Neuorientierung mit dem Primera
Nissan will nie wieder langweilige Autos bauen

Wer in der heute so facettenreichen Automobillandschaft einen Akzent setzen will, muss sich schon etwas einfallen lassen. Nissan, lange nur mit biederer Hausmannskost im Automarkt vertreten, hat nun mit dem neuen Primera alte Zöpfe abgeschnitten

pha BARCELONA. Carlos Ghosn, von Renault entsandter Retter der einstigen Nummer zwei Japans, steuert Nissan nicht nur unter Kostengesichtspunkten auf Erfolgskurs. Er setzt auch bei den Produkten auf einen Kulturwandel. "Wir wollen", lautet sein Credo, "der in Europa attraktivste und profilierteste japanische Anbieter sein." Der neue Mittelklassewagen Primera ist der erste Schritt in diese Richtung. In zwei Varianten, als viertürige Limousine und als so genannter Lifestyle-Kombi, soll er ab März 2002 angeboten werden.

Für den Leiter des europäischen Nissan-Designstudios in Geretsried bei München, den Schweizer Stephane Schwarz, geht damit ein Traum in Erfüllung. Bekam er doch jene Freiheiten, die sich jeder Designer wünscht. Schwarz hat sie genutzt. Entstanden ist eine völlig neue Linienführung, die der Schweizer Designer "Monosilhouette" nennt. Er meint damit die Abkehr vom konventionellen Dreiboxdesign, wonach Motorraum, Fahrgastzelle und Gepäckabteil optischen klar getrennt sind. Beim Primera sind die drei "Räume" nun fließend miteinander verbunden.

Der Primera wirkt wie aus einem Guss, womit er das farblose Einerlei seiner Vorgänger radikal abgestreift hat. Nie wieder Langeweile bei den Modellen, lautet denn auch die Vision von Entwicklungschef Patrick Pelata. "Europäische Interpretation klassischer japanischer Elemente" nennt Schwarz seinen Entwurf.

Besonders stolz ist er darauf, dass dem modernen Äußeren des Primera eine adäquate Inneneinrichtung folgt. An Stelle eines klassischen Armaturenbretts prägt das Cockpit ein bogenförmiger Instrumententräger mit drei zum Fahrer hin gerichteten Rundinstrumenten in der Mitte, einem großen Bildschirm sowie einem futuristisches Bedientableau ähnlich wie beim 7er-BMW. Mit ihm wählt sich der Fahrer über einen Dreh-Drück-Steller durch die Einstellmenüs.

Darum herum gruppieren sich die Elemente für Audiosystem, Klimaautomatik und Telefonanlage. "Wir konnten erstmals die in unseren Studien gezeigten Ideen auch bei einem Serienmodell verwirklichen", verkündete Nissan-Entwicklungschef Pelata bereits auf der Tokio Motor Show. Dazu zählen ab der mittleren Ausstattungsstufe technische Highlights wie eine Geschwindigkeitsregelanlage mit Infrarotabstandsradar und eine Rückfahrkamera für problemloses Einparken. Statt in die Rückspiegel schaut der Fahrer auf den Bildschirm. Damit will Nissan in der Mittelklasse einen neuen Maßstab setzen. Wenig schmeichelhaft für die Europäer, die Derartiges in dieser Klasse nicht zu bieten haben.

Mit reichhaltiger Serienausstattung sowie vielfältigen Optionen, darunter Navigationssystem, Xenon-Scheinwerfer und Ledersitze, kann der Primera ebenso auftrumpfen wie mit vorerst drei Motor- und vier Getriebevarianten. Am besten zum Charakter des Wagens passen entweder der Zweiliterbenziner mit 140 PS und zwei Ausgleichswellen für mehr Laufkultur des Vierzylinders oder der antrittsstarke 2,2-Liter-Turbodiesel (126 PS). Für den Einstieg in die neue Nissan-Mittelklasse (ab 20 400 Euro) hält das Unternehmen noch ein 116-PS-Aggregat bereit, dem es aber an Schwung fehlt.

Neben dem Fünfgangschaltgetriebe gibt es für die stärkeren Versionen eines mit sechs Gängen, außerdem eine Vierstufenautomatik sowie ein stufenloses Automatikgetriebe. In der Fahrwerksabstimmung, bisher eine der eher schwachen Disziplinen japanischer Konstrukteure, konnte der Primera bei ersten Probefahrten aber mit einem guten Kompromiss zwischen Komfort und Agilität aufwarten.

Mit dem Primera 2002 plant Nissan zusammen mit dem Allianzpartner Renault, neue Kundenkreise zu erobern. Die Fernost-Marke will sich künftig an Autokäufer richten, die auch bei einem Fahrzeug eines japanischen Herstellers stärker emotional entscheiden. Bislang galt vor allem das vernünftige Preis-Leistungs-Verhältnis als ausschlaggebend für den Kauf eines Modells der Marke Nissan.

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