"Nicht aus jeder Firma kommt Hewlett Packard gekrochen"
Wagniskapital als Geldanlage nur bedingt zu empfehlen

Das Risiko ist nach Einschätzung von Aktionärsschützern äußerst hoch.

ap BERLIN. Der Markt für Wagniskapital hat in Deutschland in jüngster Zeit einen echten Boom erlebt: Noch vor wenigen Jahren klagten Jungunternehmer über die mangelnde Bereitschaft der Deutschen, neuen Ideen mit dem nötigen Geld eine Startchance zu verschaffen. Doch in den nur zwei Jahren von 1997 bis 1999 hat sich die Zahl der Gesellschaften, die vorwiegend Newcomern eine Kapitalbeteiligung anbieten, nach Angaben der deutschen Bundesbank verdoppelt. Nach Einschätzung von Aktionärsvertretern und Verbraucherschützern ist diese Form der Geldanlage Kleinanlegern jedoch nur bedingt zu empfehlen.

Das Risiko sei hoch, argumentiert etwa Horst Peter Wickel von der Stiftung Warentest in Berlin. "Nicht aus jeder Firma kommt Hewlett Packard gekrochen", dämpft auch Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Erwartungen auf Traumrenditen. Nach Einschätzung deutscher Venture-Capital-Gesellschaften entwickeln sich von zehn Beteiligungen fünf bis sechs durchschnittlich, ein bis zwei überdurchschnittlich gut und zwei gingen Pleite, wie Wickel berichtet.

Grundsätzlich gibt es drei Formen sein Geld in Wagniskapital zu investieren. Große VC-Gesellschaften bieten geschlossene Fonds an, die nicht handelbar sind und wegen der hohen Einstiegssumme von 250 000 bis 300 000 Mark für Kleinanleger ohnehin kaum in Frage kommen. Zweitens kann man Aktien von börsennotierten VC-Gesellschaften erwerben. Drittens kann sich der Anleger direkt an einem jungen Unternehmen beteiligen, von dem er sich eine gute Zukunft verspricht. Geld wird vor allem dann gemacht, wenn die Firma an die Börse geht und der Anteil zu einem lukrativen Kurs wieder verkauft werden kann.

Nicht nur den Hochglanz-Broschüren vertrauen

Die riskanteste Art ist die Direktinvestition in ein Unternehmen. Auf diesem Markt tummeln sich nach Einschätzung von Kurz einige nicht seriöse Vermittler. Anleger sollten kleinen Beteiligungsangeboten um die 20 000 Mark misstrauen. Es sei eher ungewöhnlich, dass Firmen Kleinstsummen sammelten. Wenn dann noch ein immenser Steuervorteil versprochen werde, sollte die Skepsis Anleger endgültig geweckt sein. Grundsätzlich gelte: Je spekulativer ein Investment sei, desto mehr Informationen brauche der Anleger. Nicht Hochglanzbroschüren vertrauen, sondern sich das Unternehmen selbst anschauen, lautet der Rat des Aktionärsschützers. Grundsätzlich sollten Unerfahrene diese Form der Geldanlage meiden.

Geringer ist das Risiko dagegen bei dem Erwerb von Aktien von VC-Gesellschaften, da diese in eine Vielzahl von Unternehmen investieren. Allerdings sei dies auch nichts für Anleger, die eben Mal in Aktien investieren wollten, sagt Kurz. Grundsätzlich sollte man eher auf eingeführte Gesellschaften setzen. Bei neuen Unternehmen sollte der Anleger darauf achten, wer dahinter stehe, denn entscheidend sei das Know-how der Geschäftsführung.

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