Nia bedeutet auf Tswana „Glück“
Drei Kreuzbandrisse bis zum WM-Titel

Sie kam, sah - und Deutschland wurde Weltmeister: "Goldköpfchen" Nia Künzer erfüllte sich selbst und ihrer Mannschaft mit ihrem Tor in den USA einen Traum. Dabei hatte sie bis zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit noch auf der Bank schmoren müssen.

HB CARSON/USA. Sie ist, wie sie ist. Natürlich sei es "wahnsinnig", sei es "gigantisch", habe sie sich vielleicht ein "kleines Denkmal gesetzt", mit ihrem Golden Goal-Kopfballtreffer in der 98. Minute, durch das die deutschen Fußball-Frauen am Sonntag im kalifornischen Carson ihren ersten Weltmeistertitel erspielt haben. "Doch was soll's", sagt Nia Künzer, ohne in Euphorie zu verfallen: "Gewonnen hat die Mannschaft, da ist es doch egal, wer das Siegtor schießt". Das Wohl des Teams zählt - das Glück des Einzelnen ist für die vor der Abwehr agierende Spielführerin vom Deutschen Meister und Pokalsieger 1. FFC Frankfurt schon immer zweitrangig gewesen. Deshalb fügte sie sich auch klaglos, als Trainerin Tina Theune-Meyer sie zunächst auf die Bank setzte. Er in der 88. Minute durfte sie aufs Feld - und zahlte das späte Vertrauen der Trainerin mit dem alles entscheidenden Tor zurück.

Sich in die Gemeinschaft ein- und unterzuordnen, mit ihr Freud und Leid zu teilen, ist ihr schon in die Wiege gelegt worden, als sie vor 23 Jahren als Nia Tsholofelo in Botswana zur Welt kam. Ihre Eltern waren in Afrika seinerzeit als Entwicklungshelfer tätig. Der Vater im Verwaltungs-Management eines Krankenhauses, die Mutter als Pädagogin. Mit acht Geschwistern ist sie im Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Wetzlar aufgewachsen. Wobei nur ein Bruder ihr leiblicher war. Die drei anderen Jungs und vier Mädchen, die teilweise aus sozial geschädigten Familien stammten, hatten sich ihre Eltern angenommen.

Sie allesamt waren auch die ersten, die nach dem Erfolg ihre Glückwünsche auf der Mailbox ihres Handys hinterließen. Die Freude war auch deshalb unbeschreiblich groß, weil kaum einer damit gerechnet hatte, dass die Schwester noch einmal goldgeschmückt von einem WM-Championat heimkehren würde. Drei Kreuzbandrisse, zwei im linken, einer im rechten Knie - der erste mit 16, der zweite mit 18 Jahren, der dritte vor 15 Monaten - hatten sie mehrfach an den Rand der Verzweiflung gebracht. Nicht nur einmal glaubte sie, vor dem Karriere-Ende zu stehen. Doch so einfach aufgeben wollte sie nicht.

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