Nicht alle Hersteller profitieren vom Umsatzboom der Branche
Nur wenige Spieleaktien liegen vorne

Die Entwickler von Videospielen rüsten sich für das Weihnachtsgeschäft. Von dem erwarteten Rekordumsatz profitieren aber nicht alle gleich: Die Kluft zwischen Electronic Arts und seinen Verfolgern wird größer.

FRANKFURT/M. Von Konsumzurückhaltung ist in der Branche für Videospiele nichts zu spüren: Steigende Unternehmensgewinne, dynamisches Marktwachstum, optimistische Analysten - bei den Herstellern von Spielen für Konsolen und den PC herrscht Goldgräberstimmung. "In Zeiten schwachen Konsums wird der Videospielsektor einer der wenigen lichten Punkte im Weihnachtsgeschäft sein", sagt Michael Pachtler, Analyst von Wedbush Morgan Securities.

Das britischen Marktforschungsunternehmen Strategy Analytics rechnet in einer aktuellen Studie mit einem Absatz von 69 Mill. Konsolen in diesem Jahr, das entspricht einem Zuwachs von 84 % gegenüber 2001. Davon profitieren auch die Spielehersteller, die im Weihnachtsquartal mehr als die Hälfte ihrer Jahresumsätze erzielen.

Kursanstieg vor Weihnachten hat Tradition

So kletterten in den vergangenen Tagen die Papiere von Take Two Interactive und dem alles überragenden Riesen Electronic Arts auf neue Allzeithochs. Die Konkurrenten Activision, THQ und Acclaim mussten zuletzt hingegen Federn lassen. Dabei hat ein Kursanstieg auf breiter Front in der Branche kurz vor dem Weihnachtsgeschäft eigentlich Tradition. Die Kursentwicklung reflektiert die Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft: Electronic Arts rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatz von 1,1 Mrd. Dollar. Das ist mehr als jedes Konkurrenzunternehmen im Gesamtjahr umsetzt. "Electronic Arts ist in allen Segmenten und Ländern mit einer starken Produktlinie vertreten", sagt Christoph Holowaty, Chefredakteur des Branchendiensts VCM. "Die übrigen Hersteller sind zu sehr von einem Spielegenre oder einer bestimmten Konsole abhängig."

"Die Branche konsolidiert", meint Mike Wallace, Analyst von UBS Warburg. "Kleinere Hersteller, die von ein oder zwei Spielen abhängig sind, geraten in Schwierigkeiten", sagt auch Jeetil Patel, Analyst von Deutsche Bank Securities. Obwohl Analysten in der Mehrzahl für den Sektor optimistisch gestimmt sind, sehen sie Risiken. "Die Produktionszyklen sind kurz. Der Absatz eines einzigen Spiels kann über den Erfolg eines Herstellers entscheiden", sagt UBS-Analyst Wallace. Eidos plc etwa konnte nie mehr an den durchschlagenden Erfolg des Tomb-Raider Spiels anknüpfen; die Aktie stürzte seit Ende 1999 um 92 Prozent ab. Auch bei Take Two Interactive spült ein Spiel (The Grand Theft Auto) den Löwenanteil von Umsatz und Gewinn in die Kassen. Die Bewertungen an der Börse spiegeln so auch die Erwartungen des Marktes an das Unternehmen wider, zukünftig Blockbuster-Spiele zu entwickeln. "20 Prozent der Spiele erwirtschaften 80 Prozent der Unternehmensumsätze, sagt UBS - Analyst Wallace. Die schnelleren Produktzyklen und die immer leistungsfähigeren Endgeräte haben zuem die Entwicklungskosten auf über 5 Millionen Euro je Spiel in die Höhe getrieben.

"An die Produktpipeline von Electronic Arts kommt in absehbarer Zeit niemand heran", sagt Branchenexperte Holowaty. Diese Marktposition hat an der Börse ihren Preis: Der Konzern bringt es beim aktuellen Kurs von 68 Dollar auf einen Börsenwert von 9,9 Mrd. Dollar, das entspricht dem viereinhalbfachen Jahresumsatz. Analysten rechnen für das im März 2003 endende Geschäftsjahr mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 34 und 28 für das folgende Jahr. Der Gewinn soll in den kommenden fünf Jahren um 25 % pro Jahr wachsen. Der Zweite Activision folgt mit einem Jahresumsatz von 870 Mill Dollar, 1,5 Mrd. Dollar Börsenwert und einem KGV 2002 von 17.

Die Branchenrisiken und die hohen Erwartungen des Marktes an das Weihnachtsgeschäft locken inzwischen verstärkt Leerverkäufer an, die auf fallende Kurse setzen. In den vergangenen Monaten ist die Anzahl der leer verkauften Aktien der Spielehersteller deutlich gestiegen - ein Warnsignal für Anleger. Bei Electronic Arts verdreifachte sich seit Jahresbeginn die Zahl der leer verkauften Aktien. Inzwischen sind von Electronic Arts und dem Branchenzweiten Activision jeweils 11 %, bei Take Two 20 % und bei THQ Interactive sogar 31 % der frei handelbaren Aktien leer verkauft.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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