New Yorker Börsenwoche
Inside Wall Street: Leseschwäche bei CEOs

An der Wall Street sorgt ein Artikel aus der aktuellen Ausgabe von "Fortune" für Aufsehen. Es geht um Leseschwäche - bei CEOs. Tatsächlich outen sich führende Köpfe der US-Wirtschaft wie Charles Schwab, Richard Branson und John Chambers. Viele haben ihre Schwierigkeiten überwunden, manche ringen immer noch um jedes Wort. Am Markt scheint es unterdessen weniger um Buchstaben und Worte zu gehen, als vielmehr darum, dass weder Analysten noch Anleger die Zeichen der Zeit lesen können. Prognosen werden erhöht und gesenkt, die Tech-Wende herbeiredet und negiert.

 

NEW YORK. Glücklich ist nun, wer am Mittwoch Geld in High-Tech-Aktien steckte und es am Donnerstag wieder abzog. Pech hat, wer aus den Cisco-Zahlen eine Trendwende, einen Aufschwung lesen wollte und auf weitere Gewinne pokerte. Sicher, einige Investoren hatten genau darauf gesetzt, doch war wohl der Wunsch Vater des Gedanken, und das führt an der Börse bekanntlich zu nichts. Am Freitag setzen die Indizes ihre Talfahrt fort, der stolze Dow ist unter die 10.000-Punkte-Marke geknickt, die Nasdaq gibt schon wieder 2,5 % ab - quod erat demonstrantum.

Ansonsten ist es ruhig auf dem Parkett. Mehr Händler als sonst stehen vor dem Gebäude 11 Wall Street in der Frühlingssonne und genießen "die Zigarette danach" ... nach dem Tech-Run. Doch es sind nicht nur die Strahlen der Mittagssonne, die gute Laune machen, es ist auch die Aussicht auf eine wenig hektische Woche. Weitere Zahlen aus dem High-Tech-Bereich dürften den Abwärtstrend der Nasdaq fortsetzen. Für die meisten Analysten steht Cisco-Konkurrent Network Appliances auf der Abschussliste. Für die Software-Schmiede BEA Systems stehen laut Expertenmeinung weitere Gewinneinbußen an, und der Chip-Hersteller Applied Materials soll einen Aufschwung erst in der zweiten Jahreshälfte sehen. Damit dürfte für weitere Verluste geflaggt sein.

Unterdessen sollten Anleger nicht vergessen, dass nicht nur die Tech-Aktien in Schwierigkeiten stecken. Am Freitag müssen erneut alle Sektoren Federn lassen - mit Ausnahme von Öl, Energie und Gold. Telekomwerte fallen weiter nahezu bodenlos, und Schuld daran ist nicht nur Worldcom, sondern eine allgemeine Schwäche in einem wenig investmentfreudigen Sektor, der in seinem selbstverschuldeten Konkurrenzdruck erstickt. Auch Airline-Aktien gehören zu den schwächsten im Handel, nachdem US Airways an Gläubigerschutz denkt. Biotech- und Pharmawerte stehen zum Wochenschluss auch nicht besser da, lediglich einige Konsumwerte notieren mit Gewinnen. Investitionen in Wachstumswerte dürften sich auch in der nächsten Woche nicht auszahlen. Das ist eigentlich klar - wenn man lesen kann.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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