Neustart geplant
Wiener Börse kommen die Unternehmen abhanden

Der Wiener Börse, ohnehin bei institutionellen Anlegern aus dem Ausland ein Stiefkind, kommen die Unternehmen abhanden. Zunächst verschwand die Bank Austria (BA/Wien) vom Kurszettel, als sie von der bayerischen Hypovereinsbank übernommen wurde. Immerhin bestritt das Geldhaus bis zu seinem Ausscheiden im Februar knapp ein Viertel vom Leitindex ATX. Gezählt sind auch die Tage des Index-Schwergewichtes Austria Tabak (AT), das heute 13 % des ATX stellt.

dpa WIEN. Nach dem Verkauf an das britische Tabakunternehmen Gallaher in diesem Sommer wird auch dieser Wert vom Wiener Parkett verschwinden.

Jetzt ist sogar das neue Schwergewicht Telekom Austria (TA) ins Gerede gekommen. Nach Mediengerüchten will die österreichische Staatsholding ÖIAG als 44 %-Mehrheitseigentümer die Aktien im Streubesitz wieder zurückkaufen, nachdem sie seit ihrem Börsengang vor einem Jahr zeitweilig ein Minus von knapp 25 % verkraften mussten. Nach diesen inofiziellen Informationen will die ÖIAG auch den TA-Anteil der Telecom Italia von knapp 30 % erwerben, den das selbst schwer gebeutelte Unternehmen loswerden will. Dann würde die TA, mit einem ATX-Anteil von knapp neun Prozent, der Wiener Börse den Rücken kehren.

Die BA will den Baustoffmittel-Hersteller Wienerberger verkaufen, der mit fast fünf Prozent am ATX beteiligt ist. Voest-Alpine (ATX- Anteil sieben Prozent) gilt ohnehin als Übernahmekandidat. Selbst die von schweren Turbulenzen erschütterte nationale Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA/Wien) wird in Branchenkreisen als unsicherer ATX-Kantonist gehandelt. Die AUA-Aktie hatte am Dienstag mit 6,50 ? einen neuen Tiefstand erreicht. "Die AUA wird sehr, sehr strampeln müssen", zitierte das "Wirtschaftsblatt" einen Experten.

Neue große Börsengänge sind dagegen nicht in Sicht. Die erst im Mai von Finanzminister Karl-Heinz Grasser angekündigte "fundamentale Kapitalmarktoffensive" ist offensichtlich gescheitert. Jetzt versucht die Börse AG einmal mehr einen Neustart. Anfang dieser Woche teilte der Börsenvorstand mit, vom kommenden Jahr an werde die alte ATX-Familie aufgelöst und durch einen breiter angelegten "ATX Prime Market" ersetzt. Hier sollen die bisherigen 20 ATX-Titel von bis zu 20 weiteren Unternehmen Gesellschaft bekommen.

Ob diese Organisationsreform tatsächlich den Aufschwung bringen kann, ist strittig. Zumal in das neue Segment nur Unternehmen aufgenommen werden sollen, deren Aktien zu mehr als einem Viertel im Streubesitz sind. Gerade das dürfte für einige heimische Firmen ein Hindernis darstellen.

Der Generaldirektor der Erste Bank, Andreas Treichl, hat in dieser Woche noch ein weiteres Feld für die Börse vorgeschlagen. Nachdem die Wiener Osteuropabörse New Europe Exchange AG (Newex) seit ihrer Gründung vor einem Jahr praktisch keine Umsätze verzeichnet, solle sich die Wiener Börse mit den Handelsplätzen in Prag, Budapest und Warschau zusammenschließen. Doch dort hält sich die Bereitschaft zur Kooperation in engen Grenzen.

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