Neuregelung
Siemens nach Streubesitz-Regel schwerster Dax-Wert

Die Siemens AG wird einer Modellrechnung der Deutschen Börse zufolge nach Einführung der Streubesitzregel für die Indexberechnung der schwerste Wert im Deutschen Aktienindex (Dax) sein. Auf Basis der Oktober-Daten rutscht die Deutsche Telekom als bisher höchstgewichtester Dax-Wert auf Platz drei ab, die Allianz behält Rang zwei. Die Telekom verliert der Modellrechnung zufolge rund zwei Prozentpunkte an Indexgewicht auf 9,23 %, während Siemens 2,5 Punkte auf zehn Prozent hinzugewinnt.

rtr FRANKFURT. Im Juni 2002 will die Börse bei der Berechnung der Indizes nur noch den Streubesitz und nicht mehr wie bisher alle zum Börsenhandel zugelassenen Aktien heranziehen. Mit der Modellrechnung läutet die Deutsche Börse die heiße Phase der Vorbereitung der Märkte auf die Neustrukturierung ein, die bei anderen Anbietern von Indizes bereits erfolgt ist oder in Kürze erfolgen soll. Die Börse wolle die Märkte frühzeitig informieren, sagte Börsen-Vorstand Christoph Lammersdorf am Donnerstag vor Journalisten mit Blick auf Befürchtungen, die Umstellung könne zu Verwerfungen an den Märkten führen.

Die Gewichtung einer Aktie in einem Index ist ausschlaggebend dafür, wie stark sich zum Beispiel ein Kurssprung auf die Indexbewegung auswirkt. Zum Streubesitz, der in Zukunft für die Berechnung der Indizes wie Dax, Mdax oder Nemax50 maßgeblich sein wird, sollen in Zukunft nur noch Aktienpakete gehören, die kleiner als fünf Prozent sind.

Dabei sollen den Angaben zufolge auch solche Aktien in ein Paket einberechnet werden, die indirekt gehalten werden. So werde die Börse Aktien, die ein Vater auf seine Kinder verteile, voraussichtlich als ein Paket rechnen, sagte Ralf Huesmann, von der Abteilung für Informationsprodukte der Börse. Anteile, die Vermögensverwalter oder Fonds an einem Unternehmen halten, sollen den Angaben zufolge als Streubesitz behandelt werden, da es sich dabei um eine Finanzanlage und nicht um ein strategisches Investment handele.

Neuregelung soll Liquidität garantieren

Die Börse will mit der Neuregelung unter anderem verhindern, dass ein Unternehmen mit einer großen Zahl zum Handel zugelassener Aktien ein hohes Indexgewicht erreicht, die Papiere aber faktisch nur schwer gekauft oder verkauft werden können, weil die große Masse bei großen Investoren festgelegt ist. Inbesondere für Fondsmanager, die mit ihren Fonds einen Index nachbilden, ist eine hohe Liquidität der Aktien wichtig.

Lammerdorf räumte ein, dass die Börse bei der Feststellung des Streubesitzes eines Unternehmens auch auf dessen Mitwirkung angewiesen sei. Da eine Meldestelle für alle Anteilsverschiebungen bei Unternehmen nicht existiere, stütze man sich neben den Angaben des Bundesamtes für den Wertpapierhandel (BaWe) auf verschiedene Datenbankanbieter sowie die Selbstauskunft der Gesellschaften.

Die Modellrechung zeigt nach Angaben der Börse, dass die Indexportfolios auch nach der Umstellung stabil blieben. So festigten Epcos und Adidas, zuletzt Kandidaten für einen Abstieg aus dem Dax, ihre Positionen wieder. Auch im Mdax seien keine größeren Anpassungen zu erwarten. Im Nemax50 wird Qiagen der aktuellen Modellrechnung zufolge weiter auf dann 15 % an Gewicht gewinnen, während T-Online wegen des geringen Streubesitzes fast die Hälfte der bisherigen Gewichtung auf 9,74 % verlieren wird.

Der Zeitplan der Börse sieht vor, dass ab Februar 2002 monatlich nach den neuen Regeln zusammengesetzte Ranglisten vorgelegt werden sollen. Im Mai soll dann bei Sdax und Nemax50 die erste Entscheidung über die Indexzusammensetzung auf dieser Basis getroffen werden. Für Juni ist die Umstellung der Berechnung aller Indizes vorgesehen.

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