-Bank) sagte, im Gesamtjahr rechne er mit einem Konzernverlust.

Besondere Sorge bereitet den Analysten, dass sich bei der Commerzbank mit dem Ertragsrückgang die Kosten nicht entsprechend vermindert haben. So seien die Erträge im dritten Quartal um 21,7 % im Vergleich zum zweiten Quartal zurückgegangen, die Kosten aber nur um 1,4 %. "Die Kostenseite der Commerzbank ist in Schwächephasen offenbar nicht so flexibel wie die einiger Wettbewerber", sagte der Analyst unter Verweis auf die Entwicklung beim Branchenprimus Deutsche Bank. Dort seien die Erträge um 5,7 %, die Kosten aber um acht Prozent rückläufig gewesen.

Nach Ansicht Hoymanns ist die Commerzbank mit der Konjunktur- und Marktflaute eindeutig schlechter fertig geworden als beispielswiese die Deutsche Bank. "Woran dies liegt, ist schwer zu erklären", fügte er hinzu. Allerdings profitiere die Deutsche Bank beim Handelsergebnis von ihrer globalen Aufstellung und habe zudem schlicht Größenvorteile. "Für große ist hier leichter Geld zu verdienen als für kleiner Player wie die Commerzbank". Allerdings sei die Marktposition der Commerzbank deutlich schwächer als die des genannten Wettbewerbers, betonte er. Auch nach Ansicht von Krüchtens ist in Schwächephasen die Größe und internationale Aufstellung entscheidend: "Der Markt sorgt dafür, dass es größeren Playern besser geht als kleineren", stellte er heraus.

Ein Blick auf die Entwicklung in den einzelnen Segmenten der Commerzbank verdeutlicht dies: Von Januar bis September erwirtschafteten lediglich die drei Segmente Firmenkunden, Treasury und Devisen sowie Hypothekenbanken positive Vorsteuerergebnisse von 731 Mill. bzw. 267 Mill. und 209 Mill. Euro. Negativ fielen dagegen die Ergebnisse bei privaten Kunden (minus 62 Mill. Euro), Asset Management (minus 94 Mill. Euro) und Securities (minus 110 Mill. Euro) aus. Das Ausmaß des Gewinneinbruchs wird besonders beim Vorjahresvergleich im Segment Private Kunden deutlich: Hier wurde von Januar bis September 2000 noch ein positives Ergebnis vor Steuern von 1,192 Mrd. Euro ausgewiesen.

Insgesamt bezeichnete auch die Commerzbank selbst ihre Ertragskennzahlen per September und die Eigenkapitalrendite von einem Prozent als enttäuschend. Das Institut verwies in diesem Zusammenhang auf das bereits vorgestellte Kostensenkungsprogramm, das aller Wahrscheinlickeit nach auch betriebsbedingte Kündigungen beinhalten wird. Mit den bereits angekündigten Reduzierungen des Personals um 3 400 Stellen werde sich die Commerzbank an die geänderten Marktverhältnisse anpassen, hieß es. Nach Auffassung von Branchenexperten muss die Commerzbank zudem auf eine möglichst rasche Konjunkturbelebung hoffen.

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