Nicht bindend für Ministerentscheidung
Ruhrgas-Übernahme durch Eon abgelehnt

Die Eon AG hat bei der geplanten Übernahme der Ruhrgas AG einen weiteren politischen Rückschlag erlitten. Unmittelbar nachdem sich der Düsseldorfer Energiekonzern mit der RAG AG über den Erwerb von deren Ruhrgas-Anteilen geeinigt und damit den letzten Baustein für die Übernahme eingefügt hatte, sprach sich am Dienstag die Monopolkommission gegen das gesamte Projekt aus.

vwd DüSSELDORF. Am Montag hatten Eon und RAG bekannt gegeben, dass der Essener Bergbau-Konzern seien 18,4-prozentigen Anteil an Ruhrgas abgeben und im Gegenzug die Mehrheit an der Eon-Tochter Degussa übernehmen will.

Nachdem das Bundeskartellamt die Übernahme von Ruhrgas durch Eon im Januar abgelehnt hatte, liegt die endgültige Entscheidung beim Bundeswirtschaftsministerium. Die Monopolkommission, deren Votum den Charakter einer Empfehlung hat, erklärte, sie sei mehrheitlich zu der uneingeschränkten Empfehlung gelangt, den Anträgen auf Ministererlaubnis nicht stattzugeben. Nur ein Mitglied des Gremiums befürworte eine solche Genehmigung, da so die Wettbewerbsposition von Ruhrgas beim Import von Gas verbessert würde.

Mehrheitlich sei die Kommission indes der Ansicht, dass ein Zusammenschluss "besonders schwerwiegende Wettbewerbsbeeinträchtigungen" auf dem Strom- und Gasmarkt zur Folge hätte. Dem stünden "keine Gemeinwohlgründe mit hinreichendem Gewicht gegenüber". Auch eine Genehmigung unter Auflage komme nicht in Betracht. Ebenso unzulässig sei eine Ministererlaubnis aus Gründen des europäischen Gemeinschaftsrechts, solange die beteiligten Unternehmen keine Freistellung der EU-Kommission erwirkt hätten. Dem Bundeswirtschaftsministerium empahl die Kommission, das Erlaubnisverfahren bis dahin auszusetzen.

Unterdessen hält Eon an dem Vorhaben fest: Der Konzern bekräftigte die Überzeugung, dass der Zusammenschluss "erhebliche gesamtwirtschaftliche Vorteile" biete. Insgesamt will Eon gut 60 % an Ruhrgas erwerben. Zum Einen will der Dax-Konzern von BP die Gelsenberg AG übernehmen, die mit 25,5 % an dem Gasunternehmen beteiligt ist. Zum Anderen geht es um den Erwerb der Bergemann GmbH, die 34,8 % hält. Von deren Eignern hatten Vodafone, ThyssenKrupp und RWE bereits 2001 der Abgabe ihrer Beteiligungen an Eon zugestimmt. In Gestalt der Degussa-Transaktion haben sich die Düsseldorfer jetzt auch mit dem Ruhrgas-Gesellschafter RAG verständigt.

Die RAG will sich mit der Veräußerung ihres Ruhrgas-Anteils und der Übernahme der Degussa-Mehrheit strategisch neu ausrichten. "Die Ruhrgas ist für uns ein finanzielles Investment, Degussa dagegen ein langfristig strategisches", sagte der Vorstandsvorsitzende des Essener Bergbau-Konzerns, Karl Starzacher. In zwei Schritten will die RAG bis 2004 insgesamt 50,1 % an dem Düsseldorfer Spezialchemiekonzern übernehmen. RAG bietet 38 Euro je Aktie, insgesamt hat die Transaktion ein Volumen von 3,9 Mrd. Euro. Zur Finanzierung dient der Ruhrgas-Erlös von rund 1,9 Mrd. Euro, außerdem wird RAG ein Darlehen von bis zu zwei Mrd. Euro aufnehmen.

Zunächst will die RAG mindestens 30 % an Degussa erwerben. Dazu wird das Unternehmen im Rahmen eines freiwilligen Übernahmeangebots von den freien Aktionären und Eon so viele Degussa-Aktien erwerben, dass RAG und Eon jeweils einen gleichen Anteil an Degussa halten. Im Frühjahr 2004 soll Eon dann zum gleichen Preis so viele weitere Anteile abgeben, dass RAG insgesamt 50,1 % an Degussa hält. Durch die Übernahme will RAG das Kerngeschäftsfeld Chemie ausbauen. Mit Rütgers verfügt der Konzern bereits über eine Chemie-Tochter.

Laut Starzacher gibt es zwischen beiden Unternehmen kaum Überschneidungen im Produktportfolio, Synergien stünden beim Erwerb der Degussa-Anteils nicht im Vordergrund. Dennoch würden in den kommenden Monaten Möglichkeiten einer Zusammenarbeit der beiden Gesellschaften geprüft. Die Degussa begrüßte das Konzept. Analysten rieten den freien Degussa-Aktionären, das RAG-Angebot anzunehmen. Eine Nachbesserung der Offerte sei unwahrscheinlich, so die Experten von M. M. Warburg. Die WGZ-Bank bezeichnete das Angebot als fair. Positiv sei zu sehen, dass Degussa auch im Falle einer Übernahme ein selbstständig börsennotiertes Unternehmen bleiben solle.

Bundesregierung hat Übernahme von Degussa gestattet

Die Bundesregierung und das Land Nordrhein-Westfalen haben der RAG die Übernahme von Degussa bereits gestattet. Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums sagte in Berlin, der interministerielle Ausschuss habe sein grundsätzliches Einverständnis erteilt. Als Subventionsempfänger sei die RAG verpflichtet, bei größeren Transaktionen in ihrem nicht die Kohle betreffenden Bereich die Zustimmung von Bund und Land einzuholen. Die RAG zählt zu den großen Subventionsempfängern in Deutschland. Bis 2005 wird das Unternehmen noch einschließlich der 2002 anfallenden Zahlungen rund 9,6 Mrd. Euro an öffentlichen Geldern erhalten.

Bei der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) stieß die Einigung von Eon und RAG auf Zustimmung. Die Beschlüsse seien ein wichtiger Schritt für die industriepolitische Zukunft der RAG und damit auch die Sicherung des heimischen Steinkohlebergbaus, erklärte IG-BCE-Vorsitzender Hubertus Schmoldt. Für Degussa würden sichere Perspektiven für ein weiteres Wachstum des Unternehmens geschaffen. Währends die Degussa-Aktie am Dienstag von der Entwicklung profitierte und bis zwölf Uhr in einem wenig veränderten Umfeld um vier Prozent auf 35,90 Euro zulegte, verloren Eon um 1,4 % auf 56,34 Euro.

Anhörung zur Ministererlaubnis in kommender Woche

Wie das Bundeswirtschaftsministerium unterdessen mitteilte, wird im Verfahren zur Ministererlaubnis am Mittwoch der kommenden Woche eine öffentliche mündliche Verhandlung stattfinden. Mit den am Verfahren Beteiligten und Vertretern von Unternehmensverbänden soll im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) die Sach- und Rechtslage erörtert werden, teilte das Ministerium am Dienstag in Berlin mit.

Die Verhandlung betreffe den Antrag der Eon AG, eine Ministererlaubnis für ihr Vorhaben zu erhalten, durch die Übernahme von Anteilen der Gelsenberg AG und der Bergemann GmbH die mittelbare Kontrolle über die Ruhrgas AG zu erlangen. Die Verhandlung wird um 10.00 Uhr MESZ in der BMWi-Aula beginnen.

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