Neustart ins Jahr 2001
Mit der richtigen Branchenmischung profitieren

Die Odyssee an den Aktienmärkten dürfte im kommenden Jahr in ruhigere Gefilde führen.

nac/pbs FRANKFURT. Zurück in die Zukunft - so scheint das Leitmotiv für die Aktienstrategie im Jahr 2001 zu lauten. Zwar rechnen Experten damit, dass zumindest Anfang des kommenden Jahres weiterhin Kapital in eher traditionelle Branchen wie beispielsweise Pharma und Versorger fließt. Irgendwann im Jahr 2001 soll sie dann aber kommen, die lang ersehnte Wiederkehr der arg geprügelten Technologiewerte.

Besonders gute Aussichten werden Unternehmen bescheinigt, die das weltweite Datennetz schneller und leistungsfähiger machen. "Viele Werte aus diesem Bereich sind zu Unrecht unter die Räder gekommen", sagt Fondsmanager Klaus Hagedorn von Metzler Investment. Gute Chancen räumen Anlageprofis außerdem Telekomausrüstern und Datensicherern ein.

High-Tech-Freunde, die den alten Glanz der TMT-Titel wieder herbeisehnen, sollten aber nicht vergessen, dass 2001 am Aktienmarkt neue Rahmenbedingungen gelten. Wichtiger Unterschied gegenüber diesem Jahr: die konjunkturelle Abkühlung. Volkswirte erwarten, dass das Wirtschaftswachstum im kommenden Jahr weltweit zurückgehen wird. Allerdings gehen sie fast ausnahmslos davon aus, dass die Konjunktur in den USA zu einer so genannten sanften Landung ansetzen wird - das Wachstum verlangsamt sich zwar, bricht aber nicht dramatisch zusammen. Reinhold Knaus, Leiter des volkswirtschaftlichen Research bei Metzler Asset Management, rechnet damit, dass die Wirtschaft in Euroland 2001 um 3,2 Prozent wachsen wird. Für die USA prognostiziert er dagegen nur drei Prozent.

Die Prognosen für die wichtigsten Aktienindizes lassen auf ein eher mittelmäßiges Börsenjahr schließen: Die Fondsgesellschaft Union Investment sieht den Deutschen Aktienindex (Dax) Ende 2001 bei gerade einmal 7 000 Punkten. Optimistischer zeigt sich die Konkurrentin Invesco, die immerhin von 7 800 Zählern ausgeht.

Mit welcher Strategie lässt sich in diesem Umfeld Geld an der Börse verdienen? Zu den Verlierern einer sich abschwächenden Konjunktur zählt grundsätzlich die Automobilbranche. Als relativ resistent gegen eine flaue Entwicklung des Wirtschaftswachstums gelten hingegen die Titel der Versorger und Energieversorger. Die profitierten jedoch bis zuletzt vom hohen Ölpreis, den nicht nur Keith Wade, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Schroders Investment, 2001 auf deutlich niedrigem Niveau erwartet. Vor disem Hintergrund ist ein weiterer Kursanstieg kaum realistisch.

Plum Shipton, Aktienstrategin bei Merrill Lynch, erwartet für das kommende Jahr zwei unterschiedliche Phasen. Für die erste Jahreshälfte 2001 zeichnet sie ein eher düsteres Bild: Die Unternehmensgewinne dürften ihrer Ansicht nach weiter sinken. In diesem Umfeld rät die Merrill Lynch-Strategin, defensive Aktien zu kaufen. Zu diesen zählt Shipton Nahrungsmittel- und Getränkehersteller, Tabakkonzerne und Finanztitel. Diese defensiven Branchen stehen auch bei der US-Investmentbank Goldman Sachs und bei Fondsmangern wie Michael Fraikin von Invesco hoch im Kurs.

Im zweiten Halbjahr könne dann die Stunde der Technologiewerte schlagen. Die Initialzündung dazu dürften Leitzinssenkungen sowohl der US-Notenbank Fed als auch der Europäischen Zentralbank liefern, sagt Shipton. Nokia und ST Microelectronics nennt die Strategin dann als mögliche Favoriten.

Wenn die Technologietitel wieder zur Erholung ansetzen, sollten Anleger ihr Geld schleunigst aus den defensiven Branchen abziehen. Es gibt kaum Fondsmanager, die nicht in den Startlöchern stehen, um auf Tech-Titel aufzuspringen, sobald sich der Markt dreht. Wenn sie ihre Millionen-Porfolios umstrukturieren und Geld aus den defensiven Branchen abziehen, ist deren Rolle als sicherer Hafen vorbei. Kursverluste dürften dann die Folge sein.

Wer sein privates Porfolio geschickt strukturiert, kann mögliche Kursaufschwünge bei den Technologietiteln mitnehmen und gleichzeitig Stabilität durch defensive Aktien erreichen. Den Schlüssel zum Erfolg dieser Strategie sieht Monika Kuhn, zuständig für quantitative Analysen in der Anlagestrategie Privatkunden der Deutschen Bank, in der geringen Korrelation zwischen verschiedenen Branchen. So besteht zwischen der Pharma- und der Technologie- oder Medienbranche nur eine sehr niedrige Abhängigkeit. Überhaupt korreliere der Bereich Pharma kaum mit anderen Sektoren, sagt Kuhn. Enger miteinander verknüpft seien dagegen beispielsweise die Medien- und Technologieaktien.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die auf Daten der vergangenen acht Jahre zurückgreift. Hierzu wurden die Korrelationen von allen 18 Branchen des Dow-Jones-Stoxx-Index auf Monatsendbasis berechnet. Die optimale Branchenaufteilung ist dann erreicht, wenn ein gutes Ertrags-Risiko-Verhältnis gefunden wurde. Daraus ergibt sich aus ihrer Sicht folgende Branchenstruktur: Pharma und Gesundheit (Anteil 50 Prozent), Telekommunikation (15 Prozent), Medien und Technologie (jeweils neun Prozent). Diese Aufteilung sei für vorsichtige, langfristig orientierte Anleger geeignet, sagt Kuhn. Die Höhe der jeweiligen Aktienkurse sei allerdings nicht mit in die Bewertung eingeflossen, was die Aussage relativiert. Denn viele Analysten weisen darauf hin, dass einige Pharmatitel bereits Jahreshöchststände erreicht haben.



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