Neupositionierung der Deutschen Börse
Neuer Markt nicht der richtige Platz für Mobilcom

Reuters FRANKFURT/HAMBURG. Der Neue-Markt-Pionier Mobilcom will nach den Worten von Unternehmens-Chef Gerhard Schmid binnen 18 Monaten über einen Ausstieg aus dem Wachstumssegment der Frankfurter Börse entscheiden. "Wir sind es einfach leid, mit Unternehmen verglichen zu werden, die zweieinhalb Mill. Umsatz machen und ad hoc mitteilen, dass ihr Umsatz um vierzig Prozent gestiegen ist", sagte Schmid am Mittwoch in einem Interview des Magazins "Telebörse". "Im Moment ist kein Entscheidungsbedarf da, aber innerhalb der nächsten 18 Monate sicherlich." Mobilcom war 1997 eines der ersten Unternehmen am Neuen Markt.

Schmid sagte der "Telebörse", er sei sich nicht mehr sicher, ob der Neue Markt auch nach Erhalt einer UMTS-Lizenz noch der richtige Platz für Mobilcom sei. Das Büdelsdorfer Unternehmen bietet derzeit mit seinem Partner France Telecom um mehrere Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS, der eine Multimedia-Nutzung von Handys ermöglicht. Es wird erwartet, dass Mobilcom am morgigen Donnerstag seine Halbjahreszahlen veröffentlichen wird. Analysten rechnen mit einem Umsatz von bis zu zwei Mrd. DM. Schmid sagte weiter, bereits für dieses Jahr sei über einen Verbleib am Neuen Markt nachgedacht worden. "Dann kam aber die Neupositionierung der Deutschen Börse dazwischen." Bisher sei noch offen, welche Rolle künftig der Dax oder die Nasdaq Europe spielen werden. "Da müssen wir aufpassen, dass wir nicht aufs falsche Pferd setzen", sagte Schmid.

Bei Erhalt von UMTS-Lizenzen will Mobilcom Schmid zufolge schon in den ersten sechs Monaten 2002 ein UMTS-Netz in Betrieb nehmen. Dafür werde vier Wochen nach Ende der Versteigerung der Aufbau des neuen Mobilfunk-Netzes in Auftrag gegeben, sagte Schmid einer redaktionellen Fassung des Interviews zufolge weiter. Die Kandidatenliste für den Netzaufbau sei bereits auf drei Unternehmen begrenzt: Nokia, Ericsson und Nortel. Jedes dieser Unternehmen habe seine besonderen Stärken. "Nokia hat die Nähe zu Cisco, deren Technik wir ja schon im Backbone einsetzen", sagte Schmid. "Für Ericsson spricht, dass sie viel Erfahrung beim Aufbau von Mobilfunk-Netzen haben und Basis-Stationen am Fließband produzieren können." Aber auch Nortel habe interessante Lösungen, sagte Schmid.

Mit den UMTS-Lizenzen strebt Mobilcom Schmid zufolge auf dem deutschen Multi-Media-Markt einen Anteil von 10 % an. Im Zentrum stehe dabei die schnelle Übertragung von Internet-Inhalten auf Mobiltelefone und der "Mobile Commerce", also der elektronische Handel über Handys. Vor einigen Wochen hatte Mobilcom angekündigt, in den Bereich der Finanzdienstleistungen per Handy einsteigen zu wollen. Damals war die Frage unbeantwortet geblieben, ob Mobilcom zu diesem Zweck eine eigene Bank gründen oder ein Finanzinsitut kaufen wolle. Auf diese Frage antwortete Schmid in der "Telebörse": "Brauche ich nicht, weil in unserem Vorstand mit Volker Visser bereits ein ausgewiesener Banker sitzt, der schon einmal eine Online-Bank aufgebaut hat. Visser ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Advance-Bank, einer Tochter der Dresdner Bank.

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