"Nicht alles auf eine Karte setzen"
Telekomanleihen haben sich gut entwickelt

Mit vielen Anleihen von Telekomfirmen sind Investoren auf der relativ sicheren Seite. Experten halten den Sektor derzeit für defensiv – also krisenfest. Dementsprechend haben die Bonds zugelegt.

HB FRANKFURT/MAIN. Die Rally kam erst relativ spät, aber dann richtig: Unternehmensanleihen machten die Erholung der Aktienmärkte nach den terroristischen Angriffen gegen die USA zunächst zwar nicht mit. In den vergangenen Wochen haben die Papiere jedoch kräftig aufgeholt:

Die Kurse sind gestiegen und die Renditen dementsprechend gesunken. "Inzwischen rentieren viele Unternehmensanleihen wieder auf dem Niveau vor dem 11. September", sagt Christian Roth, der für die Investmentbank Morgan Stanley den Morgan Stanley Sicav Euro Corporate Bond Fund managt.

Besonders gut haben sich dabei Telekomanleihen entwickelt, und Analysten sehen weiteres Potenzial für die Bonds. Einige Banken wie Goldman Sachs und die DZ Bank empfehlen inzwischen wieder, den Sektor leicht überzugewichten. Zwischenzeitlich hatten Banken unter anderem wegen der hohen Verschuldung vieler Telekomkonzerne zur Vorsicht bei den Anleihen der Branche geraten.

Schon länger optimistisch ist Scott Marchakitus, Telekomanalyst bei JP Morgan, der die Branche seit Sommer mit dem positiven Urteil "Overweight" (Übergewichten) einstuft. "Der Sektor gehört zu den defensivsten überhaupt", sagt Marchakitus. "Die Leute telefonieren immer, unabhängig davon, wie sich die Konjunktur entwickelt." Und nach den Anschlägen gegen die USA zögen es viele Leute zudem vor zu telefonieren, statt Geschäftsreisen per Flugzeug zu machen.

Privatanleger sollen bei Telekomkonzernen auf Rating achten

Auch mit Blick auf die Bonitätsbewertungen der Telekomkonzerne sei das Schlimmste zunächst vorüber, meint Marchakitus. Erst falls einige Unternehmen es im kommenden Jahr nicht schaffen sollten, ihre Schulden wie geplant abzubauen, könnte neues Ungemach seitens der Ratingagenturen drohen. Die Urteile der großen Ratingagenturen Standard & Poor?s (S&P) und Moody?s über die Kreditwürdigkeit von Unternehmen haben großen Einfluss auf die Entwicklung der Anleihen. Die meisten Telekomunternehmen werden von den Agenturen noch als Investitionsklasse, das heißt mit mindestens der Note "BBB-" der Agentur S&P bzw. "Baa2" von Moody?s bewertet. Die Zeit, in der die Firmen über ein sicheres Rating im Doppel-A-Bereich verfügten, ist aber schon lange vorbei.

Privatanleger sollten nach Meinung von Martin Hartmann, Rentenstratege für Privatkunden bei der Dresdner Bank, auf ein gutes Investment-Grade-Rating – am besten Einfach-A – achten, wenn sie Unternehmensbonds kaufen. Dabei rät er zu mittleren Laufzeiten von bis fünf Jahren. Bonds, deren Investment-Grade-Rating auf der Kippe steht, würde Hartmann nicht empfehlen, auch wenn sie von der Rendite her attraktiv erscheinen. So bieten fünfjährige Anleihen der hochverschuldeten niederländischen Telekomfirma KPN nach Berechungen von JP Morgan derzeit sieben Prozentpunkte bzw. 700 Basispunkte mehr Rendite als vergleichbare Bundesobligationen mit Laufzeit von fünf Jahren. "Damit rentieren die Bonds auf dem Niveau einiger riskanten Hochzinsanleihen", sagt Hartmann. Entsprechende Herabstufungen seien bereits eingepreist, obwohl die Kurse der Bonds in den vergangenen Wochen beeindruckende 10 % zugelegt haben.

Besser bewertete Telekomanleihen bieten derzeit Renditen bis zu 5,5 % (Tabelle). Den Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen, findet Roth immer noch attraktiv. Privatanleger sollten jedoch nicht den Fehler machen, alles auf eine Karte zu setzen. Anders als bei Aktien gebe es bei Bonds meist keine großen Kursgewinne einzelner Titel. Auch deshalb sei es wichtig zu diversifizieren. In seinem Fonds hat Roth Anleihen von mehr als 50 Unternehmen, Telekombonds machen einen Anteil von etwa 15 % aus.

Auch Hartmann von der Dresdner Bank "hält nicht viel davon, wenn sich Privatanleger auf einen einzelnen Bond stürzen". Um nicht von einer Rating-Herabstufung oder schlechten Unternehmensnachrichten überrascht zu werden, sollte man sein Depot breit streuen. Bei kleineren Anlagesummen lohne sich zudem ein Umschichten wegen ein paar Basispunkten mehr Rendite schon allein wegen der Gebühren für Privatanleger nicht. Deshalb käme für private Investoren meist lediglich eine Passivstrategie – das heißt: Kaufen und Halten bis zum Ende der Laufzeit – oder das Engagement in Rentenfonds in Frage.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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