Nicht abgerechnete Großaufträge belasten Ergebnis
Babcock baut an Werftenverbund

Der Babcock-Konzern bleibt auch im laufenden Geschäftsjahr unter Druck. Um zu günstigeren Strukturen zu gelangen, will Babcock-Chef Klaus Lederer die Abhängigkeit vom Großanlagengeschäft verringern, den Marineschiffbau stärken und die Kosten um zwanzig Prozent senken.

kv/va DÜSSELDORF. Die Oberhausener Babcock Borsig AG schiebt den größten Auftragsbestand in der Geschichte vor sich her. Dabei leidet der in der Energietechnik und im Schiffbau tätige Konzern im Geschäftsjahr 2001/02 (30.9.) unter zu geringen Umsatz. Laut Vorstandschefs Klaus Lederer können die meisten Bestellungen erst in den Folgejahren abgerechnet werden. Dabei handelt es sich zumeist um Großaufträge. "Das operative Ergebnis wird in diesem Jahr allenfalls ausgeglichen sein", sagte Lederer.

Es sei zu früh, sich zu außerordentlichen Effekten zu äußern, die unter dem Strich eine Aufbesserung bringen würden. Eine Dividende werde für 2002 erneut nicht gezahlt. Für 2000/01 hatten außerordentliche Erträge das Geschäftsergebnis von minus 78 Mill. Euro auf 26 Mill. Euro verbessert. Analysten beurteilten die Nachrichten zurückhaltend. Der Kurs legte leicht zu.

Der Traditionskonzern versucht seit Jahren, wieder rentabel zu werden, nachdem Lederers Vorgänger die Expansion übertrieben hatten. Lederer will im Rahmen seines Sanierungsprogramms 1150 Arbeitsplätze abbauen. Dabei werde die Bewegungsfreiheit durch den hohen Finanzierungsbedarf und die Risiken im Großanlagenbau "stark eingeschränkt". Lederers Konsequenz: Babcock wird sich künftig nicht mehr als Generalunternehmer in der Kraftwerkstechnik betätigen, sondern nur noch Teile und Komponenten liefern. Um das Risiko zu mindern, will Lederer auch Partner in das Energietechnikgeschäft aufnehmen. Er schloss nicht aus, dass sich Babcock dabei auf eine Minderheitsposition zurückziehen könnte.

Vorrang habe der Ausbau des Geschäfts des U-Boot-Spezialisten Howaldtswerke Werft. -Deutsche So will Lederer die Beteiligung von jetzt 50 % plus eine Aktie auf 100 % aufstocken. Der Rest liegt bei der Preussag AG, die wiederum zu knapp 20 % an Babcock beteiligt ist.

In den Verhandlungen über die von der Bundesregierung gewünschte Zusammenarbeit aller deutschen Marine-Werften habe man eine Pause eingelegt, bestätigte Lederer. Geplant war eine Überkreuzbeteiligung mit der Thyssen-Krupp AG, die zwei Werften betreibt. Sollte eine Einigung hier nicht gelingen, sei auch die Bildung eines europäischen Marinekonzerns ohne Thyssen-Krupp vorstellbar. Auf jeden Fall solle dieser "europäische Werftenkonzern" bis Mitte des Jahres stehen - hierzu baut Babcock an Beteiligungen oder Kooperationen in mehreren Ländern.

Gelassen sieht Lederer offensichtlich den Einstieg des Amerikaners Guy Wyser-Pratte, der einen Anteil von gut 5 % aufgekauft hat. Bisher könne Wyser-Pratte weder "Einfluss auf die Konzernpolitik ausüben" noch sein Ziel erreichen, in den Aufsichtsrat einzuziehen.

Die Fertigung in den Berliner Borsig-Werken will Lederer bis zum Jahresende nach Spanien verlegen. Davon seien 150 der rund 350 Mitarbeiter betroffen, sagte er. Die spanische Regierung stellt dafür Subventionen von mehreren Hundert Mill. Euro in Aussicht, die von der EU genehmigt seien. Der Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi will den Stellenabbau bei Borsig verhindern und hat das Bundeswirtschaftsministerium alarmiert.

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