Neuordnung im Raumfahrtgeschäft
EADS rechnet sich steigende Gewinne aus

Trotz Auftragsflaute beim Airbus lief das Geschäft des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns besser als erwartet. Auch in der schwächelnden Raumfahrt ist Besserung in Sicht. EADS und BAE Systems konnten sich endlich über Bewertungsfragen bei Astrium einigen. Die Börse reagierte mit einem deutlichen Kursanstieg der Aktie.

mwb MÜNCHEN. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS hat seine Gewinnprognosen nach oben korrigiert. Vor allem das zivile Flugzeuggeschäft läuft besser als bisher erwartet. Der Konzern rechnet damit, im laufenden Jahr 20 % mehr Ertrag einzustreichen. Statt des bisher prognostizierten Gewinns vor Steuern, Zinsen, Goodwill-Abschreibungen und Einmaleffekten von 1,2 Mrd. ? sollen nun immerhin 1,44 Mrd. ? übrig bleiben.

Nach den Terroranschlägen in den USA und der folgenden Luftfahrtkrise hatte der Konzern seine Erwartungen zunächst kräftig zurückgeschraubt. Im letzten Jahr hatte der Gewinn noch bei 1,7 Mrd. ? gelegen. Nun wird der Rückgang glimpflicher ausfallen als befürchtet. "Wir haben im ersten Halbjahr die Erwartungen übertroffen und sind auf gutem Wege", erklärten die beiden Vorstandschefs Reiner Hertrich und Philippe Camus. Insgesamt seien die Aussichten nun besser - vor allem auch im militärischen Geschäft mit Hubschraubern und Flugzeugen. Obwohl sich eine Erholung des Geschäfts schon vor der Luftfahrtmesse in Farnborough abzeichnete, zeigten sich die Märkte positiv überrascht. Der Aktienkurs machte einen Sprung um zeitweise gut 7 % auf über 15 ? nach oben.

Nach Anhebung seiner operativen Ergebnisprognose 2002 rechnet Finanzchef Axel Arendt auch unter dem Strich wieder mit einem Gewinn. Im März hatte er angesichts verschiedener Sonderbelastungen noch einen Verlust erwartet. Im ersten Halbjahr 2002 erreichte EADS einen vergleichsweise kleinen Nettogewinn von 91 Mill. nach 1,66 Mrd. ? im Vorjahr. Im vergangenen Jahr war der Gewinn aber durch den Sondereffekt der Gründung einer einheitlichen Airbus-Gesellschaft aufgebläht worden.

EADS kann sich trotz des Nachfrageeinbruchs bei zivilen Flugzeugen auf ein volles Auftragsbuch aus der Vergangenheit stützen. Während der Auftragseingang um 62 % auf 14,7 Mrd. ? einbrach, ist das Auftragspolster mit 172 Mrd. ? noch immer sehr dick und reicht für über fünf Jahre. Zudem steht noch immer der Großauftrag für das Militärtransportflugzeug A 400 M aus. Dieses und nächstes Jahr will Airbus 300 Passagierflugzeuge ausliefern. Airbus teilt sich den Weltmarkt mit dem US-Konkurrenten Boeing. Beide Unternehmen rechnen erst 2004 wieder mit steigenden Flugzeugauslieferungen. Airbus, auf das über zwei Drittel des EADS-Umsatzes und der Löwenanteil des Gewinns entfällt, verlor beim Umsatz nur ein Prozent auf 9,8 Mrd. ? und legte beim Gewinn noch um 10 % auf 874 Mill. zu. "Airbus sieht auf den ersten Blick viel besser aus, der Rest ist ziemlich schwach", sagte ein Analyst.

Größtes Sorgenkind ist die Raumfahrt mit einem Verlust von 85 Mill. ?. Gleichzeitig zu den Halbjahreszahlen erklärte gestern EADS, vom Konkurrenten BAE Systems den restlichen 25 %-Anteil am Raumfahrtunternehmen Astrium zu übernehmen. Monatelang hatten sich die beiden Unternehmen um die Bewertung gestritten. BAE Systems wird seinen Anteil jetzt für 165 Mill. ? verkaufen. Darauf hätten sich beide Partner verständigt. Hertrich hofft, jetzt die Neuordnung dieser Sparte schneller durchsetzen zu können und wieder profitabel zu machen. EADS kann jetzt sein Trägerraketengeschäft mit dem von Astrium zusammenlegen.

Satellitengeschäft und Trägerraketenaktivitäten werden zudem eigenständig als Tochterunternehmen geführt und gehören zu 100 % EADS. Das Servicegeschäft mit den Militärsatelliten wird in einem Joint Venture gebündelt, bei dem allerdings BAE-Systems mit einem Anteil von 51 % die Führung übernimmt. Das Unternehmen mit dem Namen Paradigm Secure Communications Ltd. soll für das Skynet 5-Programm der britischen Regierung zuständig sein. Dabei handelt es sich um das System für die zukünftige militärische Satellitenkommunikation des britischen Verteidigungsministeriums. Das BAE Systems/EADS-Joint-Venture werde Astrium mit der Lieferung von Satelliten und Bodenstationen beauftragen. Der Verkauf der Astrium-Anteile durch BAE Systems wird aber erst dann wirksam, wenn der Auftrag für Skynet 5 endgültig abgeschlossen ist und die Wettbewerbshüter in Brüssel der Transaktion zustimmen. Astrium hatte als größter europäisches Raumfahrtunternehmen 2001 einen Umsatz von 1,9 Mrd. ? erzielt und beschäftigt 8 400 Mitarbeiter.

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