Neusegmentierung der Auswahlindizes
Start frei fürs Stühlerücken an der Börse

Es darf spekuliert werden! 200 Gesellschaften gehören derzeit noch den vier Auswahlindizes Dax, MDax, SDax und Nemax 50 an. Ab dem kommenden Jahr sind es im besten Fall noch 130, im schlechtesten sogar nur 90 Unternehmen, die dann zu den Auserwählten gehören. Grund ist die kürzlich vorgestellte Neusegmentierung der Deutschen Börse, die am Mittwoch vom Börsenrat abgesegnet wurde. Die besagt folgendes: Der Deutsche Aktienindex (Dax) wird als Auswahlindex der 30 größten deutschen Werte erhalten bleiben.

scc FRANKFURT/M. Dahinter kommt es jedoch zum großen Stühlerücken. Der MDax wird von 70 auf 50 Werte verkleinert, der SDax abgeschafft, der Nemax 50 bleibt erhalten. Der Clou dabei ist jedoch, dass der neue MDax Werte aus klassischen Branchen der zweiten Reihe abdecken soll, während sich im Nemax 50 Technologiewerte der zweiten Reihe finden sollen. Der Kampf um die Plätze hat bereits begonnen. Verschärft wird dieser dadurch, dass es sogar Bestrebungen gibt, sowohl MDax als auch Nemax 50 auf 30 Werte zu kürzen.

Für den Anleger gibt es dadurch viele neue Chancen, aber auch Risiken. Wesentlicher Vorteil: Die Qualität der Indizes wird gewaltig steigen, so das Gros der Fondsmanager. "Das führt zu mehr Transparenz für den Anleger", lobt zum Beispiel Karl Fickel von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha die Neuerung. Fälle wie in der Vergangenheit, als beispielsweise ein insolventes Unternehmen wie die schweizerische Fantastic Corp. dem Auswahlindex Nemax 50 angehörte, dürfte es somit nicht mehr geben. Vielmehr könnte gerade der Nemax 50 von einem Zuzug der Tech-Unternehmen profitierten, die bisher im MDax gelistet waren. "Ich kann mir gut vorstellen, dass künftig auch eine Jenoptik oder eine Wedeco im Index des Technologiebereichs gelistet sind", so Ralf Walter, Fondsmanager bei Adig.

Dabei ergeben sich interessante Fragen: Ist der TV-Geräte-Hersteller Loewe mehr Technologieunternehmen oder klassischer Industrieproduzent? Ist König & Bauer als Hersteller von Druckmaschinen eher Maschinenbauer oder High-tech-Unternehmen? In diesem Punkt regt sich bereits Kritik. Jens Wilhelm, Geschäftsführer von Union Investment, bezeichnet denn auch die Aufteilung aller Small- und Midcaps in klassische Unternehmen und Technologiegesellschaften als "künstliche Aufteilung". Das macht weder die gelisteten Unternehmen noch die Investoren glücklich", so Wilhelm.

Vorteile ergeben sich jedoch für Stockpicker. Da viele solide Unternehmen mit guten Wachstumszahlen den Sprung in eines der neuen Börsenbarometer aufgrund der größeren Konkurrenz nicht schaffen werden, finden sich auch außerhalb der Indizes vermehrt interessante Aktien. "Das neu segmentierte Anlageuniversum eröffnet weitere Stock-Picking-Chancen" heißt es denn auch im Hause Lupus Alpha.

Die 70 oder gar 110 Werte, die im kommenden Jahr aus einem Auswahlindex fallen, müssen jedoch kurzfristig mit Kurseinbußen rechnen, da sich passiv gemanagte Fonds, die einen Index komplett abbilden, von diesen Papieren trennen. Allein aufgrund der Verringerung des MDax von 70 auf 50 Unternehmen könnten nach der aktuellen Rangliste der Deutschen Börse Leoni, Wedeco, Phoenix, Escada, Gerry Weber, Beate Uhse, Indus, Vossloh, GfK, Jungheinrich, Sixt, Loewe, Klöckner-Werke, DIS, Mannheimer, Hornbach, Kolbenschmidt Pierburg, Rheinmetall und Techem aus diesem Index fallen. Für Anleger wird 2003 ein spannendes Jahr.

Quelle: Handelsblatt

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