Neuville erzielt drei Tore
Bayer-Torfabrik auf vollen Touren

Während Bayern München strauchelte, feierte Bayer Leverkusen seinen siebten Sieg in Serie - und zwar auf sehr überzeugende Weise. In dieser Form ist das Team Meisterschaftsfavorit.

Auch nach dem Abpfiff war Jörg Butt ganz Profi. Als der Torwart der Leverkusener noch kurz einige Worte in die ZDF-Kamera sprechen sollte, blickte er sich kurz um und bat schließlich die Fernsehleute, ihre Kamera zu drehen. So konnte Butt die Wand mit den Sponsorenlogos ins rechte Bild rücken. "Die Doppelbelastung von Bundesliga und Champions League, von der immer so viel geredet würde, ist gar nicht so wild, wenn man erfolgreich spielt", meinte der Ex-Hamburger dann zum verdienten und unterhaltsamen 4:1-Sieg seines neuen Arbeitgebers.

Und erfolgreich spielen sie in den vergangen Wochen, die Leverkusener. In 14 Ligaspielen haben sie nun elf Mal, zuletzt sieben Mal in Folge, gewonnen und drei Mal unentschieden gespielt. Dabei erzielten sie mit 37 Treffern mit Abstand die meisten Tore der Liga. Auch die neue Situation am Samstag, nicht mehr als Bayern-Jäger, sondern als Gejagter ein Spiel zu beginnen, meisterte das Team. "Ob man nun Erster oder knapp Zweiter ist, ist egal", sagte Butt salopp.

Und recht hatte er. Zum fünften Mal hintereinander lag seine Truppe hinten (Albertz, 7. Minute), um dann doch noch leicht und locker zu gewinnen. Business as usual in der BayArena. Da mögen die HSV-Fans den Bayer-Stars in der Vorweihnachtszeit das Liedchen "Ihr werdet nie Deutscher Meister, nie Deutscher Meister" singen und Bayern-Keeper Oliver Kahn aus dem Süden der Fußball-Republik trotzig tönen: "Im Endeffekt läuft's doch so wie immer: Am 34. Spieltag werden wir Meister sein". Diese Saison könnte es wirklich anders kommen: In dieser Form und mit dieser Mannschaft ist die Bayer Fußball GmbH der Top-Favorit auf den Titel. Dank des Bayern 0-0 gegen Nürnberg hat nun der "Ewige Zweite" vier Punkte Vorsprung auf den "Ewigen Meister".

Leverkusens Spieler des Tages war Oliver Neuville. Der 28-jährige Nationalspieler schoss drei Tore (27., 59. und 63. Minute) - jedes Mal nach Vorarbeit des überragenden Ze Roberto - und bereitete den Ausgleichstreffer von Michael Ballack (14. Minute) vor. Kaum verwunderlich, dass sein Trainer Klaus Toppmöller ihn nach dem Spiel überschwänglich lobte: "Er ist sehr schnell, sehr trickreich und wurde heute für sein wunderbares Spiel mit drei Toren belohnt." Vor allem traue sich Neuville nun mehr zu und suche auch die Eins-gegen-Eins-Situationen. Dies habe ihm bislang zum absoluten Weltklassestürmer gefehlt.

In der Tat scheint der Neun-Millionen-Mann, der zu Saisonbeginn nur als Vorbereiter glänzte, nun selbstbewusster und abgeklärter im Abschluss aufzutreten. Sein Tor im WM-Qualifikationsspiel gegen die Ukraine hat ihm augenscheinlich gut getan. Neuville selbst bedankte sich zudem bei seinem Mannschaftskollege Ulf Kirsten, denn der habe ihm im Spiel gegen 1860 München Ende Oktober einen Elfmeter überlassen. Das würde ihn weiterbringen, so Kirsten damals. "Und er Recht behalten", stellte Neuville nun zufrieden fest. Auf die Frage, ob seine Mannschaft nun tatsächlich das stärkste Team der Liga sei, meinte er lakonisch: "Wenn man auf die Tabelle blickt - ja." Dann erinnerte der Stürmer jedoch an die Saison 1999/2000. Damals glaubte man, die Bayern abgehängt zu haben, und sei "am Ende doch noch auf die Nase gefallen".

Aber ihren momentan Schwung wollen die Leverkusener möglichst lange ausnutzen. "Bei uns passt momentan alles: Nicht nur unsere Leistungen, sondern auch die Unterstützung durch die Fans", konstatierte Abwehrchef Jens Nowotny. Sogar bis zu einer La-Ola-Welle konnte sich da Leverkusener Publikum, sonst nicht berühmt für seinen Enthusiasmus, durchringen. "Im Moment wollen wir alle gemeinsam nur das eine", fuhr Nowotny fort. Doch was er nun mit diesem "Einen" genau meinte, erläuterte der Kapitän nicht weiter. Nowotny ärgerte sich nur darüber, "etwas kopflos" begonnen zu haben. In der Tat war fast jeder der wenigen Hamburger Angriff in der ersten Halbzeit gefährlich. "Doch wir sind wieder mal zurückgekommen".

In der zweiten Halbzeit spielte Leverkusen Katz und Maus mit seinem Gegner. Toppmöller fand, dass seine Elf frischer war als in den Wochen zuvor. "Den Ausfall des Spiels in Turin hat man der Mannschaft angesehen". Der HSV sei mit nur vier eingeschenkten Treffern gut bedient gewesen.

Nach dem überzeugenden Auftritt in der Bundesliga soll nun auch auf internationaler Ebene das Image verbessert werden. "Wir fahren optimistisch nach Turin, um dort am Mittwoch einen Punkt zu holen". Auf die Frage, ob denn nun Turin mehr Respekt vor den Leverkusener habe als umgekehrt, antwortete Toppmöller: "Die italienische Presse hat nur so viel berichtet, dass wir in dieser Gruppe teilnehmen dürfen." Für die Turiner sei es selbstverständlich, dass sie gewinnen. "Aber da haben wir etwas dagegen."

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