NFL-Chef Tagliabue will die Europaliga aufstocken – Sponsoren investieren mehr
Unerwarteter Erfolg für die fliegenden Eier

Am Wochenende schaut der NFL-Chef, mächtigster Mann im US-Sport, nach Deutschland: Dort starten die Vorzeigeteams Europas in die neue Saison - zur Freude der Sponsoren.

DÜSSELDORF. Schön war es nicht, was sich vor elf Jahren am 23. März im Frankfurter Waldstadion abspielte. Auch nicht spannend. Und bei kühlem Wetter wenig angenehm. Doch es war der Start eines Unternehmens, das sich vom wackeligen Versuch eines US-Sports, in Europa Fuß zu fassen, zu einer Institution entwickelte: der NFL Europe.

Damals in Frankfurt hieß das Tochterunternehmen der amerikanischen National Football League (NFL) noch World League und bestand aus sieben US- und drei europäischen Teams. Das Eröffnungsspiel zwischen der Frankfurt Galaxy und den London Monarchs gereichte dem Anlass nicht zur Ehre: ein grottenschlechtes Spiel vor 23 000 Zuschauern, die mit der Mischung aus Sport und Party noch nichts Rechtes anfangen konnten.

"Damals hätten wir nicht gedacht, welche Fortschritte wir bis heute machen, und dass die Liga solch eine Qualität bekommen würde, dass wir sie NFL nennen können", erinnert sich Paul Tagliabue, Commissioner und damit Chef der Mutter NFL, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Am morgigen Samstag geht die 1991 aus der Taufe gehobene NFL Europe in ihre zehnte Saison, denn nach zwei Spielzeiten wurde die Liga vorübergehend ausgesetzt. Die US-Teams entschwanden, drei europäische kamen hinzu. "Wir haben damals das Potenzial des Fernsehens überschätzt", so Tagliabue.

Für solch ehrliche Sätze ist der gelernte Anwalt bekannt. Auch sonst entspricht er nicht dem Klischee des US-Sportmanagers: Floskeln sind seine Sache nicht, statt wolkige Versprechungen zu machen, spricht Tagliabue ruhig, fast bedächtig. 1989 übernahm er die NFL, damals eine gut laufende Liga, und machte sie zur absoluten Nummer eins unter den amerikanischen Sportarten - mit dem weitaus höchsten TV-Vertrag. "Tagliabue überragt alle anderen Sportmanager in der Fähigkeit der Ausübung von Macht", schrieb "The Sporting News". Und "Sports Illustrated" wählte ihn gar zum mächtigsten Mann des Sports überhaupt. Auch die Entwicklung der NFL Europe hat Tagliabue - gegen zahlreiche Bedenken - vorangetrieben. "Die Klub-Besitzer sehen jetzt, wie sehr sich Spieler in Europa steigern", sagt der Liga-Chef. Und immer wieder kursierende Gerüchte, die Liga würde eingestellt, sind verstummt.

Geht es um Geld, ist der Ex-Basketballspieler aber vorsichtig. Seine Prognose: "Das Pendel bei der Vermarktung von Sportrechten schwingt jetzt zurück. Wir sehen, dass die Entwicklung der Fernsehgelder ihren Höhepunkt überschritten hat." Und warum ist die NFL die Nummer eins? "Ich sehe das als Erfolg unseres Konzeptes, fast alle Spiele auf einen Tag, den Sonntag, zu konzentrieren." Die NFL Europe gerät allerdings in den Strudel der Kirch-Pleite: Die TV-Rechte für Deutschland liegen bei DSF, Premiere und Sat.1. "Die Folgen können wir derzeit nicht absehen", sagt Tagliabue.

Trotzdem basteln seine Leute an einer Liga-Erweiterung, in zwei Jahren könnte es so weit sein. Heißester Kandidat ist Madrid, um den kränkelnden Barcelona Dragons ein Derby zu verschaffen. Helfen soll den Drachen auch eine Kooperation mit dem Fußball-Erstligisten FC Barcelona: Drei Jahre lang wird die NFL Barca in Übersee vermarkten helfen, im Gegenzug dürfen sich die Dragons ein FC vor den Namen schreiben und im kleinen Stadion des Vereins spielen. In TV-Spots zeigt sich FC-Star Carlos Puyol außerdem im Football-Trikot. Tagliabue: "Die Partnerschaft ist ein großer Schritt vorwärts. Sie könnte ein Modell für die anderen Teams sein."

Vielleicht würde die Verbindung den anderen Sorgenkindern auf die Beine helfen: Die Scottish Claymores haben zwar treue aber zu wenige Fans, die Amsterdam Admirals locken nur rund 15 000 Zuschauer an. Auch die Fortschritte bei Berlin Thunder sind nicht so wie erwartet. Tagliabue gibt zu: "Ich wünschte, alle Teams wären so erfolgreich wie Düsseldorf und Frankfurt."

In diesen Städten macht eine Kooperation mit den Fußball-Klubs vor Ort zwecks Popularitätsgewinn wenig Sinn: Rhein Fire und Galaxy haben Fortuna und Eintracht auf der Beliebtheitsskala längst abgelöst.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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