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"News-Duschen" funktionieren mobil nicht

Nachrichtenmedien erfüllen eine unersetzliche Aufgabe. Aber ist sie auch so wichtig, dass ich immer und überall davon verfolgt werden muss? Raus aus der News-Dusche! - fordert Stephan Sempert. Müssen wir jetzt ein Hilfsfond für in Not geratene Nachrichten gründen? Aber nicht doch. Denn jeder braucht nur seinen eigenen Duschkopf, beruhigt Olaf Deininger.

Raus aus der News-Dusche! - fordert Stephan Sempert

Geht es Ihnen nicht auch so, dass Sie sich nach dem morgendlichen Blick in Ihr e-Mail-Postfach in eine Zeit zurückwünschen, als der Versand von Nachrichten noch mit exorbitanten Kosten verbunden war? Und der Absender sich entsprechend Gedanken machte, ob es denn wirklich Not tut sich mitzuteilen? Die Redseligkeit des Menschen ist offensichtlich wesentlich größer als seine Fähigkeit, die derart verbreiteten Neuigkeiten auch zu verarbeiten. Ein Trost, dass das geschwätzigste aller Medien - ich rede vom Radio - von den Rundfunksteuern einmal abgesehen ohne weitere Kosten ins Haus kommt.

Oder besser gesagt ins Auto. Womit wir endlich beim Thema wären: Nachrichten als Mobile Multimedia Anwendung. Wer einen Blick in die Verzeichnisse der Angebote Mobiler Multimedia Portale wirft, der findet dort vor allem: Nachrichten. Nachrichten aus der Welt der Wirtschaft, des Sports, Klatsch & Tratsch. Kurz: eine breite Auswahl aus etwa all dessen, was auch dem Radioredakteur vorliegt, wenn er seine Nachrichtensendung vorbereitet. Und das soll ich mir alles für teuer Geld herunterladen?

Ah, ich höre es schon, das Beispiel von dem gestressten Investmentbanker, der seine anspruchsvollen Kunden (die sich scheinbar kein Mobile Multimedia Handy leisten können oder wollen) mit einer aktuellen Nachricht beglückt und sich auf diese Weise den milliardenschweren Deal schnappt. Aber mal im Ernst: Ist das eine Massenanwendung? Oder sind wir Normalsterbliche nicht zufrieden, wenn der Radioredakteur seine Arbeit getan hat und wir das Wichtigste nach dem Meeting im Autoradio zu hören bekommen? Ich finde, es wird Zeit, dass sich die Content-Anbieter einmal anfangen Gedanken zu machen, was sie außer schieren Nachrichten denn noch im Angebot haben. Oder soll ich mir als erwachsener Mensch ein i-Mode Handy anschaffen, damit ich mir polyphone Klingeltöne herunterladen kann?

Jeder braucht nur seinen eigenen Duschkopf, beruhigt Olaf Deininger

Nein, die Meldung ist unschuldig. Sie kann nichts dafür, dass sie uns Tag und Nacht und meistens zur unpassendsten Zeit verfolgt. Dafür ist sie geschrieben. Sie ist nur wenig intelligent. Ich meine nicht das, was darin steht. Nein, das wurde von gut ausgebildeten, hochkompetenten und meist überdurchschnittlich intelligenten Redakteuren recherchiert, überprüft, verfasst, überarbeitet, korrigiert, editiert und schließlich publiziert. Das ist in Ordnung. Und die Meldung kann nicht anders, als möglichst schnell an ihre Empfänger zu eilen. Zu mehr fehlt ihr aber der Grips.

Beispielsweise genau in dem Augenblick zur Verfügung zu stehen, wenn wir sie brauchen. Oder genau an diesem Ort, wo wir sie brauchen. Ein Beispiel: Sie sind auf dem Weg ins Meeting mit einem neuen Partner-Unternehmen. Und weil der Kleine heute morgen zuerst das Frühstück auf ihrer Kravatte verteilte, dann seine Hose im Keller versteckte und schließlich vor dem Kindergarten, ihren Wagen nicht verlassen wollte, konnten Sie keine Information über diese Company zu sich nehmen - vom Kaffee ganz zu schweigen. Wäre doch praktisch, wenn Sie sich nun die letzten vier, acht, zwölf Meldungen über diese Firma am Handy oder PDA studieren könnten, den Lebenslauf ihres Gesprächspartners oder ganz simpel den Aktienkurs? Überzogenes Beispiel? Jedenfalls habe ich mehr unvorbereitete Meeting-Teilnehmer im meinem Leben erlebt als vorbereitete.

Nein, die Meldung selbst ist unschuldig, sie muss nur soweit veredelt werden, damit sie sich in unseren Kontext einfügen kann. Das Angebot passt schon, entscheidend ist, was man daraus macht. Die News muss lernen, bei wem sie passt, wann sie passt und wo sie passt. Denn der Nutzen einer Meldung verändert sich je nachdem, wann und wo ich sie bekomme ... Und dabei helfen Georeferenzierug, Metatext, Schemas und Time Based-Content. Kurz: eine höhere technische Intelligenz.

Und die meisten Verleger und Verlagsgeschäftsführer wissen auch, dass es nichts nützt, dicke Pipelines zu legen, die massenweise redundate News in die mobilen Netze schnorcheln. Müssen wir also einen Hilfsfond für die in Bedrängnis geratene Newsmeldungen gründen? Eigentlich nicht ...

Schreiben Sie den Autoren: olaf.deininger@mediaone-hh.de Stephan@Sempert.net

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