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Neuseeland will einige Bootsflüchtlinge aufnehmen

Neuseeland hat am Freitag die Aufnahme eines Teils der vor der australischen Küste gestrandeten Flüchtlinge angeboten. Ministerpräsidentin Helen Clark sagte, Voraussetzung dafür sei, dass auch andere Länder einen Teil der Menschen aufnähmen.

Reuters WELLINGTON. "Wir begrüßen eine Lösung auf internationaler Basis, weil die Last damit geteilt wird", sagte Clark. Australien hatte zuvor seine Bemühungen um eine Aufnahme der Menschen durch andere Ländern verstärkt. Ministerpräsident John Howard sagte, es sei nötig, dass eine langfristige Lösung für die Flüchtlinge gefunden werde, "dass sie irgendwohin gebracht werden und ihr Flüchtlingsstatus anerkannt wird."

Clark sagte nicht, wie viele Menschen ihr Land aufnehmen will, verwies jedoch auf die Zuwanderungsquote des Landes, in deren Rahmen eine Aufnahme möglich sei. Neuseeland arbeite derzeit an einer Antwort auf eine Anfrage Australiens und des UNO-Flüchtlingskommissariats (UNHCR). Nach Angaben des UNHCR nimmt Neuseeland jährlich 750 Flüchtlinge über das Hilfswerk der UNO auf. Die Quote für das Jahr 2001/2002 sei bereits erfüllt. Eine inoffizielle Umfrage eines Fernsehsenders ergab, dass 87 Prozent der vier Millionen Neuseeländer gegen eine Aufnahme der Flüchtlinge sind.

"So etwas kann niemals über Nacht geregelt werden", sagte Howard am Freitag einem australischen Rundfunksender. Am Tag zuvor hatte er den Generalsekretär der Vereinten Nationen (UNO), Kofi Annan, über seine Gespräche mit mehreren Ländern informiert. Australien verweigert eine Aufnahme der Flüchtlinge nach Howards Worten weiterhin, weil es ein klares Zeichen gegen illegale Einwanderung setzen wolle.

Die mehr als 434 Flüchtlinge saßen unterdessen weiter auf dem norwegischen Frachter "Tampa" fest. Die Menschen waren nach einem Schiffbruch mit einem indonesischen Boot vor fünf Tagen von dem Frachter gerettet worden. Der Kapitän hatte daraufhin die zu Australien gehörende Weihnachtsinsel angesteuert, hatte aber keine Genehmigung zur Einfahrt in australische Gewässer erhalten.

Howard wies zudem die internationale Kritik an der Haltung seiner Regierung zurück. Australien verhalte sich nicht unmenschlich. "Wir sagen der Welt nicht: Wir werden keine Flüchtlinge aufnehmen", fügte er hinzu.

Im Laufe des Tages wurde vor der Weihnachtsinsel die Ankunft einer australischen Marinefregatte erwartet. Sie soll eine Mannschaft an Bord haben, die den 45 000 Tonnen schweren Frachter steuern kann. Nachdem der Frachter ohne Genehmigung in die Zwölf-Meilen-Zone vor der Insel eingedrungen war, hatte eine Spezialeinheit der australischen Armee das Schiff geentert.

Der Kapitän des Frachters verweigert eine Weiterfahrt, weil sein Schiff nicht für den Transport so vieler Menschen ausgelegt sei. Norwegen und Indonesien haben sich ihrerseits bislang nicht zu einer Aufnahme der Flüchtlinge bereit erklärt. Die Menschen stammen aus Afghanistan, Sri Lanka und Pakistan und hatten sich von Indonesien aus eingeschifft.

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