Nicht alle Experten glauben an Erfolg der Miet-Modelle
Mitarbeiter aus dem Netz

Miet-Software soll nun auch in Personalabteilungen Einzug halten - ein gewagtes Projekt.

Dynamisch sollen sie sein, die Bewerber, sich mit den neuesten Techniken bestens auskennen und gerne gleich online bewerben. Allerdings: Wenn sie es tun, hat es mit der schönen neuen Welt schnell sein Ende. Zwar wird das Internet inzwischen fleißig zur Suche neuer Mitarbeiter eingesetzt - doch das Potenzial des so genannten E-Recruitings ist damit lange nicht ausgeschöpft: In vielen Fällen bearbeiten Unternehmen elektronische Bewerbungen noch genauso wie früher.

"Da wird gescannt, gedruckt und ein Berg von Papier tagelang hin und her geschoben", weiß Christopher Funk, verantwortlich für die Produktentwicklung bei dem Online-Stellendienst Jobpilot. Statt sich um Rekrutierung, Personalentwicklung sowie Strategien zu kümmern, seien die Personaler vor allem mit der Verwaltung ihrer Papierstapel beschäftigt. Dem will die Jobbörse mit ihrem neuen Produkt "Jobpilot Workflow" abhelfen. Das als ASP-Lösung (Application Service Providing) auf Mietbasis im Internet angebotene Software-Paket erstellt und steuert Anforderungsprofile, bearbeitet die Antworten der Bewerber und koordiniert Bewerbungsgespräche.

Marktforscher sagen solchen Angeboten eine rosige Zukunft voraus. So rechnet Forrester Research alleine im US-Markt für ASP-Rekrutierungs-Software mit einer Verzehnfachung von 91 Mill. $ im vergangenen Jahr auf rund 1 Mrd. $ im Jahr 2005.

Digitales Personalmanagement

Peter Müller, Chef der europaweit aktiven Internet-Stellenbörse Jobscout 24, ist ebenfalls optimistisch. "Die Personalmanager konnten bisher kaum auf integrierte Business-to-Business-Lösungen im Internet zurück greifen", bemängelt er. Mit dem Arbeitgeber-Portal HRgate will Müller deshalb das Personalmanagement unterstützen - und für die umsatzschwachen Personalportale Einnahmequellen erschließen.

Das Programm bündelt vorhandene Informations- und Dienstleistungsangebote. Bisher gehören beispielsweise ein Rekrutierungs-Assistent, Gehaltsvergleiche, Seminar-Datenbanken, Hilfen zur Zeugniserstellung und zur Mitarbeiterbeurteilung zum Service. Auch Gehälter können online abgerechnet werden. Die Lizenzgebühr für die Nutzung richtet sich dabei nach der Zahl der Beschäftigten. Ein Betrieb mit weniger als 20 Mitarbeitern muss etwa mit 1 750 DM pro Halbjahr rechnen.

Das Geschäftsmodell setzt zusätzlich auf etliche Dienste, die einzeln abgerechnet werden. So etwa der Rekrutierungs-Assistent, dessen Nutzung jeweils 108 DM kostet. Durch den Einsatz eines Bewerber-Fragebogens entsteht für den Arbeitgeber eine Auswertung mit integrierten Grafiken, die für Vergleichbarkeit sorgen sollen. Ferner wird bei diesem Verfahren ein Gutachten erstellt, das einen Eindruck vom jeweiligen Bewerber vermitteln soll.

Elektronische Helfer

Für den Jobscout-Kunden Holger Widenmeyer, Bereichsleiter bei der Beratung Harald Balzer in Stuttgart, ist neben der Jobbörse vor allem der Zeugnisprofi interessant. Aus rund 4 000 Textbausteinen lässt sich damit ein Arbeitszeugnis zusammenstellen. "Das ist ansonsten eine sehr zeitraubende Angelegenheit", berichtet Widenmeyer.

Während heute die meisten Programme im reinen Online-Betrieb genutzt werden, will sich HRgate künftig auch als Application Service Provider betätigen und bis Ende des Jahres individuelle Miet-Software über das Internet zur Verfügung stellen.

Interessant ist das vor allem für kleinere Unternehmen, die vielleicht nicht einmal eine eigene Personalabteilung haben. Derweil hält die Unternehmensberatung KPMG den Einsatz dann für sinnvoll, wenn es im eigenen Hause nur wenige IT-Experten gebe und kein umfassendes Netzwerk. Zweifel seien jedoch angebracht bei der Integration in bestehende Personalsysteme, der individuellen Anpassung und wegen der Neuheit der Miet-Modelle, meinen die KPMG-Berater Markus Gronderad und Markus Reckenfeld: Was geschieht, wenn sich ein Kunde für APS entscheidet, das Angebot aber bald wieder eingestellt wird?

Erfolg der Miet-Modelle wird bezweifelt

Mit ihrem ASP-Ansatz konkurrieren Jobpilot und Co zudem mit etablierten Anbietern von Personal-Software wie der Düsseldorfer H.R. Management Software GmbH oder der W & R Informationssysteme AG in Köln, die ebenfalls verstärkt auf ASP setzen. Im Gegensatz zu den Online-Anbietern drängen sie aus Richtung der Software-Häuser auf den Markt und dürften im Regelfall ein größeres technisches Wissen haben.

Doch ob sich das Miet-Modell überhaupt etablieren kann - da herrscht Skepsis. Nach einer großen Anfangseuphorie mehren sich mittlerweile die kritischen Stimmen. "Ein großer Teil der Anbieter wird sich nicht halten können", erwartet beispielsweise die Unternehmensberatung Mummert + Partner. Auch die Berliner Marktforscher von Berlecon Research sagen: "ASP ist nur dann wirklich attraktiv, wenn es nicht nur Kostenvorteile bietet, sondern auch den hohen Ansprüchen an einen umfassenden Service und vor allem an ausgereifte Sicherheitskonzepte gerecht wird", unterstreicht Senior-Analystin Nicole Dufft - viel Arbeit für die neuen Dienstleister.


INTERNET-ADRESSEN

www.hrsoftware.de - Weiterer ASP-Dienst

www.personalsoftware.de - Kölner Anbieter

www.lohndirekt.de

- Lohn- und Gehaltsabrechnung direkt über das World Wide Web

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