Neustart im Netz
Internet-Aktien in Lauerstellung

An der Börse sind Internet-Aktien plötzlich wieder ein heißes Thema. Mit Recht, denn zwischen der Bedeutung des Internets auf der einen Seite und den dramatischen Kursverlusten der meisten Internet-Aktien auf der anderen Seite klafft eine riesige Lücke.

50 Prozent in nur fünf Tagen: Mit einem Schlag ist der Amazon-Konzern zwei Milliarden Dollar mehr wert. Und dabei hat der Online-Shopper nur getan, wovon er schon seit Jahren redet. Amazon hat - für ein Unternehmen eigentlich selbstverständlich - erstmals in seiner Geschichte Gewinne gemacht. Nicht viel zwar, nur gut fünf Millionen Dollar - doch die netto und nach der korrekten amerikanischen Bilanzierungsmethode US Gaap. Die internationale Rating-Agentur Moody's hat die langfristige Bonität von Amazon sofort heraufgestuft.

Welche Internet-Aktien das Potential haben, mittel- und langfristig zu den Gewinnern zu zählen, lesen Sie im Anlage-Check der Web-Aktien bei DMEuro.com. Und wenn Sie mehr wissen wollen über die Strategien von Yahoo und T-Online , sind Sie hier ebenfalls an der richtigen Stelle.



Trotz aller Börsenschwäche ist das Internet ein echtes Massenmedium geworden. Fast 150 Millionen Amerikaner surfen derzeit im World Wide Web, in Deutschland haben 30 Millionen Teilnehmer einen Anschluss. Und auch wenn die optimistischen Prognosen aus dem Jubeljahr 2000 nicht aufgegangen sind und obwohl Europa in Sachen E-Commerce weit hinterher hinkt, "so zeigen doch jährliche Zuwachsraten von 20 bis 30 Prozent, welche entscheidende Bedeutung das Internet für Wirtschaft und Gesellschaft hat", betont Carsten Jansing, Web-Spezialist des Brokers Hornblower Fischer.

Immer mehr Zahlen bestätigen das schwarz auf weiß. Während der weltweite Markt für Verbrauchsgüter derzeit auf der Stelle tritt, legten die Online-Verkäufe im vierten Quartal 2001 um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. "Selbst das harte Geschäft mit Onlinewerbung dürfte sich stabilisieren", sagt Justin Baldauf, Internet-Spezialist von Merrill Lynch. Sein Fazit: "Wir glauben, dass das vierte Quartal 2001 die Talsohle der fundamentalen Daten im Internet-Sektor markiert hat."

Besonders gut schnitten dabei die großen Adressen des Internets ab. Yahoo etwa konnte seine Online-Erlöse gegenüber dem Vorjahr um 86 Prozent erhöhen, AOL bringt es auf 72 Prozent und Amazon auf rund 30 Prozent. Ein klares Signal, wer als Sieger aus der Internet-Baisse hervorgehen wird.

"Während der Großteil der unprofitablen Unternehmen in der Krise der vergangenen zwei Jahre ausgeschieden ist", so Christian Riefers, Internet-Analyst der Privatbank Delbrück, "blicken die verbleibenden starken Firmen zuversichtlicher nach vorn."

Das Team von Merrill Lynch rechnet damit, dass Firmen wie E-Bay, Amazon oder Yahoo die allgemeinen Umsatz-Hochrechnungen der Analysten noch übertreffen dürften. Und die Merrill-Analysten sind in Sachen Internet keineswegs mehr so blauäugig wie noch zu den Zeiten, als Henry Blodget, prominenter Web-Optimist, bei dem US-Broker an Bord war.

Noch hat sich die weltweite Investoren-Gemeinde nicht richtig auf Internet-Werte eingeschworen. Im Gegenteil: "Nachdem sich zahlreiche Analysten mit den Papieren dieser Branche die Finger verbrannten, sind Kaufempfehlungen Mangelware geworden", erklärt Riefers. "Zudem haben zahlreiche Short Seller Internet-Stocks seit Monaten immer wieder auf der Abschussliste, sorgen also für Kursdruck."

Genau das aber erklärt den unerwartet starken Kursschub einer Aktie wie Amazon: Als die überraschend positiven Zahlen herauskamen, gerieten viele Web-Pessimisten in Zugzwang. Professionelle Investoren begannen, ihre schwache Position in Sachen Internet-Aktien zu überdenken. Leerverkäufer und andere Kursdrücker wurden zunehmend gezwungen, ihre zuvor auf den Markt geworfenen Internet-Aktien zurückzukaufen, um nicht plötzlich selbst von einem Anstieg der Web-Stocks auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Dennoch - ungefilterte Euphorie ist nicht angebracht. "Wir müssen aufpassen, dass die Erwartungen nicht wieder in den Himmel wachsen", warnt Amazon-Boss Jeff Bezos, der für das laufende Jahr mit nur einem leichten Umsatzwachstum rechnet. Eine Skepsis, die der Wiederbelebung der Spezies Internet-Aktie nur gut tut. Denn damit laufen die Papiere niemandem davon, bieten aber strategischen Investoren immer wieder interessante Möglichkeiten zum Nachfassen.

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