Neunmonatszahlen übertreffen Erwartungen – Neue Konzernstruktur
Commerzbank schließt jede fünfte Filiale

Die Commerzbank überarbeitet zum Ende der Amtszeit ihres Vorstandssprechers Martin Kohlhaussen ihre Geschäftsstrategie. Künftig will sie sich nach Kundengruppen ausrichten und auf Kernkompetenzen konzentrieren. Auf den Kopf stellen will sie ihre bisherige Strategie aber nicht. "Die Grundorientierung bleibt.

FRANKFURT/M. "Die Grundorientierung bleibt. Hier findet keine Revolution statt", stellte Kohlhaussen klar, der im Mai sein Amt an den Vorstandskollegen Klaus-Peter Müller abgeben wird. Insbesondere am Ziel, die Eigenständigkeit der Bank zu wahren, will der Vorstand nicht rütteln. Es würden jedoch alle Möglichkeiten wahrgenommen, neue Akzente zu setzen, so Kohlhaussen auf der Herbst-Pressekonferenz.

Kernpunkt der "Neuausrichtung" der Cobank, an der Müller maßgeblich mitgearbeitet haben soll, ist die Straffung der Konzernstruktur. Statt der bisher drei operativen Unternehmensbereiche wird es künftig nur noch zwei geben. Der erste umfasst das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung, die vom Investment-Banking getrennt wird. Dieses wird im zweiten Standbein mit dem Firmenkundengeschäft zusammengefasst. Vor allem bei der Verzahnung dieser beiden Felder hat die Commerzbank Nachholbedarf. Die Umstrukturierung soll auch mit einer Neuverteilung der Vorstandsaufgaben und einer Verkleinerung des Gremiums von derzeit elf auf zehn Mitglieder einhergehen.

Das Konzept sieht auch eine Straffung des inländischen Filialnetzes vor. 200 von zuletzt 935 Standorten sollen wegfallen. Ähnliche Pläne hat auch die Frankfurter Konkurrenz. Die Cobank will sich zudem auf Kernkompetenzen konzentrieren und von Randaktivitäten trennen. Alle Aktivitäten werden überprüft. Schon klar ist, dass die Commerz-Leasing und Immobilien GmbH an die Börse gebracht wird. Zukäufe sind in der Vermögensverwaltung geplant und im Investment-Banking möglich.

Das mit der "Neuausrichtung" verbundene Eingeständnis des Veränderungsbedarfs bei der Commerzbank markiert den vorläufigen Abschluss einer turbulenten Phase für die kleinste private Großbank. Mit dem Einstieg der Aktionärsgruppe Cobra im Frühjahr war die Übernahmegefahr schlagartig gestiegen. Kohlhaussen flüchtete sich daraufhin in Gespräche mit der Dresdner Bank. Nach deren Scheitern festigte Kohlhaussen die Beziehungen zum italienischen Versicherer Generali. Damit wich zwar die Übernahmephantasie, nicht aber die Kritik an der breiten Aufstellung der Bank sowie die Zweifel an der langfristigen Überlebensfähigkeit als eigenständige Kraft im globalen Wettbewerb.

Mit dem neuen Konzept reagiert die Commerzbank auf diese Kritik und zieht als letzte der Frankfurter Großbanken zugleich Konsequenzen aus den gescheiterten Fusionsversuchen dieses Jahres. Zuvor hatte sich bereits die Dresdner als fokussierte europäische "Beraterbank" neu definiert. Die Deutsche Bank hatte neben dem Investment-Banking ihre Liebe zum Privatkundengeschäft wieder entdeckt.

Mit den Neunmonatszahlen hat die Cobank die Analysten überrascht. Allerdings wurde das Vorsteuerergebnis (plus 139 % auf 2,4 Mrd. ") von weiteren Einmaleffekten begünstigt.

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