Neururer führt den VfL Bochum in die Bundesliga
Bestnoten im Außendienst

In Bochum spricht man schon lange nicht mehr von den "Unabsteigbaren". Nach dem jüngsten Aufstieg in die Bundesliga hoffen aber alle, dass der Trainer für Kontinuität sorgt.

Theoretisch ist es richtig, dass die Stärken des Peter Neururer nicht unbedingt mathematischer Natur sind. Schon die Abitur-Klausur zum Thema hatte der aktuelle Trainer des VfL Bochum mit achselzuckender Ahnungslosigkeit schlicht verweigert, da nutzte selbst der wohlmeinende Rat des Mathematik-Lehrers ("Schreib? doch erst einmal die Aufgaben ab") nichts: Der junge Neururer schrieb die Aufgaben ab und suchte Trost bei seinem damaligen Stammwirt "Christos" in Marl-Drewer.

Praktisch jedoch ist es ebenso richtig, dass er sein Abitur auch danach noch bestanden hat, und spätestens nach dem vierten direkten Wiederaufstieg des VfL Bochum wurde ganz Fußball-Deutschland daran erinnert, dass mit Peter Neururer natürlich immer zu rechnen ist. Was noch im Januar und Februar einige für plumpe Durchhalteparolen hielten, entfaltete am finalen Spieltag seinen vollen Wahrheitsgehalt: "Hannover, Bochum und noch irgendein Verein steigen auf", hatte Neururer stets vollmundig verkündet. Und zudem hatte er schon zu Beginn des Jahres schlechte Nachrichten für die Konkurrenz aus Rheinland-Pfalz gehabt: "Mainz wird es nicht schaffen." Die Prophezeiung erfüllte sich schließlich am 5. Mai: Der FSV Mainz 05 patzte bei Union Berlin, Bielefeld und Bochum folgten den Überfliegern aus Hannover in die erste Bundesliga.

Und dort soll der Spaß erst richtig beginnen: "Diese Mannschaft ist fantastisch", war Neururers überschwängliches Urteil bereits vor dem Gelingen, und überaus warme Worte fand er ausdrücklich auch für seine Co-Trainer Heinemann und Michaty sowie obendrein für Vorgänger Bernard Dietz.

Bei seiner Amtsübernahme im Dezember 2001 taumelte das Team in dumpfer Depression, doch nach zwei Niederlagen zum Einstand griff der simple, aber immer wieder wirksame pädagogische Ansatz von Peter Neururer, der zumindest nach außen hin stets mehr Mentaltrainer denn Übungsleiter ist. Und doch funktioniert das Konzept "Rede die Mannschaft stark" auf Dauer nur dann, wenn auch ein gewisses Potenzial vorhanden ist: Doch da wusste Neururer offenkundig genau, worauf er sich einließ, schließlich hatte er zusätzliche Verstärkungen bei seiner Verpflichtung strikt abgelehnt. Wohlwissend, dass er mit Dariusz Wosz, Paul Freier, Delron Buckley, Thomas Christiansen oder Sebastian Schindzielorz mehr oder weniger unbehandelte Juwelen auf der Habenseite verbuchen konnte.

Und geht es nach VfL-Präsident Werner Altegoer, so dürfte Neururer in Bochum ruhig zum "Altrurer" werden: Der Vertrag ist erst einmal bis ins Jahr 2004 datiert. Wobei jedoch die prächtige sportliche Bilanz nur das eine Argument für eine mögliche Daueranstellung wäre: Altegoer schätzt den 47-Jährigen nicht zuletzt auch als "Außendienstmitarbeiter, der die Sache VfL Bochum ganz hervorragend verkauft".

Dass der Verein, der einstmals als "graue Maus" im deutschen Profi-Fußball galt, ein Imageproblem habe, will der Präsident so nicht gelten lassen: "Es stimmt jedoch, dass wir manchmal nicht genügend Berücksichtigung finden." Der Aussage folgt ein Stoßseufzer ob des täglichen Kleinkriegs mit Teilen der lokalen Medien.

Doch "tief im Westen" hat man eben keine Wahl: Der VfL Bochum wird sich sein ureigenes Revier zwischen den Giganten Schalke 04 und Borussia Dortmund wieder mit spitzen Ellenbogen erarbeiten müssen. 13 Millionen Euro betrug der Etat in dieser Zweitliga-Saison, künftig werden es zwischen "18 und 21 Millionen sein", stöhnt Geschäftsführer Ansgar Schwenken, dem in Zeiten, in denen "Kirchs Mäuse" nicht mehr so bereitwillig den Besitzer wechseln, ein gewisses Maß an Planungssicherheit genommen wurde. Sicher ist jedoch, dass ein angepeilter Zuschauerschnitt von 26



000, der von Vereinsfremden vorschnell verkündet wurde, pure Fantasie ist: "Damit hätte ich beim Lizensierungsverfahren gar nicht erst ankommen dürfen", lacht Schwenken. So kalkuliert man in Bochum mit realistischeren 20 000 Besuchern pro Heimspiel.

Erfolgreicher Fußball wäre da natürlich nur förderlich: "Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben und peilen irgendwas um Platz zehn an", erklärt Peter Neururer. Die Mannschaft ließ der Trainer nach Saisonschluss "mal schön alleine" zum Feiern nach Mallorca fliegen, um sich vorrangig um die Zusammenstellung des neuen Kaders zu kümmern: Alle Leistungsträger sollen bleiben, einige - nicht unbedingt namenlose, aber noch ungenannte - Spieler werden hinzukommen: Mit nicht mehr und nicht weniger als 22 Akteuren will Neururer die Erfolgsgeschichte fortschreiben.

Wen interessiert da jetzt noch, dass er zehn Spieltage vor Ablauf der Saison vorrechnete, dass 61 Punkte zum Sprung in die Erste Liga reichen werden? Theoretisch ist es nämlich richtig, dass er damit ziemlich daneben lag, praktisch jedoch ist es ebenso richtig, dass Bochum am Ende aufgestiegen ist - mit 65 Punkten.

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