Neutralität oberstes Gebot: Medien bereiten sich auf Kriegsfall vor

Neutralität oberstes Gebot
Medien bereiten sich auf Kriegsfall vor

Nicht nur die politischen Entscheidungsträger bereiten sich auf einen drohenden Krieg im Irak vor, auch in den Nachrichtenredaktionen werden Einsatzpläne entworfen. Für den Fall einer bewaffneten Auseinandersetzung am Persischen Golf sitzen die Korrespondenten vieler Fernsehsender auf gepackten Koffern.

HB/dpa HAMBURG. Außerdem werden Visa organisiert, Hintergrundmaterialien gesichtet, Sendezeiten für den Ernstfall geplant und die notwendigen Kontakte mit Informanten vor Ort geknüpft. Und alle Verantwortlichen bei den Sendern haben Lehren aus dem ersten Golfkrieg 1991 gezogen: Neutralität und Objektivität sind das oberste Gebot. Den Vorwurf, einseitig auf der Basis von Informationen amerikanischer Militärs zu berichten, will sich keiner mehr machen lassen.

"Damals haben wir sicher noch mangels Erfahrung zu unreflektiert berichtet", sagt Wolfgang Utz vom Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart, der für die Berichterstattung aus dem Nahen und Mittleren Osten für alle ARD-Anstalten, inklusive Hörfunk, zuständig ist. ZDF und ARD planen daher Kooperationen nicht nur mit amerikanischen Medien wie CNN, sondern auch mit dem arabischen Fernsehsender El Dschasira. "Vor allem müssen wir immer deutlich machen, woher die Bilder stammen und in welchem Zusammenhang sie entstanden sind", betont Utz. Fehlende "Quellenhinweise" bezeichnet Matthias Fornoff, Chef vom Dienst beim ZDF, als "wichtigstes Versäumnis im ersten Golfkrieg". "Jede Seite versucht sicher, uns als Medien zu instrumentalisieren", befürchtet auch Michael Wulf, Nachrichtenchef beim Privatsender RTL.

Die öffentlich-rechtlichen Sender, die zu normalen Zeiten ständige Redaktionen in Kairo, Teheran und Tel Aviv unterhalten, haben bereits einen Korrespondenten samt Kamerateam vor Ort in Bagdad. Für den Irak werde in der Regel nur ein Visum pro Fernsehsender erteilt. "Probleme macht auch die irakische Botschaft in Deutschland, die unsere Berichte auswertet und sich dann beschwert", beobachtet Utz. Seit einigen Tagen berichten außerdem SWR - und ZDF-Kollegen aus den Anrainern Kuwait und Jordanien sowie aus Katar, wo die US-Truppen ihr Hauptquartier haben. Auch der Nachrichtensender Phoenix wird von ARD und ZDF beliefert. "Wir müssen von Tag zu Tag entscheiden, ob wir das weiter so bereithalten", sagt Fornoff.

Die Privatsender wollen erst dann ihre Teams vor Ort verstärken, wenn sich die Anzeichen für einen Waffengang mehren. Um sich Bilder und Informationen zu sichern, will RTL mehr als die Öffentlich- Rechtlichen CNN und El Dschasira nutzen. SAT.1 stützt sich vor allem auf das Bildmaterial von Nachrichtenagenturen. "Davon erhoffen wir uns größtmögliche Neutralität", erläutert Unternehmenssprecherin Kristine Faßler. Neben Bagdad sind auch für die Privatsender Kuwait und Katar die wichtigsten Stationen. SAT.1 kooperiert außerdem mit Pro 7, N24 und Kabel 1. RTL, dessen Chefmoderator Peter Kloeppel bereits live aus dem Irak berichtet hat, ist weiterhin in Bagdad vertreten; weitere Korrespondenten könnten in die Region folgen. Der Sender arbeitet mit dem Nachrichtenkanal n-tv zusammen.

Alle Redaktionen betonen, dass es keinen "Wettlauf um Bilder" geben soll. "Die Sicherheit unserer Mitarbeiter steht ganz oben", erläutert Utz. Die Anstalten haben ihre Kollegen auch auf speziellen Seminaren für Kriegsreporter und von der Bundeswehr schulen lassen. "Kein Kollege ist gegen seinen Willen vor Ort", betont Fornoff. Erfahrungen in Krisengebieten sowie Orts- und Sprachkenntnis sind für alle Nachrichtenchefs die wichtigsten Einsatzkriterien. Und auch der Deutsche Journalisten-Verband warnt davor, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen. Der Kontakt zur Heimatredaktion und zu internationalen Hilfsorganisationen sei im Notfall überlebenswichtig.

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