"New Energy"
Geht den Wind-Aktien die Luft aus?

Als die Internet-Euphorie an der Börse ihrem Ende zuging, war "New Energie" das Zauberwort. Windkraft-Werte durften in keinem Depot fehlen. Heute sind die einstigen Lieblinge weit von ihren einstigen Höchstkursen entfernt. Wer einsteigen will, sollte vor allem auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle schauen.

Windkraft-Unternehmen gibt es nicht. Hinter dem Begriff stecken ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle. Windpark-Projektierer errichten Parks und verkaufen sie dann an Betreibergesellschaften. Energiekontor, Plambeck Neue Energien , P&T Technologie und Umweltkontor, allesamt am Neuen Markt gehandelt, arbeiten so und galten deshalb bis vor kurzem als besonders vielversprechend.

Das Geschäft versprach schließlich ein geringes Risiko: Das Einspeisegesetz für Erneuerbare Energien (EEG) von April 2000 garantiert feste Preise und die Abnahme. Das schafft Bedingungen, die sich jeder Produzent egal welcher Ware wünscht. Außerdem heizte die Vorstellung riesiger Anlagen auf hoher See die Phantasien von Unternehmern und Anlegern lange Zeit an.

Doch die technischen Anforderungen für solche Offshore-Windparks sind gewaltig. Inzwischen rechnen Experten frühestens 2005 mit den ersten Anlagen vor der deutschen Nordseeküste. Weil die windigsten Flächen in Deutschland zugebaut sind, weichen die Projektierer unterdessen auf ruhigere Gebiete aus. Ein Risiko - das bekam Energiekontor Anfang des Jahres zu spüren: Die Bremer mussten einräumen, dass einige ihrer Windparks nicht die versprochene Rendite erzielt haben. Der Aktienkurs von Energiekontor rutschte anschließend kurzfristig unter den Emissionspreis und zog die anderen Projektierer mit in die Tiefe.

Energiekontor weiterhin der Favorit der Analysten

Inzwischen steht fest, dass Energiekontor mindestens einen der drei problematischen Parks von den Investoren zurückkaufen wird. Analysten werten diesen Schritt positiv - vor allem für das Anleger-Vertrauen. Ohnehin ist Energiekontor weiterhin der Favorit der Analysten. Grund dafür sind vor allem die gute Auftragslage und die Aktivitäten im Ausland - Energiekontor betreibt Projekte in Griechenland, Spanien und Portugal.

Damit ist Energiekontor bei der Umsetzung von Auslands-Aaktivitäten seiner Konkurrenz weit voraus. Denn die steckt noch in der Planungsphase: P&T Technology will vor der polnischen Küste einen Park bauen, Umweltkontor beteiligt sich an einer Anlage in Spanien. Plambeck dagegen ist im Ausland noch nicht präsent.

In letzter Zeit werden Anleger aber auch auf ein anderes Geschäftsmodell aufmerksam: Unternehmen, die Windparks bauen und sie nach der Fertigstellung auch selbst betreiben. Konstante Umsätze entstehen so vor allem aus dem Verkauf des Stroms - und sie sind wegen der festgeschriebenen Preise gut zu planen. Der Nachteil: Wenn die Anlagen im Vermögen der Betreiber bleiben, binden sie viel Kapital.

Wind 7 plant den Börsengang

Die Bonner Windwelt ist das einzige börsennotierte Unternehmen mit diesem Konzept. Außerhalb der Börse können sich Anleger an Aktien der Wind 7 aus Eckernförde beteiligen. Für die zweite Jahreshälfte haben die Norddeutschen den Gang an die Börse angekündigt. Unabhängig davon, so kündigte Vorstand Dirk Jesaitis an, werde man schon für dieses Jahr Gewinne einfahren.

Ein Unternehmen der Wind-Branche war es auch, dass Ende März nach acht Monaten Flaute als erstes den Sprung an den Neuen Markt wagte: die Hamburger Repower Systems AG. Leicht über dem Ausgabe-Preis von 42 Euro gestartet, konnte der Newcomer dem Abwärtssog am Neuen Markt im ersten Monat aber nicht lange widerstehen.

Dabei setzt der Börsenneuling auf ein vielversprechendes Konzept. Ähnlich wie die dänischen Turbinen-Produzenten Vestas und NEG Micon ist Repower ein reiner Maschinenbauer und liefert Windräder und Zubehör. Größter Konkurrent in Deutschland ist die Nordex AG, die Analysten vor allem für ihre Auslandsaktivitäten schätzen. Der Vorteil der Zulieferer: Sie verdienen am Wachstum der Branche - egal ob der Wind weht oder nicht.

Und das Wachstum der Branche scheint ungebremst. Die WestLB Panmure geht davon aus, dass bis 2020 die Windenergie einen Anteil von 6,1 Prozent an der weltweiten Energieversorgungen haben wird. Das bedeutet, dass der Markt für Windkraft gemessen an der Leistung im Jahr durchschnittlich um 15, 9 Prozent wachsen wird.

Deutsche Unternehmen, die davon profitieren wollen, müssen allerdings vor allem eines: ins Ausland expandieren. Denn in Deutschland ist das Potenzial Experten zufolge weithin ausgeschöpft.

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