Nicht alle Anbieter werden überleben
Bislang buchen Geschäftsreisende kaum Billigflüge

Europas führender Vermittler von Geschäftsreisen TQ3 sieht für den erhofften Erfolg der Billigfluganbieter bei Unternehmen noch etliche Hindernisse.

>p>Reuters HANNOVER. "Wir merken ein verhaltenes Interesse bei den Unternehmen. Jeder möchte Vergleichsrechnungen haben. Gebucht wird aber bisher sehr, sehr wenig", sagte TQ3-Geschäftsführerin Ilona de March am Donnerstag im Reuters-Interview. Doch angesichts des Kostendrucks in den Unternehmen und der wachsenden Zahl von Billigfluglinien sei sie sicher, dass die so genannten Low Cost-Carrier binnen zwölf Monaten in Deutschland bei Geschäftsreisen eine wichtige Rolle spielen würden.

TQ3 stellt in Deutschland mit einem vermittelten Jahresumsatz von 2,2 Mrd. ? fast ein Drittel des gesamten Geschäftsreisemarktes. Das weltweit tätige Unternehmen gehört mehrheitlich dem Reisekonzern TUI, der mit Hapag-Lloyd-Express ebenfalls im Billigflug-Markt startet.

Die TQ3-Managerin verwies auf Erfahrungen in den USA mit dem Billigflugmarkt. Dort sei das Thema Low Cost schnell akzeptiert worden. In Deutschland gebe es noch Vorbehalte, die ausgeräumt werden müssten. "Es reicht nicht, einen Preis von 50 ? für eine bestimmte Strecke anzubieten, wenn dann im Hintergrund die Prozesse für ein Unternehmen bei der Abwicklung der Reise teurer werden. Dann geht die Rechnung nicht auf", sagte de March.

Wichtig seien für Geschäftsleute attraktive Flugzeiten, zentral gelegene Flughäfen und einfaches, kostengünstiges Umbuchen. Dies sei bisher kaum gegeben. "Wir sagen unseren Kunden ganz klar: Wenn ihr dieses Low Cost-Ticket bucht, ist es nicht mehr umbuchbar." Man müsse wissen, dass jedes Geschäftsreise-Ticket auf Grund sich ändernder Termine im Durchschnitt drei bis neun Mal umgebucht werde.

Außerdem bräuchten die Travel Manager der Unternehmen eine Datenauswertung zur Kontrolle der Reiseausgaben. "Mit der Internetbuchung ist das derzeit nicht möglich", sagte de March. Hier müsse noch ein zusätzlicher Vertriebsweg geschaffen werden.

Bisherige Vergleichsrechnungen zeigten, dass es natürlich attraktive Low-Cost-Flüge gebe. Ausschlaggebend sei oft der Wohnort des Kunden. Ein Vergleich zwischen einem Billigflug von Hahn in der Eifel, wo die irische Ryanair startet, nach Stansted bei London und einem Linienflug Frankfurt/Main-London sei auf den ersten Blick eindeutig. "Das Low Cost-Ticket kostet rund 240 ?, der günstigste Linienflug etwa 670 ?", sagte de March. Wenn der Kunde aber in Mannheim wohne, sei dieses Angebot für ihn schnell vom Tisch. "Wenn er nicht weiß, ob er den geplanten Rückflug schafft, weil das Meeting eventuell länger dauert, ist das Gespräch über dieses Angebot auch nach weiteren 20 Sekunden vorbei."

De March geht davon aus, dass Billigflug-Markt in Deutschland angesichts vieler neuer Anbieter kräftig in Bewegung gerät. Dass die von der Lufthansa-Beteiligung Eurowings geplante Germanwings, die belgische Virgin und die Tui-Tochter Hapag-Lloyd-Express vom Flughafen Köln/Bonn aus fliegen würden, sei interessant für Geschäftsreisende. "Aber notwendig wäre auch Frankfurt/Main. Wer da rein kommt, hat einen Riesenvorteil, hat aber höhere mehr Start- und Landegebühren."

Nicht alle Anbieter würden überleben, sagte de March. Mit wachsender Konkurrenz würden sich die Bedingungen der Angebote sicher ändern, zum Beispiel bei Umbuchungen. Eine exklusive Zusammenarbeit von TQ3, die bisher wichtiger Partner der Lufthansa ist, mit dem günstigen Billigflieger des eigenen TUI-Konzerns werde es voraussichtlich nicht geben, sagte de March. "Wir werden sicherlich Hapag-Lloyd-Express verkaufen, aber auch andere Low Cost-Carrier. Wir müssen nach den Bedürfnissen unserer Kunden gehen."

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